Luftangriffe WKII

.. im II.Weltkrieg Flugplatz Böblingen

Der Bericht wurde von Karlheinz Franz verfaßt, der jahrelang in amerikanischen und englischen Archiven recherchierte (gekürzt)

19. Juli 1944

US-Großangriff auf Ziele in Süd- und Südwestdeutschland.

Ausgerichtet auf die Zielplanung vom 10. Juni 1944 begannen sich die Angriffe der USSTAF ab dem 11. Juli 1944 verstärkt auf Ziele im süd- und südwestdeutschen Raum zu richten. Am 19. Juli 1944 wurden die 1., 2. und 3. Bomberdivision vom US-Luftführungsstab zu einem Großangriff auf strategische Ziele im Süden und Südwesten des Reichsgebietes befohlen. Es war die 482.Tagesoperation der 8. US-Luftflotte. Insgesamt 1242 viermotorige Langstreckenbomber (669 Boeing B-17G Flying Fortress und 573 Consolidated B-24J Liberator), unterstützt durch 13 Jagdgruppen mit 761 Begleitjägern (144 Lockheed P-38J Lightning, 239 Republic P-47D Thunderbold und 378 North American P-51D Mustang) des 8. Jagdkommandos der 8. US-Luftflotte waren im Einsatz. Der Angriff richtete sich gegen 11 Primärziele wie Flugplätze, Montage- und Komponentenwerke der Flugzeugindustrie, Kugellagerwerke, Hersteller der Zusatz-Treibstoff-Komponente Wasserstoffperoxid für V-2 Fernraketen, Motor- und Panzerfahrzeugwerke sowie Verschiebebahnhöfe. Nur 1100 Bomber warfen ihre Spreng-, Brand- und Splitterbomben auf Erst-, Zweit- und Gelegenheitsziele ab. Es wurden 21 US-Bomber (14 B-17G, 7 B-24J) und 7 Begleitjäger (1 P-38J, 2 P-47D und 4 P-51D) abgeschossen. Die deutsche Luftwaffe verlor 6 Abfangjäger.

Operationsziele der 2. Bomberdivision.

Die auch für den Großangriff beorderte 2. Bomberdivision der 8. US-Luftflotte flog lt. EinsatzbefehlF.O. 403 mit insgesamt 333 Consolidated B-24J Liberator Flugzeugen, bestehend aus 5 Kampfverbänden (Combat Bomb Wings) mit im Bomberstrom, eskortiert von 244 Begleitjägern (48 P-47D Thunderbold, 96 P38J Lightning, 100 P-51D Mustang). Mit der Eindringtiefe von 450Km in das deutsche Reichsgebiet waren die Primärziele Kempten (Allgäu), Laupheim, Leipheim und Straßburg/Hausbergen wie folgt zum Angriff festgelegt worden:

  • 96. US-Kampfverband (467., 466., 458. Bombergruppe)
    • Erstziel: Komponentenwerk der Messerschmitt AG, Kempten,vormalig Spinnerei und Weberei Kottern AG (GY-4871A)
    • Zweitziel: Flugplatz Stuttgart/Böblingen (GN-3802B)
  • 2. „A“ US-Kampfverband (389. (PFF), 445., 453. Bombergruppe)
    • Erstziel: Flugplatz Leipheim (GU-4198)
    • Zweitziel: Daimler-Benz Werk Sindelfingen (GN-3802A)
  • 95. US-Kampfverband (491., 489. Bombergruppe)
    • Erstziel: Komponentenwerk der Messerschmitt AG, Kempten, vormalig Mechanische Baumwoll­spinnerei u. Weberei (GY-4871B)
    • Zweitziel: Flugplatz Stuttgart/Böblingen (GN-3802B)
  • 2. „B“ US-Kampfverband (389., 453. Bombergruppe)
    • Erstziel: Flugplatz Laupheim (GU-4319)
    • Zweitziel: Daimler-Benz Werk Sindelfingen (GN-3802A)
  • 20. „A“ US-Kampfverband (446., 93. Bombergruppe)
    • Erstziel: Verschiebebahnhof Straßburg/Hausbergen (Z-298)
    • Zweitziel: Verschiebebahnhof Koblenz (GH-633)

Dem 95. US-Kampfverband gelang es nicht, sein Erstziel GY-4871B in Kempten anzugreifen. Die Folge war, dass ein Angriff auf das Zweitziel GN-3802B notwendig wurde und so kam es  zum

Ersten US-Tagesangriff auf den Flugplatz Stuttgart/Böblingen (Zweitziel).

