Fritz Schindler

…. Am 18. September 1930 ereignete sich in Böblingen eine Flugzeugkatastrophe, Fritz Schindler war eines der Opfer

Fritz Schindler (Sammlung Streit)1891-1930

 

Sendung SWR  1.1.2017 – Luftakrobaten und Lebenskuenstler – Artisten im Suedwesten – Teil Fritz Schindler  unter der Beteiligung AG Böblinger Flughafengschichten

Am 11. August 1891 um 16:00 Uhr wurde Karl Friedrich (Fritz) Schindler als Sohn von Margarethe Hemmerle (geb. Klotz und geschiedene Ehefrau von Hermann Hemmerle) und des ledigen Gärtners Karl Friedrich Schindler geboren. Die Eltern müssen kurz danach geheiratet haben, da die Ehe am 07. Oktober 1893 geschieden wurde.

Am 10. Juni 1915 heiratete der „Artist“ Karl Friedrich Schindler in Karlsruhe die am 04. Oktober 1893 in Sprollemühle geborene Kleidermacherin Ottilie Marie Dörflinger. Das folgende Foto ist die erste uns bekannte Aufnahme von Fritz Schindler. In dem Geburtstagsgruß an seine Schwägerin erwähnt er, daß es schon eine ältere Aufnahme ist und damit älter als die folgende, die ihn als Soldat zeigt.

Fritz Schindler 1917 (Kiefer-Auktion) (5)Interessant ist die Bemerkung des Standesbeamten, daß Schindler sich bei der Heirat als Soldat mit einem Urlaubsschein der Feldfliegerabteilung 20 Freiburg auswies, was das folgende Foto belegt.

Fitz Schindler 1917-03-05 Feldfliegerabteilung 20

Aus seiner Soldatenzeit weitere Fotos

Fritz Schindler (ebay) (2)

Fritz Schindler (Kiefer-Auktion) (19)

Fritz Schindler (ebay) Fritz SchindlerSpaßbild beim Militär (mit freundlicher Genehmigung Welf Fischer)

Nach dem Krieg verschrieb er sich voll und ganz seine Idee als Trapezkünsler am Flugzeug zu verwirklichen.

Baden-Oos (Sammlung Streit)

Während eines Flugtages in Schwäbisch Hall 1927 erzählte Fritz Schindler einem Zeitungsreporter, „wie ich Flugkünstler wurde…“ (Der Artikel ist bei Veranstaltungen Schwäbisch Hall im Original)

Meine Idee, Akrobatik mit dem Flugzeug zu verbinden, datiert zurück in das Jahr 1913, als der französische Flieger Pegoud mit seinem Bleriot-Aparat die ersten Looping te lopp ausführte, wonach ich beabsichtigte, mein Trapez statt an die Zirkuskuppel unter ein Flugzeug zu hängen. Akrobatik war mein Fach – schon in der Jugend ein hervorragender Turner, widmete ich mich später dem artistischen Berufe. Dann kam der Krieg, während dessen ich selbst Pilot wurde. Nach Kriegsschluß erst kam der große Tag, an dem die „Probe auf Leben und Tod“ stattfinden sollte.

Am 20. Juli 1919 (Sonntag) knatterte gegen 5 Uhr früh in der Nähe eines Badeortes im Schwarzwald der zweihundertpferdige Motor eines Doppeldeckers. Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen und die Maschine brauste los, gesteuert von dem Piloten Edin. Nachdem wir ungefähr 300 Meter erreicht hatten, ließ mein Begleiter das Trapez und Klettertau über Bord. Darauf drosselte der Führer den Motor und ich begab mich längs des Taues 5 Meter  unterhalb des Flugzeuges auf das Trapez. Ich führte nunmehr verschiedene akrobatische Tricks aus und freute mich schon, wenige Minuten später wieder an Bord zu sein. Doch es sollte anders kommen! Trotz aller Überlegung hatte ich vorgehabt, das Klettetau mit dem Trapez zu verbinden und als ich dem Begleiter das Zeichen gab, mir das Tau herabzuwerfen, tat er dies, und zwar bei volllaufendem Motor. Trotzdem das Tau am Ende mit einem Bleigewicht beschwert war, wurde es durch den kolossalen Luftstrom (die Maschine hatte 140 Kilometer Stundengeschwindigkeit) nach hinten geschleudert. Mithin war mir die Möglichkeit, und das war, kurz vor der Landung – abzuspringen!

In diesem Sinne winkte ich dem Begleiter, zu landn,doch der Führer tat dies nicht. Wie er mir später erzählte, überlegte er immer noch, welche Chance sich zu meiner Rettung bot. Nach halbstündigem Irrflug schritt der Pilot zur Landnung und es folgten nun Sekunden, die sich kaum schildern lassen. Zu allem Unglück mußten wir über eine Verkehrsstraße hereinlanden, an deren einer Seite eine sehr hohe Starkstromleitung stand – und davon bangte mir. – krampfhaften Blickes visierte ich meine Höhe mit der der Freileitung, immer tiefer ging das Flugzeug und immer näher kamen wir den verhängnisvollen Drähten. Die Spannkabel der Maschine pfiffen ordentlich, als wir mit etwa 100 Kilometer über die Verderben heischende Hochspannung hinwegschossen. die erste Gefahr war vorüber und mithin die beiden Insassen und die Maschine gerettet. Und nun war die reihe wieder an mir, niemand konnte mir helfen. Die Lage übersehen, einen Plan fassen und handeln, war das Werk eines Augenblickes!

