Egon Graf von Beroldingen

…. der letzte Kommandant des Militärflugplatzes

*24.09.1885 Hochberg        +20.10.1933 München

Seine Eltern Alexandrine von Beroldingen, Tochter des Barons von Hügel (1843-1903), und Graf  Clemens von Beroldingen (1828-1884) heirateten 1876.

Stationen:  Hochberg – Böblingen – Stuttgart – Frankfurt/Main

Egon Graf von Beroldingen war eine schillernde Persönlichkeit:

  • Kunstinteressierter
  • Militär (vom Ulanenregiment zum Flugplatzkommandanten)
  • Fußballklub-Präsident zweier Fußballvereine
  • Flughafendirektor (Zivil-Flughafen)

 Kunst

Um das Interesse Egon Graf von Beroldingen an der Kunst zu verstehen, ist ein kleiner Rückblick auf die Familiengeschichte hilfreich: (aus Remseck am Neckar Historischer Rundgang durch Remseck-Hochberg 2009):

….Schlossbesitzer (Schloss Hochberg) ist nun seit 1841 der nachmalige württembergische Außenminister Baron (1805 – 1870). Er hatte sich 1836 mit der russischen Bojarentochter Werestschagina verheiratet, die ihrerseits eine Jugendfreundin von (1814 – 1841) war. Lermontow aber zählt mit Puschkin und Gogol zu den bedeutendsten Vertretern der romantischen Literatur Russlands. Mehrere Alben voller Gedichte und Zeichnungen von der Hand Lermontows hatte die Werestschagina in ihrem Besitz. Russische Wissenschaftler sprechen daher vom „Schatz von Schloss Hochberg“, der allen Nachforschungen zum Trotz bis heute verschollen ist. (1843 – 1903), Tochter des Barons von Hügel und künstlerisch vielseitig begabt, war seit 1876 mit dem Grafen Clemens von Beroldingen (1828 – 1884) vermählt. Nach dessen Tode hielt sie sich viel in Berlin auf und führte dort einen von Literaten gern besuchten musischen Salon. In seinen jungen Jahren pflegte er Umgang mit literarischen Größen der Zeit, mit Rudolf Alexander Schröder beispielsweise und Hugo von Hofmannsthal. Nach seinem frühen Tod wurde das reiche Inventar des Schlosses 1934 versteigert; weit über 500 Kunstgegenstände nannte die Liste der dreitägigen Auktion. Auktionskatalog

Nicht nur in seiner Jugendzeit auf Schloß Hochberg in Remseck, sondern auch während seinen späteren verschie­denen Tätigkeiten entspannte sich Egon Graf von Beroldingen immer wieder bei der Kunst, so auch bei etwa 36 Be­suchen (siehe http://www.gaestebuecher-schloss-neubeuern.de/) bei einem künstlerisch interessierten Freundes­kreis auf Schloß Neubeuern im Inntal. Jakob Burckhardt, der bekannte Schweizer Diplomat und Essayist, hat die besondere Atmosphäre von Schloss Neubeuern in dieser Zeit vielleicht am zutreffendsten formuliert:

„Es gab einen Freundeskreis und da war ein Ort in einer der lieblichsten Gegenden Oberbayerns, und in die­sen Häusern wirkten Frauen, die in wunderbarer Weise diese Freunde vereinigten. Während eines halben Jahrhunderts haben sie eine in dieser Art, in jedem Augenblick offen stehende Gastfreundschaft geboten. Für alle schufen sie eine zweite Heimat, eine Zuflucht für ungestörtes Arbeiten, einen immer zur Verfügung stehenden Treffpunkt hoher, geistiger Geselligkeit; dort fand man Anteil, Verständnis über alle Grenzen, Aufmunterung im Geben wie im Nehmen, und es herrschte ein glückliches, ausgewogenes Vertrauen, zu dem jeder seinen Teil beitrug. Dieser Mittelpunkt hieß Neubeuern …”

Beroldingen_Egon_Graf_von3

Beroldingen_Egon_Graf_von7

aus Wikepedia gekürzt:  

