Flugzeugbau

….. für den ersten Weltkrieg

Das Werk Sindelfingen wurde für die verstärkte Nachfrage nach Flugzeugen und Flugzeugmotoren gebaut. Im Gegensatz zum Flugzeugmotorenbau verfügte die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) auf dem Gebiet des Flugzeugbaus bislang noch über keinerlei Erfahrungen.

 Großkampfflugzeug R1 und R2

Gleichsam als Studienobjekt gab die Firma Daimler zunächst 1915 ein Großkampfflugzeug bei den Union-Flugzeugwerken in Teltow bei Berlin in Auftrag, an dessen Bau mehrere Fachkräfte der DMG zur Einarbeitung beteiligt waren. Dieses Union-Daimler-G-1-Flugzeug ging jedoch, wie übrigens auch andere Maschinen dieses Typs, bereits nach wenigen Probeflügen zu Bruch. Die Inspektion der Fliegertruppen verzögerte daraufhin die Abnahme dieses Flugzeugtyps derart, dass die Union-Flugzeugwerke in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten und Anfang 1916 liquidieren mussten. Schon vorher hatte jedoch die DMG die entsprechenden Konstruktionsunterlagen übernehmen können.

Auf deren Grundlage wurde im Herbst 1915 in Sindelfingen unter noch recht primitiven und behelfsmäßigen Bedingungen unter Leitung von den Ingenieuren Baurat Rittberger und Karl Schopper (beide früher bei Union beschäftigt) eine neues Großkampfflugzeug R1 konstruiert und 2 Stück mit relativ primitiven Geräten in Handarbeit gebaut. Wie die verbesserte RII wurden die meisten Teile von der Firma Schiedmayer hergestellt und dann zur Montage nach Sindelfingen geliefert. Der Rumpf des R1 war robuster als seine Vorgänger, und die unzuverlässigen Umkehrzylindermotoren wurden durch die zuverlässigen 160 PS starken
Mercedes D.III-Motoren ersetzt. Der Erstflug der R1 fand Ende 1915 in Sindelfingen statt.

Daimler Großkampfflugzeug R1 - 1915 (Daimler-Konzernarchiv 2004DIG1296)Daimler Großkampfflugzeug RI bei Erprobungflügen in Sindelfingen 1915 (Daimler-Konzernarchiv)

Während Triebwerksprobleme behoben wurden, wurde die Flugzeugzelle mehrmals verstärkt. Zwischen 1915 und 1917 wurden mindestens drei verschiedene Flügelbaugruppen im Flug getestet. Die R1 wurde mit einem großen Heck gebaut, um die Kurskontrolle zu verbessern. Idflieg interessierte sich für R1, zuerst als Experimental und dann als Trainer für Bomber der G-Klasse. Obwohl die Leistungsmerkmale des Daimler R1 nicht sehr ermutigend waren, entschied man sich zu einer verbesserten Version.

Nach Angaben des Stadtarchivs Sindelfingen und der neuesten Forschungsergebnisse des Daimler-Benz-Archivs wurden von der verbesserten Version insgesamt sechs R2-Flugzeuge gebaut. Zwei von ihnen wurden von Idflieg angenommen, und vier wurden aus unbekannten Gründen in Kartons verpackt. Äußerlich robuster im Aussehen, war der R2 fast eine exakte Kopie der R1-Abmessungen ähnlich, nur das Gewicht wurde leicht erhöht. Die Hauptänderung war die Form der Gondeln, die in der Mitte des interplanaren Abstands installiert und auf stromlinienförmigen Pylonen montiert wurden. Beide R2-Bomber wurden nach Idflieg versetzt und blieben bis Mitte 1917 in Sindelfingen einsatzbereit.


Flugzeugbau Lizenz Friedrichshafen

Friedrichshafen Bomber

Bevor die gebauten Großkampfflugzeuge in Serienfertigung gehen konnten, mussten diese  erst getestet werden. Solange wollte aber die Inspektion der Fliegertruppen nicht warten und so riet daher die DMG, zunächst Flugzeuge in Lizenz zu bauen. So wurde nach umfangreichen Verhandlungen am 25/28. September 1916 mit der Flugzeugbau-Friedrichshafen ein Lizenzvertrag abgeschlossen, der es Daimler gestattete, deren Bomberflugzeuge nachzubauen und sie mit Daimler-Motoren auszurüsten. Bei Abschluss des Vertrages war im Werk Sindelfingen nur die Halle 7 für die Produktion fertig. 