Selbst Pilot, fühlte ich naturgemäß mit dem meinigen und wußte, daß er im nächsten Moment die maschine abfangen mußte, wollte er auf dem sehr kurzen platze auskommen! Das war für mich das Signal, mich lang zu hängen und loszulassen. Wie ein Maulwurf zusammengekugelt schlug ich auf der Erde auf, um wieder in die Höhe zu fliegen, einige Saltomortales zu drehen und dann liegen zu bleiben. Langsam holte ich die Brust voll Luft und fühlte, daß, abgesehen von einigen Rückenschmerzen und einem kalkfarbigen Teint, alles noch in Takt war. Der erste, der bei mir war, war mein Pilot, der mich unter Freudentränen umarmte. Händeschütteln und Glückwünsche von allen Seiten.

Am darauffolgenden Sonntag (27.Juli) gab ich in Badens Goldstadt Pforzheim vor ungezählten Menschen mein erstes Debüt. Die Presse nannte mich einen Todesverächter und einen Über-Pegeout und ich heimste erfolge ein in vielen Städten des In-und Auslandes, wobei ich dem Tode noch manchmal ins Auge sah.

Flugakrobatik-Vorführungen waren auf zahlreichen Flugtagen nach dem Ende des I. Weltkriegs die absoluten Höhepunkte. Fritz Schindler war einer der Luftakrobaten. Der erste verfügbare Bericht von 1920 aus Baden-Oos Artikel

Fritz Schindler Baden-Oos

Fritz Schindler_ebay_6

Fritz Schindler mit Frau Mia Schindler

Fritz Schindler Baden-Oos Gruppe 1919 (Kiefer-Auktion) (2)

Fritz Schindler 1920

Fritz Schindler (2)

Fritz Schindler (Kiefer-Auktion) (17)

Für seine Akrobatikvorführungen – und um die Sensationslust der Zuschauer zu stillen – gab er sich den Titel  „Fritz Schindler – Der Verächter des Todes“ mit einem Toten-kopf-Motiv, wie auf einer Eintrittskarte am 10.September 1919 für eine Veranstaltung auf dem Stuttgarter Wasen zu sehen ist.

Fritz Schindler am Flugzeug (3)

Dieses Symbol übernahmen später auch andere Flugakrobaten, wie Robert Kellner, einem tschechischen Flugakrobaten, der seine Akrobatik 1928 begann und zumindest einmal 1929 mit Fritz Schindler bei einer Veranstaltung in Slowenien zusammentraf.

Kellner, Robert sign

Robert Kellner mit Schindler-Motiv

Das Totenkopfsymbol in einem Artikel über Billie Bomar, einem amerikanischen Flugakrobaten, in den 20er Jahren.

Billie Bomar (Modern Mechanix 1929-11)


Bemerkungen zur Ehefrau von Schindler – Mia  –

Wir nehmen an, daß Karl Friedrich, der „Artist“, mit seiner Frau Ottilie Marie noch während des Krieges in einem Zirkus bzw. Varieté auftrat. Als Künstlernamen hatten sie Kurzformen ihrer Vornamen gewählt und nannten sich fortan Fritz und Mia. 

Die Beschreibung „Mia Schindler-Reno Flugkünstlerin“, deutet darauf hin, daß der Künstlername vor der Heirat mit Fritz Schindler Reno war.

Mia Schindler-Remo

Mia Schindler-Remo (2)

Mia Schindler-Remo (Kiefer-Auktion) (1)

Fritz und Mia Schindler

Auf eine „Verbindung“ zum Zirkus weist die Werbepostkarte mit dem Aufdruck „Circus Gleich“ hin. Der 1919 gegründete Zirkus zählte bis Mitte der 1930er Jahre neben Sarrasani und Krone zu den größten europäischen Zirkusunternehmen.

Fritz + Mia Schindler (Kiefer-Auktion) (4)Fritz + Mia Schindler (Kiefer-Auktion) (1)Fritz + Mia Schindler (Kiefer-Auktion) (2)Fritz + Mia Schindler (Kiefer-Auktion) (3)

Spätere Auftritte zeigen die Beiden nur noch als Flugakrobat und als Fallschirmspringerin.

Fritz Schindler Circus Gleich

Fritz Schindler und Partnerin

Fritz Schindler (Kiefer-Auktion) (6)

Fitz und Mia mit Bekannten

Kurz nach Fritz Schindlers Engagement im Berliner Lunapark verunglückte Mia Schindler tödlich

Über ihren Tod wird in dem Buch „Leipzig geht in die Luft“ folgendes berichtet:

Nicht soviel Glück hatte die aus Karlsruhe stammende Artistin Frau Mia Schindler, die am 22. Juni 1924, anläßlich der Eröffnung der Fliegerschule der „Aero-Express-Luftbetriebs-Gesellschaft“, in Mockau abgesprungen war. Ernst Udet hatte wegen des stürmischen Windes den Flug abgesagt. Eigensinnig startete sie aber mit ihrem Mann Fritz im Flugzeug des Sportfliegers Erler. Auch Erler wollte, als er aufgestiegen war, nicht, dass sie sprang. Er musste aber auf ihr Verlangen den Motor abstellen und im Gleitflug auf 100 Meter sinken, Aus dieser Höhe sprang sie ab – und in den Tod. Ihr Fallschirm hatte sich nicht vollständig geöffnet und ihr Mann musste hilflos dem Unglück zusehen.