  • 8. US-Luftflotte, Operation 482
  • Mittwoch, 19. Juli 1944 Uhr – 10.23 Uhr
  • Angriff durch 54 B-24J Liberator Bomber der 2. US-Bomberdivision, 95. Kampfverband mit der zugehörigen 491. u. 489. Bombergruppe unter Jagdschutz:
    • Kommandeur: Oberst F.H. Miller (Air Commander) des 95. US-Kampfverbands.
    • Angriffhöhen: 5490 – 5790 Meter über dem Ziel GN-3802B.
    • Bombenabwürfe: 299 Sprengbomben 500 lb GP AN-M43 (82 t), 1248 Flüssigkeits-Brandbomben 100 lb AN-M47A2 (68 t), 10 x 100 lb Zielmarkierer

Nachdem der Erstangriff nicht erfolgreich war brach Kommandeur Oberst Miller um 09.52 Uhr über Kempten den Angriff ab und gab den Befehl zum Angriff auf das planmäßige Zweitziel. Mit scharfer Linkswendung um 180° nahmen die Bombereinheiten wieder Kurs auf die Stadt Ottobeuren und waren von dort mit Kurs 300° (NW) im Anflug auf den Angriffsablaufpunkt (I.P.) Reutlingen, der für den Angriff auf das Zweitziel um 10.16 Uhr in einer Flughöhe von 5490 Meter überflogen wurde. Der Angriffsablaufpunkt erwies sich auch hier mit 26 Km als zu kurz angesetzt. Schon über Reutlingen und während des Zielanflugs gerieten die Verbandsformationen der 491. und 489. Bombergruppe immer mehr in Unordnung. Sie drifteten auseinander und verloren ihre Angriffsdichte. Zudem war die 489. Bombergruppe zu dicht an der ihr vorausfliegenden 491. Führungsgruppe aufgeflogen. Beiden Gruppenkommandeuren, Oberst Miller und Major Tanner, wurde bewußt, dass Schwierigkeiten mit der zeitgerechten synchronisierten Anvisierung des Zielpunkts (M.P.I., Mean Point of Impact), die 4 großen Hangars und technischen Werkstätten am südöstlichen Rand des Flugplatzes Stuttgart/Böblingen (GN-3802B), eintreten würden. Der Angriff im Detail (S.A. 2317, 10.19 Uhr bis 10.23 Uhr).

  • 10.19 Uhr: Die 491. und 489. Bombergruppe hatten den Zielbereich GN-3802B mit Kurs 340° (NW) erreicht. Die Wetterlage, wolkenlos mit uneingeschränkter Bodensicht, ließ keinerlei Schwierigkeiten für eine Bombardierung auf Sicht (visual bombing) aufkommen.

