Fritz Schindler

der Verächter des Todes

Fritz Schindler (Sammlung Streit)

1891-1930


seperate Seiten


Am 11. August 1891 um 16:00 Uhr wurde Karl Friedrich (Fritz) Schindler als unehelicher Sohn von Margarethe Hemmerle (geb. Klotz und geschiedene Ehefrau von Hermann Hemmerle) und des ledigen Gärtners Karl Friedrich Schindler geboren. Am 07. Oktober 1893 heirateten seine Eltern, diese Ehe wurde am 08. Juni 1916 geschieden. Am 10. Juni 1916 heiratete der „Artist“ Karl Friedrich Schindler in Karlsruhe die am 04. Oktober 1893 in Sprollemühle geborene Kleidermacherin Ottilie Marie Dörflinger, bei dem folgenden Foto nehmen wir an, dass es sich um das Hochzeitbild handelt.

1916 Hochzeitsbild Fritz Schindler mit Ottilie Dörflinger
1916 die beiden Kinder des Hochzeitspaares, vor der Hochzeit geboren .
Das älteste Foto von Fritz Schindler, ca.1912/1913, ohne den später typischen Bart. Die Partnerin könnte seine spätere Ehefrau sein. Die Vornamen Walter und Else geben uns noch Rätsel auf (Foto Sammlung Dieter Wolf)
Fritz Schindler 1917 (Kiefer-Auktion) (5)
Fritz Schindler schreibt am 26. Mai 1917 seiner Schwägerin Erna, dass dieses Foto noch vor dem Krieg stammt

MILITÄR – Feldfliegerabteilung Ffa 20 in Freiburg (existierte von 01. August 1914 -10. Januar 1917, dann unbenannt in FAA 271)

Fitz Schindler 1917-03-05 Feldfliegerabteilung 20
Bei der Heirat wies sich Fritz Schindler mit einem Urlaubsschein als Soldat der Feldfliegerabteilung 20 aus.
Soldat der Feldfliegerabteilung 20

Spaßbild beim Militär (Welf Fischer)

Fritz Schindler (ebay) (2)

Fritz Schindler (Kiefer-Auktion) (19)

Fritz Schindler auf dem Drahtseil

Von 1919 bis 1924 trat Fritz Schindler nicht mit seiner Ehefrau Ottilie auf, sondern mit ihrer Schwester Wilhelmine. Wir nehmen an, dass sie zuerst allein mit dem Künstlernamen „Remo“ auftrat, dann als Schindlers „Partnerin“ und später mit dem Künstlernamen „Mia Schindler-Remo“ und dann nur noch Mia Schindler genannt wurde. Dies vermuten wir, da in der Todesanzeige (1924) von „Frl. Wilhelmine Dörflinger genannt Mia Schindler“ die Rede ist. Die Formulierung lässt auch den Schluss zu, dass Fritz Schindler zu dieser Zeit schon von seiner Ehefrau Ottilie getrennt war, da sie Beide separat genannt werden. Die offizielle Scheidung war dann erst im Juli 1930, weil er im September 1930 Hedy Schumann heiraten wollte.


Fritz und Mia Schindler Luftakrobaten aus Karlsruhe


VERANSTALTUNGSORTE  (nach Jahr)

  • 1919-07-20 und 1919-07-27 1. öffentlicher Auftritt in Pforzheim

Während eines Flugtages in Schwäbisch Hall 1927 erzählte Fritz Schindler einem Zeitungsreporter, „wie ich Flugkünstler wurde…“

Meine Idee, Akrobatik mit dem Flugzeug zu verbinden, datiert zurück in das Jahr 1913, als der französische Flieger Pegoud mit seinem Bleriot-Aparat die ersten Looping te lopp ausführte, wonach ich beabsichtigte, mein Trapez statt an die Zirkuskuppel unter ein Flugzeug zu hängen. Akrobatik war mein Fach – schon in der Jugend ein hervorragender Turner, widmete ich mich später dem artistischen Berufe. Dann kam der Krieg, während dessen ich selbst Pilot wurde. Nach Kriegsschluss erst kam der große Tag, an dem die „Probe auf Leben und Tod“ stattfinden sollte.