Im Jahr 1882 erwarb Jan Wendelstadt, Sohn des Gründers des „Darmstädter Bankvereins Ferdinand Wendelstadt“ und einer holländischen Aristokratin, das Schloss Neubeuern. Im Jahr 1893 heiratete dieser Julie Gräfin von Degenfeld-Schonburg, eine Hofdame der Königin von Württemberg, die dadurch als Freifrau von Wendelstadt Herrin auf Schloss Neubeuern wurde. Damit war der Anschluss an den schwäbisch-deutschen Uradel vollzogen. Nach dem Vorbild etwa eines Großherzogs umgab sich der frischgebackene Baron mit einem lockeren Kreis von Künstlern und Intellektuellen aus ganz Deutschland. Als Vermittler fungierte dabei der Schwager seiner jungen Frau Julie, der Kunstkenner, Politiker und Wirtschaftsmann Eberhard von Bodenhausen, eine Schlüsselfigur im kulturellen Leben der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Aus seinem Wirkungskreis in Berlin, Wien oder Weimar brachte er illustre Gäste ins abgelegene Schloß. Zu den regelmäßig wiederkehrenden Besuchern zählten der weltläu­fige Kunstförderer Harry Graf Kessler, der Jugendstilkünstler Henry van de Velde, der auch einige Räume des Schlosses ausgestaltete, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder, die Begründer des Insel-Verlags, oder der Spätklassiker Rudolf Borchardt. Hugo von Hofmannsthal, Annette Kolb, Eugen Roth, Carl Burckhardt, Henry von Heiseler, der Musiker und Komponist Max von Schillings. Dazu kamen bekannte süddeutsche Maler wie Carl Arnold, Bruno Paul, Leo Putz, Paul Hoecker, Arnold Böcklin, Alfred Haushofer, Franz von Lenbach, Walter Püttner, Ludwig von Hofmann, Hans Rossmann, Josef Sattler und Franz von Stuck.

Militär

Schon bald fand Beroldingen Gefallen an einer militärischen Laufbahn. Er wurde Rittmeister bei den Ulanen und kam gleich zu Beginn des ersten Weltkriegs zur Fliegerei. Sein Stammregiment war das Ulanenregiment 20.

Beroldingen Ehrenpreis 1908

Die militärische Laufbahn:  (CO) Führer dieser Einheit

Feldfliegerabteilung 22                                    01.08.1914 – 15.12.1916
Fliegerabteilung (Artillerie) 261 C.O.             15.12.1916 – September 1917
Fliegerersatzabteilung 10 in Böblingen C.O.  September 1917– EOW

Am 08.Dezember 1914 erhielt Egon Graf von Beroldingen den württembergischen Militär-Verdienst-Orden.

Beroldingen_Egon_Graf_von4 1

Egon Graf von Beroldingen war von Herbst 1917 bis zur Auflösung bei Ende des I.Weltkriegs im Jahre 1918 der letzte Kommandeur des Böblinger Militärflughafens und damit der Fliegerersatzabteilung (Fea 10). Über diese Zeit wird im Hauptbeitrag berichtet.

Am 17. Juni 1919 heiratete er in Potsdam die vier Jahre jüngere Nora Sylvia Eugénie Kapp von Gültstein, Tochter von Otto Kapp von Gültstein, dem Erbauer der Bagdadbahn. Im Februar 1920 kommt in Berlin Sohn Bernd Alexander Otto zur Welt. Im Oktober 1920 stirbt Dr.h.c. Karl Otto Kapp von Gültstein. An der Beisetzung der Asche in der Gültsteiner Urnenhalle am 26.Oktober 1920 nimmt außer Kapp’s Tochter und ihrem Mann nur eine kleine Gemeinderatsabordnung teil. Im Januar 1921 läßt Nora den Gültsteiner Haushalt auflösen, das sogenannte Schloß des Ingenieurs wird an die Landesfürsorgebehörde verkauft, die dort ein Erholungsheim für Kriegsversehrte einrichtet. Damit verlieren sich die Spuren der Familie Kapp von Gültstein in der Gemeinde. Die Ehe mit Egon Graf von Beroldingen wird 1922 geschieden. Egon Graf von Beroldingen war ein Mann des Sports, der Fliegerei und der Kunst. Nora wollte sich politisch, kulturell und journalistisch betätigen.