Deshalb entschloss man sich z.B. die Holzgestelle für die Tragflächen zunächst in gemieteten Werkstätten der Firma Schiedmayer in Stuttgart herstellen zu lassen und von dort mit einem eigens dafür gebauten Pferdefuhrwerk nach Sindelfingen zu bringen.

Am 3. März 1917 wurde das erste Flugzeug von der militärischen Bau-Aufsicht abgenommen, die sich äußerst zufrieden  zeigten. Daraufhin wurde eine Steigerung der Produktion auf 15 Maschinen/Monat angestrebt. Dieses Ziel zu erreichen, gestaltete sich vorerst als äußerst schwierig, da daß ursprüngliche Lizenzmodell aus Friedrichshafen, Fdg GII, durch eine vergrößerte Konstruktion (Fdh G III) ersetzt werden sollte. Später kam eine verbesserte Version

Über die Anzahl der gefertigten Flugzeuge gibt es nur lückenhafte Statistiken. Einen gewissen Anhaltspunkt gibt das Buch „Friedrichshafen Aircraft of WWI“ (Jack Herris 2016 im Kapitel G-Bomber. Insgesamt standen demnach 1163 Flugzeuge in den Auftragsbüchern, davon 298 für DMG Sindelfingen. Wie viele wirklich gebaut wurden, ist nicht bekannt. Man kann von mindestens 250 Flugzeugen ausgehen.

Großflugzeug der "Flugzeugbau-Friedrichshafen GmbH", Typ Fdh G III, als Lizenzbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft, ausgerüstet mit zwei Daimler-Mercedes-Flugmotoren D.IVa mit je 260 PS/191 kW, die beidseitig neben dem Rumpf in die Tragflügel eingebaut sind und mit Druckpropellern arbeiten, 1916/1917.

Großflugzeug der „Flugzeugbau-Friedrichshafen GmbH“, Typ Fdh G III, als Lizenzbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft, ausgerüstet mit zwei Daimler-Mercedes-Flugmotoren D.IVa mit je 260 PS/191 kW, die beidseitig neben dem Rumpf in die Tragflügel eingebaut sind und mit Druckpropellern arbeiten, 1916/1917.

Ein mit der "Flugzeugbau-Friedrichshafen GmbH" (FF) am 28. September 1916 abgeschlossener Vertrag ermöglicht es der Daimler-Motoren-Gesellschaft, Flugzeuge der FF in Lizenz herzustellen und mit Daimler-Motoren auszurüsten. Hier das Großflugzeug G III mit zwei 260-PS/191 kW-Daimler-Mercedes-Flugmotoren, Typ D.IVa, 1916/1917, davor die stolzen Erbauer.

Ein mit der „Flugzeugbau-Friedrichshafen GmbH“ (FF) am 28. September 1916 abgeschlossener Vertrag ermöglicht es der Daimler-Motoren-Gesellschaft, Flugzeuge der FF in Lizenz herzustellen und mit Daimler-Motoren auszurüsten. Hier das Großflugzeug G III mit zwei 260-PS/191 kW-Daimler-Mercedes-Flugmotoren, Typ D.IVa, 1916/1917, davor die stolzen Erbauer.

Friedrichshafen GIII GIIIa Skizze (3)
Flugzeugbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Sindelfingen, 1918 im Vordergrund Endmontage der Fdh G IIIa (Daim) Großflugzeuge, im Hintergrund rechts: einmotoriege AEG-Flugzeuge (Reperaturaufträge)

Flugzeugbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Sindelfingen, 1918 – im Vordergrund Endmontage der Fdh G IIIa (Daim) Großflugzeuge, im Hintergrund rechts: AEG-Flugzeuge (Reparaturaufträge)

Die gleiche Halle wie oben – ganz hinten

LA-BW_HA-STG_M_700-1 (881) Daimler Flugplatz Flugzeug Friedrichshafen GIII_1918-07-22

Friedrichshafen GIII vor dem Erprobungsflug vom Daimler-Flugplatz 22.07.1918


Nach Kriegsende Weiterverwendung der fertiggestellten Flugzeuge

Nach dem Waffenstillstand waren Friedrichshafen G.III Bomber fertiggestellt, die zwar nicht mehr an die Front kamen, aber an die bereits 1917 gegründeten Deutsche-Luftreederei, die am 6. Januar 1919 von der deutschen Aufsichtsbehörde die Lizenz für den zivilen Flugbetrieb erhielt. Dafür mussten die Militärmaschinen aber umgerüstet werden. Die erforderlichen Umbauten sollten hauptsächlich die Beförderung von Passagieren ermöglichen. Vielleicht wurden zu diesem Zweck im Werk Sindelfingen dafür folgende Skizzen erstellt.