Zeitschrift „Flugsport Nr.13“ von 1924 über das Unglück :

Ein verhängnisvoller Fallschirmabsprung ereignete sieh am 22. 6. anläßlich des Schau- und Sportfliegens der Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-A.-G. Das bekannte Flugzeugartistenpaar Fritz und Mia Schindler wollle ebenfalls seine Künste zeigen; dabei wagte Mia Schindler einen Absprung aus 200 m Höhe, der jedoch durch zu spätes Entfalten (30 m über dem Boden) des Fallschirmes ihren Tod herbeiführte. An und für sich ist die Höhe von 200 m für einen Fallschirmabsprung nicht zu gering, und dürfte der Grund des Versagens wohl darin zu suchen sein, daß Frau Schindler vom Tragdeck abgesprungen ist, wodurch die Verwicklungsgefahr größer wird und andererseits darin, daß Herr Schindler nicht die Abreißschnüre benutzte, sondern den Fallschirm mit der Hand aus dem Verpackungssack herausgezogen hat. Gewöhnlich wird die Aufziehleine am Flugzeug befestigt und dauert der Vorgang der Entwicklung des Fallschirmes ungefähr 2—2,5 sec. vom Zeitpunkte des Absprunges aus gerechnet. Wird nun der mechanische Auflösungsvorgang mit der Hand vorgenommen, so besteht die Gefahr, daß der Fallschirm nur zum Teil ans dem Verpackungssack herausgezogen wird, wenn die Aufziehleine auch nur eine halbe Sekunde zu früh losgelassen wird, wodurch der Fallschirm, besonders bei niedriger Höhe, zu spät zur Entfaltung kommt. Im Allgemeinen kommt ein Fallschirmverkauf nur nach eingehendsten Unterweisungen der Firma über den Gebrauch desselben zu Stande. Bei dem von Frau Schindler benutzten Schirm handelte es sich jedoch um einen für die Türkei bestimmten, aber auf dem Transport abhanden gekommenen Schirm, der wohl auf Umwegen in ihren Besitz gekommen ist.

Fritz Schindler Sarg Überfühung Mia +22.6.1924 (Kiefer-Auktion)Der Sarg von Mia Schindler wird überführt

Beim Standesamt Karlsruhe findet sich die Bemerkung „Die Ehe wurde am 4. Juli 1930 geschieden“. Es handelt sich eher um eine späte Löschung, der 1924 tödlich verunglückten Mia Schindler.

Von 1925 bis 1930 nahm Fritz Schindler, auch mit seiner Partnerin und späteren Verlobten, der Fallschirmspringerin Hedy Schumann, an zahlreichen Veranstaltungen teil. Seine „Spezialität“ waren ungesicherte Vorführungen am Trapez und am „Bambus“.


Veranstaltungsorte

 (uns bekannte, nach Jahren sortiert. Bei Klick aufs Foto vergrößert)

 

  • 1919-07-27 PFORZHEIM – 1. öffentliche Aufführung

  • 1919-09-10 STUTTGART-WASEN

  • 1919-10-11/12 MANNHEIM

Der folgende Bericht gibt einen guten Eindruck über den Ablauf der damaligen Luftsportveranstaltungen und speziell über die Flugakrobatik von Fritz Schindler

Mannheim 11. bis 12. Oktober 1919

„Im Flug über ein halbes Jahrhundert“ Richard Dietrich, 1942 (gekürzt, Auszüge Fritz Schindler) Richard Dietrich 1894-1945 deutscher Flugzeug-Konstrukteur u. Unternehmer

Der Plan einer Flugveranstaltung zur Weckung des Fluggedankens in der Bevöl-kerung nahm im Herbst 1919 greifbare Formen an. Aber was konnte ich meinem Publikum außer einigen Starts und Kurven mit der LVG C VI bieten? Kunstflugtaugliche Maschinen, etwa einen Fokker D VIII, waren ja nicht mehr da. Dann kam eines Tages ein junger Mann zu mir und erklärte, er möchte gerne am Schaufliegen als Trapezkünstler teilnehmen und packte Photographien und Zeitungsausschnitte aus, die von einer ähnlichen Veranstaltung der „Balug“ (Badische Luftverkehrsgesellschaft) in Baden-Oos stammten. Es war dies Fritz Schindler, der „Verächter des Todes“, wie er sich nannte. Ich ging auf das Angebot ein, denn ich mußte ja schließlich etwas Neues bringen. Schindler nun sollte dieser „Kassenmagnet“ sein. Am 11. und 12. Oktober (1919), einem Samstag und Sonntag, sollte der Flugtag steigen. Vor Schindlers „Weltattraktion“ ließ ich eine „Luftpantomine“ vom Stapel, betitelt: „Eine Entführung oder die Hochzeit im Flugzeug.“

Personen: Rentier Icks, seine Frau – Amalie, seine Tochter – ein Freier – ein Flieger – Freunde und Bekannte der Familie Icks  Ort der Handlung: im Garten der Familie Icks. Zeit 1930 (!!) Inhalt: (bitte um Mitgefühl)

Familie Icks verbringt ein gemütliches Kaffeestündchen in ihrem sonnigen Garten, der dicht neben dem Flugplatz liegt. Ein Freier erscheint mit Blumen bewaffnet und wirbt um die Hand der Tochter. Amalie liebäugelt aber mehr mit dem Flieger, der in der Nähe seinen Flugapparat zum Aufstieg fertigemacht. Beim Anblick des Flugzeugs faßt sie einen abenteuerlichen Plan.

Während der Freier sich mit den Eltern in ein Gespräch vertieft, benützt Amalie die Gelegenheit, um unbemerkt zu entkommen. Mit Koffer und Hutkasten eilt sie davon. Ihr Flieger hat den Vorgang beobachtet und ist auch gleich im Bilde. Die Maschine ist gerade startfertig und rasch entschlossen steigen beide ein. Der Motor brummt. Bestürzt eilen die Alten und der Freier zum Garten hinaus und auf dessen Riesenvogel zu, um ihn festzuhalten. Zu spät. Schon braust das Flugzeug über den Rasen und hebt sich zur abenteuerlichen Fahrt. Große Aufregung. Der hinters Licht geführte Freier ist beim Festhalten am Rumpf hängengeblieben und wird mit in die Luft geschleppt. In schwindelner Höhe zappelt er in tausend Ängsten zwischen Himmel und Erde.