  • 10.20 Uhr: Die 491. Bombergruppe begann mit 11 B-24J Liberator-Bombern ihrer 855. Führungsstaffel mit dem Abwurf von110 Sprengbomben aus 5480 Meter Höhe. Mittleres, ungenaues aber verfolgendes Sperrfeuer der Flak-Großbatterie Vaihingen und den ortsfesten Stuttgarter Flakeinheiten empfing die angreifenden Bombereinheiten. Aus der von Oberleutnant J.R. Metcalf geflogenen Führungsmaschine, 44-40204 „K+“, des Kommandeurs, Oberst F.H. Miller, hatte der Leitbombenschütze, Oberleutnant W.L. Meyers, zeitlich zu früh den M.P.I. anvisiert. Die Bomben gingen verstreut in 5 Einschlagsgruppen nördlich der Herrenberger Straße, weitest 1350 Meter von M.P.I. entfernt, zwischen den Bahnkörpern der Eisenbahnlinien Böblingen-Herrenberg und Böblingen-Dettenhausen nieder und trafen das freie Feldgebiet der Gemarkung Hegen. Schwer getroffen wurde dagegen das Werk I der Klemm Leichtflugzeugbau GmbH an der Calver Straße mit seinem Hangar, Werkstätten und Bürogebäuden. Weitere Abwürfe endeten auf der Mitte des Rollfelds, 300 bis 500 Meter zu weit nordwestlich vom eigentlichen M.P.I.

  • 10.21Uhr: Mit der zweiten Einheit, der 852. Staffel, hatten weitere 11 B-24-Bomber aus 5700 Meter Höhe über dem Zielbereich mit Kurs 145° (NW) 109 Sprengbomben abgeworfen. In der von Oberleutnant L.L. Hendrix gesteuerten Führungsmaschine, B-24J 42-110167 „O“, gelang es dem Leitbombenschützen, Leutnant B.G. Smith nicht, den M.P.I. genau anzuvisieren, was schwerwiegende Folgen nach sich zog. Der Bombenteppich begann 750 Meter weitab bis 270 Meter nächst zum M.P.I. und traf konzentriert die Wohnviertel (residential section) der Böblinger Unterstadt mit 6 Einschlagsgruppen auf einer Fläche von 425 Meter x 350 Meter. Betroffen waren die Stadtgrabenstr., Karlstr., Uhlandstr., Wilhelmstr., Olgastr. und Talstr. Die Stadt Böblingen gab den Verlust von 36 Toten, darunter 12 Männer, 16 Frauen, 3 Kinder und 5 Ausländer, bekannt. Hinzu kamen 24 Verwundete und 23 Verschüttete, die alle lebend geborgen wurden. Die Zahl der obdachlosen Personen betrug 231. Einige Bomben fielen auf das Gleisbett, 75 Meter südwestlich des Bahnsteigbereichs des Böblinger Bahnhofs. Weitere Einschläge lagen 227 Meter südwestlich vom M.P.I. entfernt, zwischen den Flugplatz-Werkstätten.

  • 10.22Uhr: Die 853. Staffel, geführt von Oberleutnant E.S. Siccardi, flog den Zielraum, weiter westlich versetzt, mit der Führungsmaschine B-24J 44-40230 „P“ in 5330 Meter Höhe an. Sein Bombenschütze, Oberleutnant B.L. Lavooti, hatte eine viel zu kurze Anvisierung vorgenommen. Die mitgeführten 80 Sprengbomben der Staffel fielen verstreut in 1800 Meter Entfernung süd-südwestlich vom vom M.P.I. Die versteuten Abwürfe erstreckten sich vom Maurener Täle weiter über freie Feldgebiete zwischen dem Grenzweg und der Herrenberger Straße.

  • 10.23 Uhr: Zwei Staffeln mit 24 B-24J Bombern der folgenden 489. Bombergruppe warfen im Fehlwurf 1248 Brandbomben etwa 3 Km verstreut aus 5390 Meter bis 5790 Meter Höhe ab. Getroffen wurden der östliche Flugplatzrand mit Kontrollgebäude und der Nordteil der Flugplatzkaserne sowie 3 Km südlich vom Flugplatz entfernte Waldgebiete und offeneFelder. Der M.P.I. wurde nicht getroffen.

Die Schadensauswertung (Bomb Damage Assessment, BDA).