Nora mit SohnNora mit Sohn Alexander

Nora zieht am 1.April 1922 mit ihrem Sohn nach Garmisch. Während der Inflation verlor Nora ihr Vermögen. Am 28.November 1925 zog sie nach Berlin, wo sie als Journalistin arbeitet. In den dreißiger Jahren machte sie sich als Veranstalterin von politischen Salons einen Namen, an denen zahlreiche Politiker, Diplomaten, Wissenschaftler und Vertreter der Wirtschaft regelmäßig teilnehmen. Von 1926 bis 1930 gehörte sie der deutschen Delegation beim Völkerbund an. Am 06.Juli 1932 heiratet Nora den Historiker Martin Winkler. 1933 wird Nora die journalistische Tätigkeit untersagt, erst 1945 kann sie wieder journalistisch tätig werden. Neben ihrem unermüdlichen Einsatz für die Völkerverständigung setzte sie sich vor allem für die Rechte der Frauen ein.  Am 19.August 1949 wird die Ehe mit Winkler geschieden. Am 18. Oktober 1953 verstirbt sie in Garmisch-Partenkirchen.

Fußball-Präsident VfB Stuttgart 1919 bis 1923

                       alle Passagen aus hefleswetzkick

Durch Wilhelm Moser, der in der Mannschaft der Böblinger Flieger Mittelläufer spielte, kam der VfB erstmals mit Graf von Beroldingen in Berührung. Aus dieser ersten Bekanntschaft mit dem Fliegerkommandeur wurde bald eine enge Verbindung dieses hochherzigen Förderers des Sports mit dem VfB. Dann gelang es Jule Dempfs persönlicher Initiative, Graf von Beroldingen als Mitglied für den VfB zu gewinnen. Aber als reines Repräsentationsschild wollte der Graf nicht wirken; sein Wunsch und Wille ging vielmehr dahin, an verantwortlicher Stelle im Verein mitzuarbeiten. So kam es ganz selbstverständlich dazu, dass Graf von Beroldingen den Vorsitz im VfB von Dr. Gustav Schumm übernahm, den er dann von 1919 bis 1923 führte. Der „Graf“, wie man ihn innerhalb des Vereins vertraut und zu-gleich respektvoll nannte, war in einer bewegten Zeit zum VfB gekommen, 1918, bei Kriegsende, als eine revolutionäre Stimmung im Lande die Gefühle aufkochen ließ und der Herrschaft des Adels ein Ende machte. Er sah nach dem Krieg im Sport eine Möglichkeit, der deutschen Jugend ein Feld zur körperlichen wie geistigen Ertüchtigung zu bereiten. Gleichzeitig förderte er das gesellschaftliche Renommee des VfB Stuttgart, dessen Mitglieder es wurmte, dass den Stuttgarter Kickers seinerzeit in dieser Beziehung ein höherer Rang zugesprochen wurde. Nun aber war ein Graf als Vorsitzender ein hervorragender Repräsentant. Und Beroldingen packte an. Unter seiner Mitwirkung entstand eine neue Platzanlage auf dem Wasen, der berühmte Platz bei den drei Pappeln, der bis Mitte der dreißiger Jahre Heimstatt des VfB blieb. Auch die Jugendarbeit und die Talentförderung wurde durch ihn stark ausgebaut. Graf von Beroldingen bemühte sich auch persönlich um ein harmonisches Zusammenleben der VfB-Familie. Unvergesslich bleibt uns ein wohlgelungender Unterhaltungsabend im Kursaal, den er in eigener Regie durchführte und mit jungen Künstlern aus den Reihen der Aktiven bestritt.