Pause.—(Im Programm stand: Ein Tag später)

Kummerbeladen sitzen Rentier Icks und Frau wieder im Garten und brüten über dem Schicksal der Tochter. Plötzlich erscheint am Horizont ein Flugzeug, das sich in schö-nen Spiralen der Erde nähert und landet. Ein Pärchen in Frack, Seide und Schleier steigt aus der Maschine. Frau Icks erkennt ihre Tochter und eilt auf sie zu. Amalie und ihr Flieger stellen sich aber diesmal als neugebackenes Ehepaar vor. Man hatte sich in einer entfernten Stadt trauen lassen. Unter den Klängen: „Wer uns getraut….“ werden das junge und alte Paar von Freunden und Bekannten beglückwünscht.

Aus! Soweit das Manuskript. Die Ausführung sah folgendermaßen aus: Rennwiese, 11. Oktober 1919, nachmittags drei Uhr. Anwesende: zehntausend Zuschauer, eine kriegsstarke Regimentskapelle, ein LVG-Doppeldecker, der Freier (Fritz Schindler), ich, der Flieger, sowie Amalie nebst Anhang. Statt sonnen im Garten, regnete es schon stundenlang Bindfäden.

„Amalie,“ meine Käthe aus Berlin, hatte in der Eile den besonders angefertigten Brautschleier vergessen, der dem „Hochzeitsflug“ seine Note geben sollte. Hilfsweise wurden beim alten Schenk im Rennwiesen-Restaurant eine Gardine abmontiert, die ihren Zweck ebenso erfüllte. Drei Uhr dreißig. Die Musik zog sich wegen zunehmenden Regens unter die gedeckten Tribünen zurück und intonierte zum dritten Male das „Lockenköpfchen-Intermezzo“, das sie zur musikalischen Untermalung der „Tragödie“ gewählt hatte. Ungeduldig warteten Rentier Icks und seine Frau (Hermann Treubisch und Emma Schönfeld vom National-Theater Mannheim) auf das Zeichen des Beginns. Ich klatschte mit der Hand auf die Backbordwand des Rumpfes. Das war das Zeichen zum Anfangen. Alles ging gut, bis auf den technischen Teil der „Entführung“. Als sich nämlich Fritz Schindler als Freier mit Todesverachtung auf die Maschine stürzte, um sie oder sich seitlich am Rumpf festzuhalten, merkte ich, dass das Seitenruder nicht mehr reagierte. Ich glaubte, dass dieser Fehler sich mit zunehmender Fahrt von sich selbst beheben werde. Statt dessen legte sich die Maschine knapp fünf Meter überm Erdboden auf die Seite und schlug mit mordsmäßigem Krach auf ein Hindernis, das sonst die Rennpferde mit Eleganz überspringen pflegen. Bruch! Im nächsten Augenblick war der Rennplatz von Menschen übersät. Was nun?…………….

……..Als ich Punkt drei wieder landete, waren die Tribühnenplätze und der gegen-überliegende Neckardamm schwarz von Menschen. Die Kappelle spielte einen Tusch, die Stimmung war wieder da, und es klappte alles wie am Schnürchen . Die „Hochzeit“ startete diesmal ohne Hindernisse und die „Freunde“ in Gehrock und Zylinder präsentierten sogar einen echten Rosenstrauß. Eifrig spielten die 110er ihre Märsche. Dann startete ich mit Fritz Schindler und meinem Monteur zum Flug mit seilschwin-gendem Trapez. Es ist ein eigenartiges Gefühl für den Flugzeugführer, wenn jemand über Bord der Maschine steigt und sich am Strick fünf Meter herunterläßt. Die Geschwindigkeit mußte dabei so vermindert werden, daß die Maschine bedenklich zu wackeln begann. Im stille´n dachte ich, lieber zwei Stunden im Flakfeuer, als solche Viertelstunde. Der besseren Wirkung wegen mußte ich zwischen fünfzig und achtzig Meter bleiben, und die Fahrt durfte hundert Kilometer in der Stunde nicht übersteigen, damit mein Akrobat nicht mit dem Sporn in Berührung kam, denn so schneller die Maschine flog, um so flacher wurde die Parabel des bemannten Trapezes. Kurz und gut, ich glaube, ich habe am Steuer mehr Fracksausen ausgestanden, als Schindler und das ganze Publikum zusammen. Darum war ich froh, als endlich das Zeichen zum Landen heraufgegeben wurde. Vorsichtshalber schielte ich aber nach hinten, um zu sehen, ob Schindler auch tatsächlich wieder in der Maschine saß. Nein!

Er hing an den Fäusten meines Monteurs außen an der Backbordwand, blutete aus Mund und Nase, und machte keine gute Figur. „Landen, landen!“ brüllte Schindler, der sich keine Minute länger halten konnte. Ich setzte dann so vorsichtig und langsam wie nur möglich auf. Der Beifallssturm der Fünfzigtausend übertönte selbst das Geräusch des Motors, als wir den Zuschauerplätzen entgegenrollten. Siegesbewußt saß Schindler jetzt auf dem Rumpf, wie ein Sonntagsreiter auf einer Remonte.

Niemand hatte die Gefahr bei der Landung bemerkt. Hunderte von Händen beglück-wünschten das waghalsige Kerlchen und so fand der erste Nachkriegsflugtag in Mannheim sein gutes Ende. Daß auch französische Beobachter in Zivil erschienen waren, erhöhte die Kasseneinnahmen um ein paar Märkelchen, sonst nahm niemand von diesem Besuch Notiz.