Zur tatsächlichen Ausführung kamen dann aber andere Variationen, wie eine Abhandlung der ADL (Arbeitsgemeinschaft der Luftfahrthistorik) zeigt. Unklar ist, ob Daimler G.IIIa bei der DMG in Sindelfingen oder, eher wahrscheinlich, in der DRLG Werft in Staaken umgebaut wurden. Die DLR-503 Kabinenaufbauten wurden später noch einmal komplett umgebaut (kleine gegen grosse Fenster, die 2.Version entspricht etwa der DMG-Zeichnung)

Da es zu dieser Zeit kein Zivilregistrierungssytem gab, erhielten die Maschinen Flotten-Nr. des DLR. Insgesamt wurden 6 G.IIIa-Zivilmaschinen mit den Nr. DLR 503-508 eingesetzt. Diese DLR-Nr. hielten nur kurze Zeit an, als das Reichsluftfahrtministerium im Februar 1919 ein Zivilregister einführte. Dieses wurde als Luftfahrtrolle bezeichnet. Die gezeigte DLR 503 wurde als D-121 (ab Mai 1920 neu D-28) umnummeriert.


Reparatur von Fremdflugzeugen

Um die Fabrikationsanlagen sinnvoll ausnutzen zu können schloß die DMG im Mai 1917 einen Lizenzvertrag mit der Albatros-Gesellschaft zur Reparatur von Flugzeugen ab und musste dafür eine Lizenzgebühr von 5% bezahlen. 1917 wurden aufgrund dieser Vereinbarung etwa 70 Albatros-Flugzeuge repariert. Für die wachsende Zahl von reparaturbedürftigen an der Front eingesetzten Flugzeugen musste auch dafür eine generelle Lösung gefunden werden, und so kam es noch im November 1917 zu einem Lizenzvertrag mit der AEG für Flugzeugreparaturen. Die Reparatur von Fremdflugzeugen trat aber im Laufe der Zeit hinter der Produktion von neuen Flugzeugen zurück.


Flugzeugbau Eigenentwicklungen

Das Schwergewicht der Entwicklungsarbeiten der DMG lag zunächst im Bau von Jagd-und Aufklärungsflugzeugen, von denen allerdings nur noch wenige zum Einsatz kamen. Zum Beginn der Detailbeschreibungen ein sehr interessanter Beitrag in der Zeitschrift Flugsport von 1919







Daimler DI. (L6) Jagdflugzeug – 6 Maschinen wurden gebaut

1917 begann diese Flugzeugabteilung mit der Arbeit an einem originalen einsitzigen Jäger nach dem Entwurf von Ing. Karl Schopper, der vom neuen wassergekühlten D IIIb-Achtzylindermotor des Unternehmens angetrieben wurde. Der Flugtest dieses L 6 (oder DI) -Einzelspannungs-Doppeldeckers mit zwei Feldern wurde aufgrund von Motorlagerproblemen bis Ende November 1917 verzögert. Die Schwere des Schwanzes wurde durch Änderung der Anordnung der Flügelzellen behoben, die Flugtests wurden im März 1918 abgeschlossen, und der L 6 wurde im Juli nach Tylerrufung nach Adlershof geschickt, wo er gleichzeitig am zweiten D-Typ-Wettbewerb teilnahm. Die Leistung litt unter der Tatsache, dass der D-Federmotor mit einer Leistung von 185 PS in der Höhe an Leistung verlor. Am 23. Juli 1918 wurde jedoch ein Auftrag über 20 Exemplare des Daimler-Jägers vergeben. Diese Flugzeuge, die mit synchronisierten 7,92-mm-LMG 08/15-Maschinengewehren bewaffnet waren, wurden im Dezember 1918 ausgeliefert.