Am 20. Juli 1919 (Sonntag) knatterte gegen 5 Uhr früh in der Nähe eines Badeortes im Schwarzwald der zweihundertpferdige Motor eines Doppeldeckers. Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen und die Maschine brauste los, gesteuert von dem Piloten Edin. Nachdem wir ungefähr 300 Meter erreicht hatten, ließ mein Begleiter das Trapez und Klettertau über Bord. Darauf drosselte der Führer den Motor und ich begab mich längs des Taues 5 Meter unterhalb des Flugzeuges auf das Trapez. Ich führte nunmehr verschiedene akrobatische Tricks aus und freute mich schon, wenige Minuten später wieder an Bord zu sein. Doch es sollte anders kommen! Trotz aller Überlegung hatte ich vorgehabt, das Klettertau mit dem Trapez zu verbinden und als ich dem Begleiter das Zeichen gab, mir das Tau herabzuwerfen, tat er dies, und zwar bei volllaufendem Motor. Trotzdem das Tau am Ende mit einem Bleigewicht beschwert war, wurde es durch den kolossalen Luftstrom (die Maschine hatte 140 Kilometer Stundengeschwindigkeit) nach hinten geschleudert. Mithin war mir die Möglichkeit, und das war, kurz vor der Landung – abzuspringen! In diesem Sinne winkte ich dem Begleiter, zu landen, doch der Führer tat dies nicht. Wie er mir später erzählte, überlegte er immer noch, welche Chance sich zu meiner Rettung bot. Nach halbstündigem Irrflug schritt der Pilot zur Landung und es folgten nun Sekunden, die sich kaum schildern lassen. Zu allem Unglück mussten wir über eine Verkehrsstraße hereinlanden, an deren einer Seite eine sehr hohe Starkstromleitung stand – und davon bangte mir. – krampfhaften Blickes visierte ich meine Höhe mit der Freileitung, immer tiefer ging das Flugzeug und immer näher kamen wir den verhängnisvollen Drähten. Die Spannkabel der Maschine pfiffen ordentlich, als wir mit etwa 100 Kilometer über die Verderben heischende Hochspannung hinwegschossen. Die erste Gefahr war vorüber und mithin die beiden Insassen und die Maschine gerettet. Und jetzt war die Reihe wieder an mir, niemand konnte mir helfen. Die Lage übersehen, einen Plan fassen und handeln, war das Werk eines Augenblickes! Selbst Pilot, fühlte ich naturgemäß mit dem meinigen und wusste, dass er im nächsten Moment die Maschine abfangen musste, wollte er auf dem sehr kurzen platze auskommen! Das war für mich das Signal, mich lang zu hängen und loszulassen. Wie ein Maulwurf zusammengekugelt schlug ich auf der Erde auf, um wieder in die Höhe zu fliegen, einige Saltomortales zu drehen und dann liegenzubleiben. Langsam holte ich die Brust voll Luft und fühlte, dass, abgesehen von einigen Rückenschmerzen und einem kalkfarbigen Teint, alles noch in Takt war. Der Erste, der bei mir war, war mein Pilot, der mich unter Freudentränen umarmte. Händeschütteln und Glückwünsche von allen Seiten.

Am darauffolgenden Sonntag (27. Juli) gab ich in Badens Goldstadt Pforzheim vor ungezählten Menschen mein erstes Debüt. Die Presse nannte mich einen Todesverächter und einen Über-Pegeout und ich heimste Erfolge ein in vielen Städten des In-und Auslandes, wobei ich dem Tode noch manchmal ins Auge sah Flugakrobatik-Vorführungen waren auf zahlreichen Flugtagen nach dem Ende des I. Weltkriegs die absoluten Höhepunkte. Fritz Schindler war einer der Luftakrobaten. Der erste verfügbare Bericht von 1920 aus Baden-Oos Artikel


  • 1919-09-10 STUTTGART-WASEN

Mit dieser Veranstaltung taucht erstmal der Slogan „Fritz Schindler Der Verächter des Todes“ auf, wahrscheinlich ausgewählt, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. *)

*) Dieses Symbol übernahmen später auch andere Flugakrobaten, wie Robert Kellner, einem tschechischen Flugakrobaten, der seine Akrobatik 1928 begann und zumindest einmal 1929 mit Fritz Schindler bei einer Veranstaltung in Slowenien zusammentraf.