Der ungekürzte Artikel als pdf-Datei

  • 1920 Baden-Baden

  • 1920-08-08 MIERLO-Molenheide (Niederlande)

Am 3.8 kündigt das „Eindhoven Dagblad“ eine Aufführung von Fritz Schindler an, die erstmals in den Niederlanden gezeigt wird und vorher nur in den größten Städten Deutschland, unter viel Beifall von Publikum und Presse. Dieser Luftakrobat arbeitet unter einer Flugmaschine mit einer Geschwindigkeit von 160 km auf einer Höhe von 100 Metern. Er macht die unglaublichsten Umdrehungen an einem Trapez, das 5 Meter unter dem Rumpf der Maschine hängt, ohne daran gebunden zu sein, also völlig frei. Kein Wunder, das dieser junge Künstler in der ganzen Welt bewundert wird.

Interessant ist dabei der Hinweis in der Zeitung, das er 1921 ein Engagement in Nord-und Südamerika hat. Das konnte aber bisher nicht bestätigt werden.

http://www.saspeelland.nl/cultuurhistorische_projecten/files/Lustoord-Molenheide-Mierlo.pdf

 

  • 1920-08-29/31 BERGEN OP ZOOM  (Niederlande)

  • 1921-08-23 SCHEVENINGEN

    Fritz Schindler mit seiner Frau Mia

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  • 1922-10-12 MANNHEIM-RENNWIESEN – Schaufliegen

Eine interessante Bemerkung im Tagebuch von Alfred Heerwagen (1878-1947) dazu: Die dort gezeigten Kunststücke an einem vom Flugzeug herabhängenden Trapez (gemeint war Fritz Schindler) waren recht waghalsig, passten aber wenig zum eigentlichen Flugsport.

  • 1924-05-26 (von?) BERLIN LUNAPARK

Schindler Berlin Lunapark 1924-05-24Schindler Berliner Börsenzeitung Berlin-Lunapark 26.Mai 1924

Die folgenden Fotos mit seiner Frau Mia und in Gesellschaft im Lunapark mit unbe- kannten Personen bei der Vertragsunterzeichung für sein Engagement.

Fritz Schindler - Berlin Luna-Park (Kiefer-Auktion) (7) cutFritz Schindler - Berlin Luna-Park (Kiefer-Auktion) (1) cutVertrag für das Engagement im Lunapark ?? Mia und Fritz Schindler schauen sich glücklich in die Augen

Fritz Schindler - Berlin Luna-Park (Kiefer-Auktion) (2) cut

Zum Lunapark:

Am 14. Mai 1904 eröffnete der Gastronom August Aschinger zusammen mit dem ehemaligen Küchenchef des Kempinskis, Bernd Hoffmann, die Terrassen am Halensee, die 1909 in Lunapark umbenannt wurden. Es war mit 5,5 ha Berlins größter und berühmteste Vergnügungspark, ein moderner Märchenpalast mit beeindrucken- den Türmen und einer großen Freitreppe zum Halensee hinunter.

Von 1910 bis zum Ersten Weltkrieg öffnete der Lunapark jährlich im April oder Mai und bot dann ein Vergnügungsprogramm für die Sommermonate. Die Restaurants hatten eine Kapazität von 16.000 Sitzplätzen. Es gab das Bayern-Dorf, in dem das Bier „in Strömen floss“, oder das Luna-Palais für gehobenere Ansprüche. Der Park zählte in den Anfangsjahren täglich 50.000 Besucher und an Wochenenden noch erheblich mehr. Bereits 1910 konnte der millionste Besucher empfangen werden. Kurz nach Kriegsbeginn 1914 musste der Lunapark schließen. Im Hauptrestaurant wurden ein Lazarett und eine Konservenfabrik zur Versorgung der Armee eingerichtet. Erst an den Pfingstfeiertagen 1920 eröffnete der Lunapark wieder. Angesichts der hohen Ausgaben für neue Attraktionen, Energie für bis zu 1000 Angestellte und die „Lustbarkeitssteuer“ war der Lunapark darauf angewiesen, in der kurzen Sommer- saison so viel Publikum wie möglich anzuziehen. Der Park enthielt alle Rummel- attraktionen der damaligen Zeit, wie eine Wasserrutschbahn, die im See endete, und als besondere Attraktion ein Wellenbad, das von den Berlinern „Nuttenaquarium“ genannt wurde, weil sich hier die Damen den genießerisch am Beckenrand sitzenden Herren in der neuesten Bademode präsentierten.

Weitere Attraktionen waren eine Wackeltreppe („Shimmy-Treppe“), mit einem Gebläse am Ende, das die Röcke der Damen hob, sowie eine Gebirgsbahn oder ein Hippodrom. Nach dem Vorbild von Coney Island in New York war ein Vergnügungspark entstanden, der Sensationen, Abenteuer, Gefahr, die Illusion der großen weiten Welt und das Erlebnis der scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten der Technik anbot. Völkerschauen, die erste Rolltreppe, jede Nacht ein großes Feuerwerk, Theater, Revuen, Jazzmusik, Kabarett, aber auch Tanzturniere und Boxkämpfe, wie 1926 der erste Kampf von Schmeling, wurden hier geboten.

Der Vergnügungspark war wie geschaffen für die waghalsigen Vorführun- gen von Fritz Schindler.

  • 1925-07-01 DANZIG-LANGFUHR

Schindler Danzig

  • 1927-06 BÖBLINGEN

  • 1927-06-19 BRAUNSCHWEIG

  • 1927-07 TROSSINGEN

aus Böblingen-Fliegerstadt und Garnison Funk: …Im Anschluß der Hohner-Feier hatte der Württembergische Luftfahrtverband einen wohlgelungenen Flugtag abgehalten. Trotz der wenig günstigen Witterung war aus der näheren und weiteren Umgebung eine vieltausendköpfige Menge erschienen. Das Programm stand durchaus auf der Höhe der bisherigen Veranstaltungen und legte ein glänzendes Zeugnis ab von dem hervorragenden Können, dem ernsten Streben und der Unerschrockenheit unserer Böblinger Flieger“, berichtete die Zeitung. Besonderen Eindruck machten die akrobatischen Vorführungen am Trapez des Flugkünstlers Fritz Schindler auf einem vom Fluglehrer Weller gesteuerten Flugzeug. Unter der gleichen sicheren Führung unternahm Hedy Schumann (Berlin) aus einer Höhe von etwa 400 m einen Fallschirmabsprung, „für welchen das dankbare Publikum der Künstlerin nach der sicheren Landung begeisterte Ovationen schenkte“.