Höchstgeschwindigkeit 183 km / h.
Zeit bis 6 000 m – 30 min.
Ausdauer, 2 Std.
Leergewicht 750 kg.





Flugzeugbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Sindelfingen, 1918 Endmontage des Daimler-Jagdflugzeuges L 6b, Versuchsausführung.

Flugzeugbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Sindelfingen, 1918
Endmontage des Daimler-Jagdflugzeuges L 6b, Versuchsausführung.

Daimler L6 Werk Daimler im Bau
mit Daimler D IIIb wassergekühltem Motor (Im Hintergrund Daimler-Werk Sindelfingen im Bau)

rmit Daimler D IIIb wassergekühltem Motor

mit Daimler D IIIb wassergekühltem Motor


Daimler L8/CL.I (Jagdflugzeug) 1 Prototyp wurde gebaut

 Der Daimler L 8 (Cl I), ein zweisitziger zweisitziger Tandem-Doppeldecker, war in erster Linie als leichter Eskortenjäger gedacht. Ein einzelner Prototyp wurde Ende 1917 gebaut. Angetrieben von einem 185 PS starken Motor Daimler D IIIb Achtzylinder wassergekühlter Motor, der L 8 trug eine Bewaffnung aus einem vorwärts schießenden synchronisierten LMG 08/15 7,92-mm-Maschinengewehr und einem Parabellum-Maschinengewehr im hinteren Cockpit. Es wurden keine weiteren Prototypen fertiggestellt, und obwohl Daimler im Juli 1919 anbot, die L 8 für die chilenische Regierung zu bauen, wurde kein Vertrag unterzeichnet. Die folgende Spezifikation bezieht sich auf die L 8, wie sie Chile angeboten wird.

Höchstgeschwindigkeit 150 km / h bei 1500 m.
Zeit bis 5 000 m 33,5 min.
Ausdauer, 4 Std.
Leergewicht 820 kg.
Belastungsgewicht 1230 kg.
Spannweite 11,82 m
Länge 7,45 m
Höhe 2,95 m
Flügelfläche 31,50 m2

Daimler L8 Zeichnung

Daimler L8 - 2 nebeneinander (Höfle)Daimler L8 – Zwei Maschinen nebeneinander (Quelle Höfle)

Daimler L8___

Daimler L9/DII Ein Protype wurde gebaut

Der einsitzige Jäger L 9 war im Wesentlichen eine raffinierte Weiterentwicklung des L 6, verzichtete auf Zwischenebenenverstrebungsdrähte und hatte versetzte Flügel und neue vertikale Heckflächen. Er verwendete einen ähnlichen Daimler D IIIb-Motor mit 186 PS. Es war beabsichtigt, eine Bewaffnung aus zwei synchronisierten 7,92-mm-LMG 08/15-Maschinengewehren zu tragen. Die L 9 wurde ursprünglich im Juli 1918 mit vollständig freitragenden Flügeln geflogen und im August durch Hinzufügen von Zwischenebenenstreben vom Typ I des Tragflächenprofils modifiziert. Hanns Klemm war am 1. April 1918 als Chefdesigner in die Flugzeugabteilung von Daimler eingetreten, und der L 9 verkörperte offenbar einige seiner Ideen. Es wurde nur ein Prototyp fertiggestellt und kein Produktionsauftrag vergeben. Daimler bot die L 9 1920 in modifizierter Form für den Postdienst an, konnte jedoch keinen Käufer gewinnen.

Höchstgeschwindigkeit 190 km / h.
Anfänglicher Aufstieg: 4,60 m / s.
Reichweite 273 mis (440 km).
Leergewicht 742 kg.
Belastungsgewicht 990 kg.
Spannweite 9,00 m (29 Fuß 6 1/3 Zoll).
Länge 7,20 m.
Höhe 8 Fuß 6 1/3 Zoll (2,60 m).
Flügelfläche 22,32 m2

Daimler L9 (1)
Daimler L9 (Höfle)

Daimler L9 (Foto Höfle)

Daimler L9

Im April 1918 wurde Hanns Klemm Chefkonstrukteur bei DMG. Seine ersten Neuentwicklungen waren die Daimler-Klemm L11 und 14

siehe seperate Hanns Klemm homepage