Kellner, Robert sign

Robert Kellner mit Schindler-Motiv

Billie Bomar (Modern Mechanix 1929-11)
Das Totenkopfsymbol in einem Artikel über Billie Bomar, einem amerikanischen Flugakrobaten, in den 20er Jahren.

  • 1919-09-14 BADEN-OOS

Fritz Schindler Baden-Oos

Fritz Schindler (2)

Baden-Oos (Sammlung Streit)

Fritz Schindler Baden-Oos Gruppe 1919 (Kiefer-Auktion) (2)

Fritz Schindler_ebay_6
Fritz Schindler mit Mia Schindler

Weltattraktion

  • 1919-09-21 + 1919-09-24 Pforzheim
Karlsruher Tagblatt

Badische Presse


Obwohl die Aufführungen in den Anzeigen groß angekündigt waren, war die Resonanz nicht sehr groß: wie der folgende Bericht zeigt. Gymnastische Künste am Flugzeug. Die unangenehmen und schlimmen Erfahrungen, die die Bewohner unserer Stadt während des Krieges mit der Fliegerei gemacht haben, haben anscheinend eine derartige Abneigung gegen alles, was mit den Flügen irgendwie zusammenhängt, in der Bevölkerung hervorgerufen, dass selbst jetzt im Frieden, wo das Flugzeug wieder in den Dienst kultureller Betätigung gestellt worden ist, eine Fliegervorführung kein Interesse findet. Anders kann man sich den miserablen Besuch der gestrigen und vorgestrigen Fliegervorführung auf dem Exerzierplatz nicht erklären, denn vor dem Kriege hätte solch eine Darbietung einen Riesenbesuch angelockt. Aber jetzt bleiben selbst stärkste Lockmittel (siehe oben), sensationelle Plakatankündigungen, Flugblätter, Aufrufe an allen Ecken und enden ohne Wirkung. Ein nur sehr kleines Zuschauerpublikum hatte sich auf dem Exerzierplatz eingefunden, um sich die akrobatischen Kunststücke des Herrn Fritz Schindler hoch in der Luft an einem vom Flugzeug herabhängenden Trapez anzusehen. Man weiß nicht recht, wie man diese Vorführungen bewerten soll. Eine kühne Leistung ist es auf jeden Fall, in 200-300 Meter Höhe aus dem dahinschießenden Flugzeug herauszuklettern, an dem Trapez die Kunststücke zu zeigen, die man sonst nur im Variete zu sehen gewohnt ist, es ist ein Nervenkitzel für die Zuschauer, weiter nichts. Herrn Schindler muss man trotz alledem für diese todesmutigen, kühnen Kunststücke, die ihm so leicht wohl keiner nachmachen dürfte, vollste Anerkennung zollen, er hätte wirklich einen besseren Besuch verdient gehabt.

Dieses Foto war beim Stadstarchiv Karlsruhe zur Klärung. Wir nehmen an, dass dieses Foto im Zusammenhang mit der obigen Veranstaltung steht. Fritz Schindler hat sich vielleicht bei der Autovermietung Karl Völler in Karlsruhe einen LKW gemietet, fuhr dann nach Pfrozheim fuhr und mit Blaskappelle und Werbetafeln durch den Ort. Im Hintergrund sind verschiedene Varitieeaufbauten zu sehen.