  • 1927 Schwäbisch Hall

Die Zeitungsberichte wurden uns freundlicherweise von Herrn Michael S. Koziol, Schwäbisch Hall zur Verfügung gestellt. Sie dokumentieren eindrucksvoll welch hohe Aufmerksamkeit Flugschauen in der damaligen Zeit erzeugten.

Haller Tagblatt 1.9.1927

Haller Tagblatt 3.9.1927

Haller Tagblatt 6.9.1927

Vaterlandsfreund 6.9.1927

Vaterlandsfreund 8.9.1927

Haller Tagblatt 09.9.1927 – Bericht von Fritz Schindler und Hedy Schumann über Ihre AnfängeHaller Tagblatt 12.9.1927

  • 1927 TEMPLINER SEE (bei Berlin)

Schindler Freiburger Zeitung 1927-10-13schindler riga 1927-10-15

  • 1928 KONSTANZ

Fritz Schindler - Hedy Schumann - Anton Riediger (H.R.)

Fritz Schindler – Hedy Schumann – Anton Riediger (H.R.)
  • 1928-06-17 BÖBLINGEN

aus Böblingen-Fliegerstadt und Garnison Funk: Auch zu dem im Juni 1928 wieder vom Württembergischen Luftfahrtverband veranstalteten Flugtag hatten sich Tausende eingefunden. Zehn Flugzeuge waren zur Begrüßungsrunde gestartet. Zwischen Stör-Schleißheim und Spengler-Böblingen fand ein Kunstflugturnier statt, und die Gleitflüge des Fluglehrers Weller mit abgestellten Motor eines Klemm-leichtflugzeugs wurden mit Interesse verfolgt. Die Hauptsensation brachten aber Hedy Schumann als Kunstschützin aus, indem sie von dem von Fritz Schindler gesteuerten Flugzeug aus einen Fesselballon abschoß. Dann kam der Sprung in die Tiefe. In etwa 500 m Höhe kletterte die Pilotin aus dem Flugzeug – ein Hallo bei den Zuschauern, als sie unten wieder ankam.

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  • 1928-09-02 EBINGEN 1928-09-02 Ebingen Spengler Riediger Schumann Schindler (Der Adler 1928-09)

  • 1928-09-23 STUTTGART

Fritz Schindler Stuttgart Flugtag 1928 small

1928-09-23-24 Stuttgart Schindler Schumann Hirth Weller Udet Etzdorf

  • 1928-100-14 Ludwigsburg

1928-10-14 Ludwigsburg (Schindler,Schumann,Riediger,Hirth,Köhl)

Ad109-Seite 4-5-2Fritz Schindler mit Wolf Hirth und Walter Spengler 1929 in Bad Waldsee

  • 1929-09-16 RottweilRottweil Flugveranstaltung 1929-09-15 mit SpenglerSchindler Hirth Schumann Riediger (HR)1929-09-16 Rottweil Schindler Schumann Hirth Weller (Der Adler 1928-10)

  • 1929 RIEDLINGEN

aus Chronik Fliegergruppe: Erster Flugtag in Riedlingen auf dem Wiesengelände zwischen Kastanienallee, Bahndamm und der heutigen Bundesstraße B311. Prominentester Teilnehmer waren Hauptmann Hermann v. Köhl, der im Jahr zuvor erstmals den Atlantik von Ost nach West überflogen hatte und Hedi Schumann. Neben den Akrobaten Schindler und Spengler zeigte Hedy Schumann einen Fallschirmabsprung aus 300 Metern Höhe.

  • 1929 MANNHEIM  (Propagandaflug)

Fritz Schindler Mannheim Propagandaflug 1929 (2) small

  • 1930-03-30 FREIBURG

Bei einem Flugtag auf dem Freiburger Flugplatz waren die vier Maschinen des Unternehmens und Frl. Schumann als Fallschirmspringerin beteiligt. Neben Kunst- und Geschicklichkeitsflügen wurde Ballonrennen, Luftakrobatik und Höhenschätzen durchgeführt; ferner wurden Fesselballons abgeschossen. Da am gleichen Tage die Kirchenweihe von St. Konrad stattfand, wurde der Festversammlung ein Blumengruß aus der Luft kredenzt.

Fritz Schindler Freiburg Flugtag 1930 small

  •  1930-04-21 BERLIN-TEMPELHOF

Einen persönlichen Höhepunkt erlebte Fritz Schindler bei einem Jubiläums-Flugtag in Berlin-Tempelhof anläßlich seines 10jährigen Berufsjubiläums als Luftakrobat. Die Hauptattraktion war das „Umsteigen“ von einem fahrenden Auto in ein darüber fliegendes Flugzeug. Das Auto war ein 12/100 PS Austro-Daimler, gesteuert von Hans Stuck, der Vater von Hans-Joachim Stuck, mit ca 130 km/h. Nach mehrmaligen Versuchen konnte er endlich die Leiter ergreifen, verletzte sich aber dabei, weil er ein Stück weit über den Beton geschleift wurde. Schindler zog sich eine Sehnenzerrung zu,  konnte aber noch ins Flugzeug klettern.