Nach der Auswertung des von der 491. Bombergruppe aufgenommenen Angriffsfotos SAV-491/188-12 vom 19. Juli 1944 um 10.20 Uhr und des Luftbildaufklärungseinsatzes US 7GR/2394 der 7. US Fotogruppe vom 19.Juli.1944 um 19.45 Uhr, neuneinhalb Stunden nach dem Angriff, ergaben sich mit der Luftbildaufnahme 4018 und dem daraus resultierenden Trefferlage-Bild (Bomb Plot) folgende Ergebnisse:

  • Der festgelegte Zielpunkt (M.P.I.), die 4 großen Hangars mit den umgebenden Reparatur-Werkstätten des militärischen Bereichs am Südostrand des Flugplatzes, wurde von den Leitbombenschützen aller angreifenden Einheiten durch Fehlanvisierungen und daraus folgenden, unkonzentrierten und verstreuten Bombenabwürfen nicht getroffen. Nur 2% der Bomben fielen im Umkreis von 152 Meter, 5% im Umkreis von 304 Meter und 30% im Umkreis von 609 Meter vom M.P.I. entfernt, was von dem Führungsstab der 2. US-Bomberdivisonion als schlecht (poor) eingestuft wurde. Einige Werkstätten erlitten leichte Beschädigungen durch Explosionsdruckeinwirkung. Bei erfolgreicher, zielgerechter Bombardierung wären die Hangars und Werkstätten völlig zerstört worden.

  • Dagegen wurde das südlch gelegene Werk I der Klemm Leichtflugzeugbau GmbH mit seinem Hangar, Werkstätten und Büros schwer getroffen und z.T. Zerstört. Einige dort abgestellte Flugzeuge (He-111 Bomber), erlitten Beschädigungen durch nahe Bombentreffer.

  • Schwerwiegender wurde der nicht militärische Bereich durch den auf die Böblinger Unterstadt fehlanvisierten Teppichabwurf betroffen, der Verluste an Menschenleben und erhebliche Gebäudeschäden in den Wohnvierteln verursachte. In den Berichten an den Oberkommandierenden der 2. US Bomberdivisision, fand dieses Vorkommnis nur kurze Erwähnung und als Kollateralschaden hingenommen.

Behindernde Wetterverhältnisse, operatives und menschliches Fehlverhalten führten zum Abbruch des Angriffs auf das Erstziel in Kempten/Allgäu.Auch menschliche Unzulänglichkeiten enttäuschter und genervter sowie unkonzentriert handelnder Kommandeure mit ihren Besatzungen führten auch bei dem folgenden Angriff auf das Zweitziel, GN-3802B, trotz eines Teilerfolgs zu einem Fehlschlag. Die Einheiten des 95. US-Kampfverbands landeten ohne Verluste nach achtstündigem Einsatz auf ihren englischen Flugplätzen Metfield und Halesworth.

1944-07-19 Angriff Foto aus 5791 m

Angriff 13.9.1944 Auswertung vom 19.Juli 1944

 

 

05. September 1944

Bericht des Staffelführers John D.Landers

 

GEHEIM

38. FIGHTER SQUADRON
55. FIGHTER GROUP
APO 637, US ARMY

VIII Fighter Command FO # 550. Ort : Stuttgart / Böblingen A / D
Datum : 5. September 1944 Zeit : 12:10 Uhr
Wetter : CAVU. Ziele : Einmotorige und zweimotorige E / A.

  Ich führte die Gruppe an, um die B-17 beim Rückzug in einer Höhe von 24.000 Fuß in der Nähe von Stuttgart zu unterstützen, als unten viele ein- und zweimotorige feindliche Luftfahrzeuge angerufen wurden. Es war ungefähr 12:10 Uhr. Tudor Squadron war bereits an der Zerstörung von Bodenzielen beteiligt. Ich wies Acorn und Blue Section von Hellcat an, als oberste Deckung zu bleiben, während ich bei dem Angriff zehn Flugzeuge anführte. Wir bogen in Richtung Flughafen ab und näherten uns dem Flugplatz auf der Terrasse mit der Sonne hinter uns bei ungefähr 170 Grad. Die Ziele wurden ausgewählt und die Ansprüche wurden wie im beigefügten Diagramm angegeben.