  • 1919-10-11/12 MANNHEIM

Der folgende Bericht gibt einen guten Eindruck über den Ablauf der damaligen Luftsportveranstaltungen und speziell über die Flugakrobatik von Fritz Schindler

„Im Flug über ein halbes Jahrhundert“ Richard Dietrich, 1942 (gekürzt, Auszüge Fritz Schindler) Richard Dietrich 1894-1945 deutscher Flugzeug-Konstrukteur u. Unternehmer

Der Plan einer Flugveranstaltung zur Weckung des Fluggedankens in der Bevölkerung nahm im Herbst 1919 greifbare Formen an. Aber was konnte ich meinem Publikum außer einigen Starts und Kurven mit der LVG C VI bieten? Kunstflugtaugliche Maschinen, etwa einen Fokker D VIII, waren ja nicht mehr da. Dann kam eines Tages ein junger Mann zu mir und erklärte, er möchte gerne am Schaufliegen als Trapezkünstler teilnehmen und packte Fotografien und Zeitungsausschnitte aus, die von einer ähnlichen Veranstaltung der „Balug“ (Badische Luftverkehrsgesellschaft) in Baden-Oos stammten. Es war dies Fritz Schindler, der „Verächter des Todes“, wie er sich nannte. Ich ging auf das Angebot ein, denn ich musste ja schließlich etwas Neues bringen. Schindler nun sollte dieser „Kassenmagnet“ sein. Am 11. und 12. Oktober (1919), einem Samstag und Sonntag, sollte der Flugtag steigen. Vor Schindlers „Weltattraktion“ ließ ich eine „Luftpantomine“ vom Stapel, betitelt: „Eine Entführung oder die Hochzeit im Flugzeug.“

Personen: Rentier Icks, seine Frau – Amalie, seine Tochter – ein Freier – ein Flieger – Freunde und Bekannte der Familie Icks  Ort der Handlung: im Garten der Familie Icks. Zeit 1930 (!!) Inhalt: (bitte um Mitgefühl)

Familie Icks verbringt ein gemütliches Kaffeestündchen in ihrem sonnigen Garten, der dicht neben dem Flugplatz liegt. Ein Freier erscheint mit Blumen bewaffnet und wirbt um die Hand der Tochter. Amalie liebäugelt aber mehr mit dem Flieger, der in der Nähe seinen Flugapparat zum Aufstieg fertigemacht. Beim Anblick des Flugzeugs faßt sie einen abenteuerlichen Plan.

Während der Freier sich mit den Eltern in ein Gespräch vertieft, benützt Amalie die Gelegenheit, um unbemerkt zu entkommen. Mit Koffer und Hutkasten eilt sie davon. Ihr Flieger hat den Vorgang beobachtet und ist auch gleich im Bilde. Die Maschine ist gerade startfertig und rasch entschlossen steigen beide ein. Der Motor brummt. Bestürzt eilen die Alten und der Freier zum Garten hinaus und auf dessen Riesenvogel zu, um ihn festzuhalten. Zu spät. Schon braust das Flugzeug über den Rasen und hebt sich zur abenteuerlichen Fahrt. Große Aufregung. Der hinters Licht geführte Freier ist beim Festhalten am Rumpf hängengeblieben und wird mit in die Luft geschleppt. In schwindelner Höhe zappelt er in tausend Ängsten zwischen Himmel und Erde.

Pause.—(Im Programm stand: Ein Tag später)

Kummerbeladen sitzen Rentier Icks und Frau wieder im Garten und brüten über dem Schicksal der Tochter. Plötzlich erscheint am Horizont ein Flugzeug, das sich in schö-nen Spiralen der Erde nähert und landet. Ein Pärchen in Frack, Seide und Schleier steigt aus der Maschine. Frau Icks erkennt ihre Tochter und eilt auf sie zu. Amalie und ihr Flieger stellen sich aber diesmal als neugebackenes Ehepaar vor. Man hatte sich in einer entfernten Stadt trauen lassen. Unter den Klängen: „Wer uns getraut….“ werden das junge und alte Paar von Freunden und Bekannten beglückwünscht.

Aus! Soweit das Manuskript. Die Ausführung sah folgendermaßen aus: Rennwiese, 11. Oktober 1919, nachmittags drei Uhr. Anwesende: zehntausend Zuschauer, eine kriegsstarke Regimentskapelle, ein LVG-Doppeldecker, der Freier (Fritz Schindler), ich, der Flieger, sowie Amalie nebst Anhang. Statt sonnen im Garten, regnete es schon stundenlang Bindfäden.