Schindler Berlin-Tempelhof 2

Schindler_1930

Schindler Hamburger-Anzeiger Schindler Berlin

Helden der Luft H96 Fritz Schindler Kunstflug

Am gleichen Tag zeigte Fritz Schindler auch seine „Arbeit am Bambus“ und am TrapezFlugakrobat Schindler Flugakrobat Schindler

  • 1930-04-27 BERLIN-TEMPELHOF

Dieser Artikel ist insoweit interessant, das Fritz Schindler in einer Woche zweimal in Berlin-Tempelhof auftrat, zumal er sich am 21.April beim Umsteigen von einem Auto ins Flugzeug schon eine Sehnenverletzung zuzog.

Schindler Reichenberger Zeitung 28.April 1930

  • 1930-05-09 KEHL (geplant, kam nicht zur Ausführung)

Schindler Hamburger Anzeiger 1930-05-10

  • 1930-05-25 PFORZHEIM (Feldflugplatz Huchenfeld)

Bei diesem Flugtag zeigte wahrscheinlich nur Hedy Schumann einen Fallschirmabsprung

schindler_pforzheim_flugtag_1930_11 small

3. Fritz Schindler  4. Hedy Schumann  5.Walter Spengler

1.Walter Spengler 2.Hedy Schumann 3.Fritz Schindler

 

  • 1930-06-15 REUTLINGEN

Reutlingen 1930 Plakat (S 100 Nr_11 495)Reutlinger General-Anzeiger 1930-06-16 Fritz Schindler S.5

Reutlinger General-Anzeiger vom 16. Juni 1930

Reutlingen 1930 Fritz Schindler_allReutlingen 1930 Hedy Schumann (S 105_4 Nr_1085_12a)

Hedy Schumann

Weitere Abbildungen von Fritz Schindler

Fritz Schindler_ebay_9 Fritz Schindler mit seiner Klemm L25 1930 (HdG)

mit seiner  Klemm KL25 (HdG Stg)
Daimler-Leichtflugzeug (HR)Daimler-Klemm L20. Sehr gut ist die Befestigung  des Bambusstabes und die Handschlaufe für Fritz Schindlers Vorführung  „Arbeit am Bambus“ zu erkennen

Fritz Schindler Daimler-Klemm L20

mit Daimler-Klemm L20 (im Hintergrund Daimler Werk Sindelfingen)

Fritz Schindler schaffte es sogar in die Bildergalerie des weltbekannten amerikanischen LIFE-Magazins.

Fritz Schindler LIFE


Der folgende Artikel über Fritz Schindler auf der homepage des „City-Flughafens Freiburg“ war Ende 2008 der erste Beitrag des Blogs und der Gründung der „AG Böblinger Flughafengeschichten“. Er beschreibt Fritz Schindler’s Freiburger Zeit von Dezember 1929 bis zu seinem Tode im September 1930:

Die Firma Schindler-Flug

mit freundlicher Genehmigung des City-Flughafens Freiburg Stellen mit Böblinger Bezug rot markiert.         (aktueller Link mit weniger Informationen)

Außer den genannten Einrichtungen des Linienfluges, der Tätigkeit des rührigen „BVL“ und den sonstigen flugsportlichen Veranstaltungen beherbergte der Freiburger Flugplatz zur Zeit der „Weimarer-Republik“ jedoch kurzfristig eine besondere Attraktion: den „Schindler-Flug“.Es handelt sich hierbei um ein Unternehmen, das „neuzeitliche Flugkunst“ betrieb, wie aus dem Briefkopf mit einigem Selbstbewußtsein hervorgeht. Die Firma widmete sich der damals sehr populären „Luftakrobatik“, einer Art Zirkuskunst der Luft, die mit Schindler ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende erreichte. Bei diesem Unternehmen fungierte Fritz Schindler als Luftakrobat und technischer Leiter, seine Braut, Fräulein Schumann, als Fallschirmspringerin, der St. Galler Kaufmann Billwiller als kaufmännischer Leiter, während der Böblinger Seeger die Finanzleitung in Händen hatte.

Man sieht, ein internationales Unternehmen, dessen Ruf auch dadurch unterstrichen wurde, daß es zu internationalen Flugtagen eingeladen wurde, und sich auch an den Wintersportveranstaltungen in St. Moritz beteiligte.

Der „Schindler-Flug“ war ursprünglich in Stuttgart-Böblingen ansässig. Am 8. November 1929 kam zwischen der Firma Schindler und der Stadtverwaltung eine Mietvereinbarung für die Benutzung des Platzes, der Hallen und der sonstigen Einrichtungen zustande. Die Firma mußte einen umfassenden Versicherungsschutz der Luft-Kollektiv- und Betriebshaftpflicht, sowie eine Kaution stellen. Diese Auflagen wurden prompt erfüllt und auch in der Folgezeit haben sich die Böblinger Unkenrufe über die mangelnde finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht bewahrheitet. Außer der Luftakrobatik wollte die Firma Schindler in Freiburg Schau-, Reklame- und Rundflüge durchführen sowie versuchen, einen regelmäßigen Flugbetrieb zum Feldberg einzurichten. Mit Ausnahme des Flugbetriebes auf den Feldberg sind diese Ziele auch weitgehend erreicht worden. Von Freiburg aus hat der „Schindler-Flug“ eine Reihe von Flugtagen im damaligen Reichsgebiet organisiert und durchgeführt, die das lebhafte Interesse von Stadtverwaltung und Presse an einem Engagement dieses bedeutenden internationalen Unternehmens als Wirtschaftsfaktor in Freiburg rechtfertigten. Das Unternehmen stationierte folgende Maschinen auf dem Platz; Dreisitzer Cirrus L 27, 85 PS; Siemens L 26, 75 PS; Sahmson L 25 A, 40 PS; Daimler-Klemm L 20, 20 PS. Dort kam es offensichtlich zu finanziellen und sachlichen Differenzen mit der Flugleitung; auch wurde die Überbelegung des Platzes Böblingen für die Verlegung nach Freiburg genannt. Jedenfalls beeilte sich die Stadt unter der Federführung des in Flugplatzfragen altbewährten Bürgermeisters Hölzl, das interessante Unternehmen an Freiburg zu binden.