Dazu noch ein Artikel aus der Vereinszeitung Stadion aktuell 2007/2008

Als der VfB im Laufe des Jubiläumsjahres 1923 beschloss, trotz aller finanzieller Schwierigkeiten die Vereinszeitung früherer Jahre wieder zu begründen, so auch aus der Überzeugung heraus, dass der Verein zu groß geworden war, um alles im direkten Gespräch auszuhandeln. In der ersten Nummer im Frühjahr 1924 richtete der Ehrenvorsitzende Egon Graf von Beroldingen u.a. folgende Worte an die Mitglieder:

„Sorgen des Alltags, vielleicht der Mangel an Mitarbeitern und anderes mehr hat es bislang gehindert, diese V.f.B.-Zeitung wieder ins Leben zu rufen, die uns alles, was unsere große Familie angeht, immer wieder vor Augen führen soll. Alle Begebnisse des Sports, alle Ereignisse in der Familie des Vereins, alle Anweisungen der Vereinsleitung,die bisher nur wenigen zugänglich waren, und auch zuletzt alle die Mängel, die nicht verschwiegen werden dürfen, sollen hier ihren Widerhall finden.“ Der Ehrenvorsitzende deutet an, es ist eine Familie, bei der aber nicht alles harmonisch verläuft, wie im „richtigen“ Leben eben auch. Friede, Freude, Eierkuchen, das gibt es auch in einem Sportverein nicht zu aller Zeit. Man streitet auch im VfB, der – laut Beroldingen – an einem „Erzübel“ krankt: „… zuviel hinter den Kulissen Kritik und zu wenig offenes Urteil: dies ist von Segen, jenes zum Verderb.     Hier (in den Vereinsnachrichten) haben Sie nun und hat ein jeder das Recht und die Pflicht, frei seine Meinung zu äußern…“

Der VfB kam mit Beroldingen nach den mageren Kriegsjahren wieder richtig in Schwung. Standesdünkel lagen dem Grafen fern. So wird er in der Gedächtnisausgabe mit einem Ausspruch zitiert, den er des Öfteren gegenüber Julius Dempf, seinem Vorstandskollegen, machte: „Mein lieber Dempf, was für einen Beruf das einzelne Mitglied hat, ist mir ganz gleich, er muss nur ein anständiger Sportsmann sein und vor allen Dingen Charakter besitzen.“

Am 8. Juli 1921 bestätigten die VfB-Mitglieder Egon Graf von Beroldingen als Vereinsvorsitzenden und spra­chen ihm einmütig das Vertrauen aus.

Im Vorfeld der geplanten Ligareform 1923/1924, in der die Zahl der Erstligisten um die Hälfte reduziert werden sollte, mußte der VfB in der Saison 1922/1923 in die 2.Liga absteigen. Zu unserem tiefsten Bedauern musste uns unser 1. Vorsitzender, Graf von Beroldingen, verlassen. Er siedelte aus beruflichen Gründen nach Frankfurt über, wo er die Leitung des dortigen Flugplatzes übernahm. Noch einmal richtete der Graf mannhafte Worte an seine VfBler anlässlich unserer Feier des 30jährigen Bestehens, die wir in schlichtem Rahmen im Stuttgarter Kunstgebäude abhielten (das 25-Jahre-Jubiläum war dem Krieg zum Opfer gefallen). Der Verein verlieh dem Scheidenden die Würde eines Ehrenvorsitzenden. Beim Festabend anläßlich des 30 .VfB-Jubiläums im Kleinen Kursaal in Form eines wohlgelungenden Her­renabends wurde unser Ehrenvorsitzender Graf von Beroldingen mit Jubel begrüßt; seine Ansprache löste spontanen Beifall aus. Im Auftrag des Vereins konnte er Otto Vollmer, den Senior der Aktiven, mit einem kunstvoll gestalteten Ehrenbrief auszeichnen. Noch einmal fand der Graf zu Herzen gehende, zündende Worte anderntags bei der Gefallenen-Gedenkfeier und beim Aufmarsch der Aktiven sämtlicher Abteilun­gen auf unserem Sportfeld. Der Kontakt zu seinem VfB blieb auch während der Frankfurter Zeit erhalten. Dort wurde Beroldingen Vorsitzender von Eintracht Frankfurt, was zwischen den beiden Vereinen eine be­sondere Beziehung herstellte.