Bevor wir das Feuer eröffneten, richtete sich das örtliche Flakfeuer, das anscheinend von Batterien am südlichen und südöstlichen Ende des Flugplatzes stammte, auf uns – und aus diesem Grund machten wir nur einen Durchgang. Vor dem Angriff bin ich mir sicher, dass es keine feindlichen Flugzeuge gab, die brannten oder rauchten. Nach dem Hochziehen beobachteten mehrere meiner Geschwader, darunter auch ich, vier verschiedene Rauchsäulen aus vier verschiedenen Flugzeugen auf der westlichen Seite des Feldes – dem Bereich, in dem sich der größte Teil unseres Feuers konzentrierte. Aus diesem Grund behaupte ich, dass vier gegnerische Flugzeuge – zusätzlich zu den angegebenen Behauptungen beschädigter feindlicher Flugzeuge zerstört wurden. Nach dem Studium der unmittelbar vor dem Angriff aufgenommenen Fotos des Flugplatzes wurde dieser als Stuttgart / Böblingen identifiziert

Capt. McCauley Clark

2/Lt. David H. Courtney

2/Lt. Albert M. Koenig

Maj. John D. Landers

1/Lt. Robert F. Maloney

2/Lt. Francis M. Matney

Maj. Albert B. Parsons

2/Lt. Francis J. Waice

I  Me-109 zerstört  Ju-87 zerstört

Ju-87 beschädigt

H u/i a/c beschädigt

J Ju-88 zerstört  A u/i a/c beschädigt

L Ju-88 zerstört

B FW-190 beschädigt

G He-111 beschädigt

F FW-190 beschädigt

09. Dezember 1944

Am Samstag, 9. Dezember 1944, wurde der Flugplatz Böblingen, das heutige Flugfeld,
durch einen Angriff amerikanischer Bombereinheiten schwer getroffen. Im Hagel von 45 Kg-Bomben wurde das Areal für weitere Start- und Landeoperationen bis zum Ende des 2.Weltkriegs unbenutzbar.

Das Hauptquartier der 8. USLuftflotte in High Wycombe bei London, legte einen Angriff auf den Flugplatz Böblingen für den 9. Dezember fest. Der Angriffsbefehl lautete: „Der Flugplatz ist im Rahmen der Prioritätsvorgabe zur Zerstörung aller der deutschen Luftwaffe aktiv zur Verfügung stehenden, noch unversehrt gebliebenen Flugbasen für jede weiteren Start- und Landeoperationen bis zur völligen Unbrauchbarkeit zu bombardieren“. In der letzten Planungskonferenz, die am 8. Dezember um 22 Uhr stattfand, trug der Chefmeteorologe Oberst Dr. Krick vor, dass die durch Wettererkundungsflüge vorliegenden Ergebnisse für den nächsten Tag nicht
günstig ausgefallen waren. Die Voraussagen ließen bis in das Zielgebiet hinein starke Bewölkung und schlechte Bodensicht erwarten, die die Angriffsvoraussetzungen der
Bomber für eine Sichtbombardierung in Frage stellen würden. Es wurde daher entschieden, nur die 1. Bomberdivision mit ihren höher fliegenden B-17G Bombern
gegen drei wichtige Ziele im Raum Stuttgart einzusetzen.

Elf Kampfverbände mit insgesamt 413 B-17G Bombern und 267 P-51D Mustang
Begleitjägern wurden zum Einsatz befohlen. Weil die zu erwartende ungünstige Wetterlage eine Bombardierung auf Sicht sich als sehr unsicher ergab, wurde angeordnet, den Angriff auf die Ziele mit dem GH-Radar-Leitverfahren und dem H2X-Bodensicht-
Radar durchzuführen, mit denen die Pfadfinder-Leitmaschinen ausgerüstet waren.
Für das GH-Verfahren waren zwei Bodenstationen notwendig, die den Bombern die
ausgesandten Zielimpulse zum gesicherten Bombenwurf ermöglichten. Die erste war in
den Vogesen bei La Roche, 25 Kilometer nordwestlich von Bastogne, die zweite bei
Commercy, 40 Kilometer westlich von Nancy stationiert. Deren Signale ermöglichten die
Bestimmung der Flugposition und Einhaltung der Anflugs- und Angriffskurse sowie
die Auslösung der Bombenabwürfe über dem Zielgebiet durch die Bombenschützen
mit Hilfe eines elektronischen Impulses.