Die Übersiedlung des Unternehmens nach Freiburg am 23.Dezember 1929 war mit einer netten Geste verbunden: Für den Oberbürgermeister wurde ein Wimpel mit einer Grußbotschaft abgeworfen, der in der Wilhelmstraße 48 landete, während die Grußbotschaft mit einem Postsack für die damalige „Freiburger-Zeitung“ in der Rosastraße 21 niederging. Damals bombardierte man Freiburg mit „freundlichen Grüßen“ aus der Luft, während man heute nicht einmal einen Ball für ein Fußballspiel auf einem Sportplatz abwerfen darf.


Im Adressbuch der Stadt Freiburg von 1930 ist die Adresse  von Fritz Schindler mit „Fritz Schindler, Flugkünstler, Lortzingstrasse 2.2“ angegeben. Laut den Meldeunterlagen war er vom 1. Januar 1930 dort bei Franz Guggenbühler, Lokführer, gemeldet. Der Zuzug war am 31. Dezember 1929. Als letzter Aufenthaltsort wird auf der Meldekarte der „Freiburger Hof“ genannt.

Offensichtlich transportierte die Firma auch Flugpost. Im linken Teil des Stoffes war eine Tasche für die Post eingenäht, der Beutel wurde dann im Fluge abgeworfen.

Die nachfolgenden Dokumente wurden uns freundlicherweise vom Stadtarchiv Freiburg zur Verfügung gestellt. Sie zeigen den Antrag von Schindlerflug zur Verlegung des Unternehmens nach Freiburg, die Gründe und die Hoffnungen, die Freiburg in die Firma setzte, dem Flugverkehr neue Impulse zu verleihen. Sie ergänzen die obigen Ausführungen.

  • Anfrage Schindlerflug nach Freiburg wegen Verlegung der Firma 10.November 1929 hier
  • Anfrage Freiburg nach Stuttgart Firmenauskunft 11. November 1929 hier
  • Abendblatt Berlin Veranstaltung in St.Moritz 04. Januar 1930 hier
  • Breisgauer Zeitung 14. Januar 1930 über Schindlerflug hier
  • Oberrheinischer Beobachter 14. Januar 1930 hier
  • Bericht über Schindlerflug 15. Januar 1930 hier

Das hoffnungsvolle Unternehmen „Schindlerflug“ in Freiburg fand ein jähes Ende durch das Unglück am 18.September 1930 auf dem Böblinger Flughafen. Dazu umfangreiche Ausführungen auf der Seite „Das Unglück“

 

6 Antworten zu Fritz Schindler

  1. Monika Streit schreibt:

    Ich fand den obigen Artikel sehr interessant. Fritz Schindler war der Stiefbruder meines Großvaters. Ich verfüge wohl noch über alte Fotos die Fritz Schindler und Frau Schumann zeigen, habe aber überhaupt kein sonstiges Wissen über die Beiden, so dass Ihr Artikel für mich sehr aufschlussreich war.

    Mit freundlichen Grüßen
    Monika Streit

  2. Dr. Manfred Schmid schreibt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    bin beim Recherchieren auf Ihre interssante Seite gestoßen. Bereite gerade eine Ausstellung für das Stadtmuseum Bad Cannstatt über Luftfahrt auf dem Cannstatter Wasen vor. Wie kann nich mit Frau Streit wg. möglicher Foto-Leihgaben in Verbindung treten?
    Für Ihre Bemühungen herzlichen Dank!
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Manfred Schmid

  3. buergertreff schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr.Schmid,
    wir wurden von Frau Streit bezüglich eventueller Foto-Leihgaben autorisiert. Wir werden uns mit Ihnen in Verbindung setzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Reinhard Knoblich

  4. Ulrich Schweizer schreibt:

    Meine Frau stammt mütterlicherseits aus Stuttgart und ist die Grossnichte des Luftschiffers Hugo Eckener. Beim Räumen der Wohnung ihrer Mutter kam eine olivgrün gestrichene Holzkiste mit der Aufschrift „Fritz SCHINDLER Sdf. (Z.)“ zum Vorschein – leider leer. Steht Sdf. für Sindelfingen? Gibt es ein Museum, das sich für diese Kiste interessiert?

    • buergertreff schreibt:

      Sehr geehrter Herr Schweizer,
      Sdf könnte sehr wohl für Sindelfingen, Nachbarort und Schindlers Absturzstelle stehen. Die Zeit würde auch zu Hugo Eckener passen. Zu einem interessierten Museum kann ich leider nichts sagen, dazu habe ich zu wenig Informationen. Ich werde mich mal nach der Wohnadresse Fritz Schindlers erkundigen.Schicken Sie mir doch bitte weitere Infos und Fotos an meine im „Impressum“ genannte email-Adresse. Es wäre noch interessant, ob Sie auch im Besitz irgendwelcher Infos über den „Graf Zeppelin LZ127“ haben, der 1929 und 1931 auch in Böblingen landete.
      Mit freundlichen Grüßen
      Reinhard Knoblich

  5. Henk Simons schreibt:

    Sehr geehrter Herr,

    Im August 1920 war Fritz Schindler zusammen mit seine Partnerin auf dem Flugplatz von Mierlo (NL). Hier gab er zusammen mit Georg Straszer und Hess Flugdemonstrationen. Meine Frage lautet: ist bei Ihnen hierueber etwas bekannt und kennen Sie die Nahmen der anderen?
    Mit freundlichen Grueszen,
    Henk Simons

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