Der VfB machte ihn zum Ehrenvorsitzenden und man hielt die Beziehung lebendig. Es kam zu Besuchen in beiden Richtungen, beim 40-jährigen Jubiläum, 1933, war Egon Graf von Beroldingen wie einst präsent.

Flughafendirektor Frankfurt/Main 1924 bis 1933

1924 zog Beroldingen nach Frankfurt, wo er Direktor des Frankfurter Flughafens wurde und ihn zum zweitwichtigsten deutschen Flughafen nach Berlin ausbaute.

 

1930er Jahre, Archivfoto, Egon Graf von Beroldingen, Flughafen RebstockgelŠnde

 

Fußball-Präsident Eintracht Frankfurt

       Von 1928-1933 war von Beroldingen auch Vorsitzender von   „Eintracht Frankfurt“. (aus der Graf aß gerne noch ein Schnitzel)

Von Beroldingen wurde 1923 (?) in Frankfurt Geschäftsführer der Flugplatz Rebstock GmbH und war maßgeblich verantwortlich für die rasante Entwicklung des Luft-verkehrs. Dem Sport blieb er verbunden, er wurde Mitglied bei der Eintracht – und mit offenen Armen empfangen. Am Riederwald schätzte man seine wirtschaftliche Kompetenz und seine Geselligkeit. 1927 übernahm von Beroldingen, der gelegentlich auch an Turnieren der Tennisabteilung teilnahm, den Vorsitz des Vereins. Unter seiner Regie entwickelte sich die Eintracht zu einer Spitzenmannschaft, die 1932 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Auch den Kontakt zum VfB Stuttgart, bei dem er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, ließ von Beroldingen nicht abbrechen. Karl Kraus, genannt „Micki“, der als Kind seit Anfang der 1930er Jahre bei der Eintracht spielte, erinnert sich noch gut an den Grafen: „Wie man es damals als Bub gesehen hat, ein vornehmer Herr, ein bißs­chen beleibt. Aber eine riesige vornehme Ausstrahlung hat er gehabt.“ Anneliese Schneider, die Tochter des ehemaligen Vereinsgaststättenpächters Heinrich Kraushaar, erinnert sich mehr an die gesellige Seite des Grafen, der gerne Pfeife rauchte: „Wenn der Graf spät abends zu uns in die Wirtschaft kam, hat meine Mutter immer dafür gesorgt, dass er noch ein Schnitzel bekommen hat.“ Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erging an die Vereine die Anweisung, nur Personen in die Vereinsführung zu berufen, „deren Gesinnung, persönliche Eignung und Untade­ligkeit außer Zweifel steht.“ Egon Graf von Beroldingen, der laut zeitgenössischen Berichten mit Ministerpräsident Göring befreundet war, schien geeignet, die nun von Seiten der Politik vorge­benen Bedingungen zu erfüllen und wurde im September 1933 bei einer außerordentlichen Haupt­versammlung im Amt bestätigt. Wie sich der Graf beispielsweise gegenüber dem Schatzmeister Hugo Reiss verhalten hat, der seinen Posten wegen seines jüdischen Glaubens aufgeben musste, ist nicht bekannt.

Mit Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland wuchs auch dessen Einfluss auf die Fußballvereine. In dem Buch „Stürmer für Deutschland 1933 bis 1945“ wird u.a. von Beroldingen wie folgt erwähnt:

Bei Eintracht Frankfurt beispielsweise können Juden vor 1933 ohne Probleme in leitende Positio­nen ge­langen. Die Finanzen des Vereins verwaltet Hugo Reiss als Schatzmeister, er sitzt auch im Vorstand. Doch ab Januar 1933 stellt die Eintracht um. Äußert der Verein nach dem freiwilligen Austritt eines langjährigen jüdischen Mitglied im April 1933 noch Betroffenheit darüber, „daß Sie infolge der politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande Ihren Austritt erklärt haben“, so unter­zeichnet er im gleichen Monat ebenfalls die Resolution süddeutscher Clubs, in der diese die Ent­fernung von Juden aus den Vereinen fordern und die nationalsozialistische Regierung ihrer treuen Gefolgschaft versichern.