Die drei für den Flugplatz Stuttgart/Böblingen beorderten Kampfverbände bestanden aus

  • dem 41. „C“-Verband (384. Bombergruppe, Kommandeur Major Bean),
  • dem 94. „A“-Verband (457. Bombergruppe, Kommandeur Major Snow)

 

 

 

1944-12-09 Lead Crew

  • dem 94.„B“-Verband (351. Bombergruppe mit dem Kommandeur Oberleutnant Angelini)mit insgesamt

116 B-17G-Bombern und 1160 Mann an fliegendem Personal. Nur 101
Bomber erreichten das Angriffsareal.

Angriff 1944-12-09 Anflugrouten

Von diesen verfehlten zwölf das Ziel und elf weitere wurden am Abwurf ihrer Bomben durch einen technischen Fehler gehindert. Die restlichen 78 B-17G Bomber brachten ihre Bombenlasten auf den Flugplatz zum Abwurf. Der Ablauf des Angriffs

  • 12.15 bis 12.22 Uhr: Die Bomberformationen erreichten ihre Angriffsablaufpunkte
    bei Rohrbach, südwestlich von St. Georgen im Schwarzwald und östlich von Gutach bei
    Grafenloch und gingen auf ihre Angriffskurse. Unter ihnen lag eine geschlossene
    Wolkendecke.
  • 12.25 bis 12.32 Uhr: Die drei Kampfverbände hatten ihr Zielgebiet erreicht. Der
    Bodendunst erschwerte die Sicht auf das Ziel. Die dichte Bewölkung war zeitweise
    aufgelockert und ließ den Flugplatzbereich nur teilweise zur visuellen Anvisierung erkennen.

Die Bombardierungen erfolgten aus Angriffshöhen von 8470 Meter bis 8990 m mit Hilfe des GH-Radar-Leitverfahrens, dem H2X-Bodensicht-Radar und teilweise auf Sicht. Der festgelegte Zielpunkt lag genau in der Mitte des Rollfelds.

Angriff 1944-12-09 (4)

Angriff 1944-12-09 (5)

Angriff 1944-12-09 (6)

Angriff 1944-12-09 (1)

Angriff 1944-12-09 (2)

Angriff 1944-12-09 (3)

Die Stuttgarter Flakbatterien eröffneten ein leichtes, sehr ungenaues Sperrfeuer bis in eine Höhe von 8840 m. Wetterbedingt blieben die Bomberverbände von deutschen Abfangjägern unbehelligt. Nur ein Messerschmitt Me-262 Turbinenjäger wurde von US-Begleitjägern bei Kircheim/Teck, südwestlich von Göppingen, um 13.05 Uhr im Luftkampf abgeschossen. Sechs B-17G Bomber kamen vom Einsatz nicht zurück. Zwei kollidierten in der Luft, vier wurden durch Flakbatterien über dem Reichsgebiet zum Absturz gebracht.

Eine erste Bestätigung der erfolgreichen Operation lieferte das noch während des
Bombardements um 12.31 Uhr von der zuletzt über dem Zielgebiet operierenden
351. Bombergruppe aufgenommene Angriffsfoto SAV 351/833-6.

Es zeigte die Trefferlage im Bereich des Flugplatzes und seiner nächsten Umgebung. Die Bombeneinschlägehoben sich erkennbar von der leicht mit Schnee bedeckten Bodenoberfläche ab.

Bericht über den Angriff am 10.12.1944

Erst am 17. Dezember 1944, einen Tag nach Beginn der deutschen Gegenoffensive in den
Ardennen, wurde der Flugplatz von einem Lockheed „Lightning“ F-5E Luftbildaufklärer
(AAF-Nr.44-23728) von der 10. Fotogruppe der 9. US-Taktischen Luftflotte um
13.45 Uhr aus 7300 Meter Höhe aufgenommen.

Der Pilot, Oberleutnant McAdory,konnte mit dem Foto 1063 des Einsatzes US31/3785 neben den Zerstörungen auch die ersten bereits durchgeführten Reparaturen an den beschädigten Gebäuden und Bahnkörpern aufnehmen.

Am 2. und 15. Januar 1945 wurden von der 7. US-Fotogruppe der 8. Luftflotte weitere Luftbildaufklärungen unternommen. Die Fotos zeigen den Flugplatz ohne Aktivitäten in der verschneiten Winterlandschaft. Am 22. März 1945 erfolgte ein Fotoaufklärungseinsatz des XII. US-Taktischen Luftkommandos. Der bewaffnete F-6C Mustang Aufklärer fotografierte den Flugplatz aus einer Höhe von 1830 Meter. Die Schrägaufnahme konnte sechs Heinkel He-111 Bomber im Bereich des Rollfelds ausmachen. Die Bombenkrater waren nicht eingeebnet und zum Teil mit Wasser gefüllt. Das Klemm-Werk I lag noch zerstört am südöstlichen

Am 22. März 1945 erfolgte ein Fotoaufklärungseinsatz des XII. US-Taktischen Luftkommandos. Der bewaffnete F-6C Mustang Aufklärer fotografierte den Flugplatz aus einer Höhe von 1830 Meter.

Fotoaufklärung 1945-03-22 (3)Fotoaufklärung 1945-03-22 (1)Fotoaufklärung 1945-03-22 (2)Die Schrägaufnahme konnte sechs Heinkel He-111 Bomber im Bereich des Rollfelds ausmachen. Die Bombenkrater waren nicht eingeebnet und zum Teil mit Wasser gefüllt. Das Klemm-Werk I lag noch zerstört am südöstlichen Flugplatzrand.
Die Schadensbilanz mit insgesamt 2993 Sprengbomben GP AN-M30 von je 45 Kilogramm (135,9 Tonnen) wurden im Zeitraum von sieben Minuten auf den Flugplatz und seine nächste Umgebung abgeworfen. Die mit Bodenzündern auf 1/40 Sekunde mit Verzögerung eingestellten kleinkalibrigen Bomben konnten tiefere Krater erzeugen, die bei einer dichten Bombardierung zur Zerstörung und Unbrauchbarkeit (pot holing) von Rollfeldern führten. Das Rollfeld wurde von 250 Sprengbomben nicht flächendeckend mit
nur 13,4 Tonnen getroffen. Ein Teil des nördlichen Rollfeldbereichs blieb von dichteren
Abwürfen verschont. Drei Hangars und mehrere Werkstätten erhielten Bombentreffer.
Ein Hangar, am Nordrand, wurde völlig zerstört. Das Klemm-Werk I erhielt Treffer in drei Gebäuden. Von den auf dem Flugplatz abgestellten 13 Heinkel He-111 Bombern wurden sieben schwer beschädigt beziehungsweise zerstört.Die Bahnlinien nach Ehningen und Dettenhausen, östlich des Flugplatzes gelegen, wurden durch Bombentreffer unterbrochen. Der Südwestteil des Daimler-Benz Werks mit dem „Daimler-Flugplatz“ und dem Westlager für Fremdarbeiter wurde erneut getroffen. Weitere Konzentrationen fielen auf den Westen und Nordwesten des Flugplatzes sowie auf die umliegenden Felder der Gemarkungen Butzengraben, Entensee, Altinger Weg, Riedmühle und Oberes und Unteres Gewann. Zwei von acht im Westen des Flugplatzes gelegene kleine Gebäude wurden zerstört und ein weiteres schwer beschädigt. Der Angriff forderte vier Tote, 25 Menschen wurden obdachlos.

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