Drei Wochen bevor Reichssportführer Tschammer in seinen Leitsätzen zur Zukunft des Sportes die Durch­führung des Führerprinzips in den Verbänden offiziell fordert, gibt sich die Eintracht eine neue Struktur. Eine Versammlung von Ehrenmitgliedern, Ehrenspiel-führern und älteren Mitglie­dern ernennt den bisheri­gen Vorsitzenden Egon Graf von Beroldingen zum kommissarischen Vor­sitzenden und beschließt: „Der Verein wird heute nach dem Führerprinzip geführt“. Eine schriftli­che Satzungsänderung erfolgt aber noch nicht, denn die Versammlung wartet die angekündigten neuen Richtlinien des Reichssportführers für die Vereine ab. Der dennoch mit Führervollmachten ausgestattete alte neue Eintrachts-Vorsitzende von Beroldingen beruft auf dieser Versammlung auch seine Mitarbeiter. Der jüdische langjährige Schatzmeis­ter findet sich nicht mehr darunter.

Ende des Jahres schaltet sich die EINTRACHT dann auch offiziell gleich. Mit „Sieg-Heil-Rufen“ und dem „Horst-Wessel-Lied“ verabschiedet sich der Verein von seiner langjährigen Tradition. Nach dem Tod des bisherigen Vereinsvorsitzenden Graf von Beroldingen gelangt mit dem SA-Mann Hans Söhngen ein Vereinsführer an die Spitze der Eintracht, der den ehemals als „Juden­club“ titulierten Verein auf Parteilinie bringt…..

TOD  (aus der Graf aß gerne noch ein Schnitzel)

In der Nacht vom 20. auf den 21.Oktober 1933 verstarb Egon Graf von Beroldingen im Alter von 48 Jahren überraschend an den Folgen einer Gallenblasenerkrankung. Die Beerdigung, zu der auch viele Vertreter der Eintracht anreisten, fand am 25.Oktober 1933 auf dem Stuttgarter Prag-Fried­hof statt. Während eine Fliegerstaffel aus Böblingen über dem Friedhof kreiste, hielt die erste Fuß­ballmannschaft des VfB Stuttgart am Sarg die Totenwache. In der Vereinszeitung der Eintracht wurden dem verstorbenen Vorsitzenden vier Seiten gewidmet, unter den mehr als sechzig eingehenden Kondolenzschreiben war auch ein Beileidsschreiben von Hugo Reiss. Vier Wochen lang herrschte am Riederwald Vereinstrauer, während der sämtliche Vergnügungsveranstaltungen ausblieben und die Mannschaften mit Trauerflor spielten. In den folgenden Jahren gedachten die Eintracht und der VfB gemeinsam des verstorbenen Vorsitzenden. Zweimal jährlich spielten beide Vereine den „Beroldingen-Pokal“ aus. Der silberne Pokal ist eines der wenigen Erinnerungsstücke, welche die Zer­störung des Riederwalds im Zweiten Weltkrieg überlebt haben.

(Anmerkung: Am 13.Mai 1934 kam es in Stuttgart zur ersten Begegnung. 5:2 für die Hessen. Am 26.August 1934 war der VfB in Frankfurt mit 2:0 siegreich. Am 25.April 1936 zeigte sich in Stuttgart wiederum die Eintracht überlegen, erneut mit 5:2. Beim letzten Pokalspiel in Stuttgart am 26.Dezember 1936 siegten wiederum die Hessen mit 3:2)

In der Vereinszeitung des Vfb Stuttgart HefleswetzKick wird über die Trauerfeier folgendes berichtet:

Tod unseres Ehrenvorsitzenden Graf von Beroldingen

„Große Bestürzung und Trauer löste der unerwartete Tod unseres Ehrenvorsitzenden Graf von Beroldingen in der VfB-Familie aus. In der Chirurgischen Klinik in München erlag der verehrte Graf auf der Höhe seines Lebens im Oktober 1933 einer Gallensteinoperation. Die Bedeutung dieses aufrechten Menschen und Sportführers haben wir an anderer Stelle gewürdigt. Unsere erste Mannschaft hielt dem Toten die Ehrenwache. Kein Ereignis in der langen Geschichte des VfB vereinte so viele VfBler, Alte und Junge, wie der Heimgang dieses von allen verehrten Mannes. Viel zu klein war die Halle des Krematoriums auf dem Pragfriedhof für die vielhundertköpfige Trauergemeinde. Die Beliebtheit und Wertschätzung des Toten kam in einer Reihe ehrender Nachrufe beredt zum Ausdruck. Ergreifend die Abschiedsworte seines Frontkameraden von der Feldflieger-Abteilung 8, der ihn nicht nur als den besten Flugzeugführer, sondern auch als den allezeit hilfsbereiten Freund und Menschen ehrte. Hans Kiener würdigte Werk und Leben des Grafen im VfB und widmete dem so jäh Dahingegangenen zum Abschied den Lorbeer im Namen des Vereins. „Wir haben unseren Besten verloren.“ Auch Eintracht Frankfurt und der Fußball-Sport-Verein Frankfurt legten dem verdienten Sportführer den Lorbeer auf das Grab. In strömendem Regen, flankiert von den Aktiven des VfB im Sportdress, wurde die Bahre mit der sterblichen Hülle des Entschlafenen zur Familiengruft der Grafen von Beroldingen getragen. Die Ehrenliste unserer Toten trägt fortan auch den Namen unseres Ehrenvorsitzenden zum Zeichen dankbarer Erinnerung an den Mann, dessen Wirken aus der Entwicklung unseres Vereins nicht wegzudenken ist.“

In einem anderen Bericht des VfB heißt es:

Die erste Mannschaft hielt dem Toten die Ehrenwache. Kein Ereignis in der langen Geschichte des VfB vereinte so viele VfBler, Alte und Junge, wie der Heimgang dieses von allen verehrten Mannes. Viel zu klein war die Halle des Krematoriums auf dem Pragfriedhof für die vielhundertköpfige Trauergemeinde. Die Beliebtheit und Wertschätzung des Toten kam in einer Reihe ehrender Nachrufe beredt zum Ausdruck. Ergreifend die Abschiedsworte seines Frontkameraden von der Feldflieger-Abteilung 8, der ihn nicht nur als den besten Flugzeugführer, sondern auch als den allezeit hilfsbereiten Freund und Menschen ehrte. Hans Kiener würdigte Werk und Leben des Grafen im VfB und widmete dem so jäh Dahingegangenen zum Abschied den Lorbeer im Namen des Vereins. „Wir haben unseren Besten verloren.“ Auch Eintracht Frankfurt und der Fußball-Sport-Verein Frankfurt legten dem verdienten Sportführer den Lorbeer auf das Grab.

In strömendem Regen, flankiert von den Aktiven des VfB im Sportdress, wurde die Bahre mit der sterblichen Hülle des Entschlafenen zur Familiengruft der Grafen von Beroldingen getragen. Nach dem Tode von Graf von Beroldingen widmete Hans Kiener folgende Worte in einer Gedenkschrift:

 „Durch seine kluge Einsicht in Menschen und Dinge, durch seine überragende Persönlichkeit und seine Liebe zum Sport gewann der Graf in Kürze die Herzen aller VfBler. Seiner Tatkraft war es zu danken, dass sich der Mitgliederstand in kurzer Zeit bedeutend erhöhte. Die für den Wiederaufbau so dringend nötige Kleinarbeit bewältigte er selbst. Jede Übung, jedes Wettspiel, jedes Sportfest wurde durch seine Anwesenheit beeinflusst, speziell der Jugendabteilung war er ein eifriger Förderer. Selbst bei der kleinsten Versammlung war er mit Rat und Tat zur Stelle. Er legte den Grund für die weitere erfolgreiche Entwicklung des Vereins zu seiner heutigen Größe.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s