„Amalie,“ meine Käthe aus Berlin, hatte in der Eile den besonders angefertigten Brautschleier vergessen, der dem „Hochzeitsflug“ seine Note geben sollte. Hilfsweise wurden beim alten Schenk im Rennwiesen-Restaurant eine Gardine abmontiert, die ihren Zweck ebenso erfüllte. Drei Uhr dreißig. Die Musik zog sich wegen zunehmenden Regens unter die gedeckten Tribünen zurück und intonierte zum dritten Male das „Lockenköpfchen-Intermezzo“, das sie zur musikalischen Untermalung der „Tragödie“ gewählt hatte. Ungeduldig warteten Rentier Icks und seine Frau (Hermann Treubisch und Emma Schönfeld vom National-Theater Mannheim) auf das Zeichen des Beginns. Ich klatschte mit der Hand auf die Backbordwand des Rumpfes. Das war das Zeichen zum Anfangen. Alles ging gut, bis auf den technischen Teil der „Entführung“. Als sich nämlich Fritz Schindler als Freier mit Todesverachtung auf die Maschine stürzte, um sie oder sich seitlich am Rumpf festzuhalten, merkte ich, dass das Seitenruder nicht mehr reagierte. Ich glaubte, dass dieser Fehler sich mit zunehmender Fahrt von sich selbst beheben werde. Statt dessen legte sich die Maschine knapp fünf Meter überm Erdboden auf die Seite und schlug mit mordsmäßigem Krach auf ein Hindernis, das sonst die Rennpferde mit Eleganz überspringen pflegen. Bruch! Im nächsten Augenblick war der Rennplatz von Menschen übersät. Was nun?…………….

…….. Als ich Punkt drei wieder landete, waren die Tribünenplätze und der gegenüberliegende Neckardamm schwarz von Menschen. Die Kapelle spielte einen Tusch, die Stimmung war wieder da, und es klappte alles wie am Schnürchen. Die „Hochzeit“ startete diesmal ohne Hindernisse und die „Freunde“ in Gehrock und Zylinder präsentierten sogar einen echten Rosenstrauß. Eifrig spielten die 110er ihre Märsche. Dann startete ich mit Fritz Schindler und meinem Monteur zum Flug mit seilschwingendem Trapez. Es ist ein eigenartiges Gefühl für den Flugzeugführer, wenn jemand über Bord der Maschine steigt und sich am Strick fünf Meter herunterlässt. Die Geschwindigkeit musste dabei so vermindert werden, dass die Maschine bedenklich zu wackeln begann. Im stille´n dachte ich, lieber zwei Stunden im Flakfeuer, als solche Viertelstunde. Der besseren Wirkung wegen musste ich zwischen fünfzig und achtzig Meter bleiben, und die Fahrt durfte hundert Kilometer in der Stunde nicht übersteigen, damit mein Akrobat nicht mit dem Sporn in Berührung kam, denn so schneller die Maschine flog, um so flacher wurde die Parabel des bemannten Trapezes. Kurz und gut, ich glaube, ich habe am Steuer mehr Fracksausen ausgestanden, als Schindler und das ganze Publikum zusammen. Darum war ich froh, als endlich das Zeichen zum Landen heraufgegeben wurde. Vorsichtshalber schielte ich aber nach hinten, um zu sehen, ob Schindler auch tatsächlich wieder in der Maschine saß. Nein!

Er hing an den Fäusten meines Monteurs außen an der Backbordwand, blutete aus Mund und Nase, und machte keine gute Figur. „Landen, landen!“ brüllte Schindler, der sich keine Minute länger halten konnte. Ich setzte dann so vorsichtig und langsam wie nur möglich auf. Der Beifallssturm der Fünfzigtausend übertönte selbst das Geräusch des Motors, als wir den Zuschauerplätzen entgegenrollten. Siegesbewußt saß Schindler jetzt auf dem Rumpf, wie ein Sonntagsreiter auf einer Remonte.

Niemand hatte die Gefahr bei der Landung bemerkt. Hunderte von Händen beglückwünschten das waghalsige Kerlchen und so fand der erste Nachkriegsflugtag in Mannheim sein gutes Ende. Daß auch französische Beobachter in Zivil erschienen waren, erhöhte die Kasseneinnahmen um ein paar Märkelchen, sonst nahm niemand von diesem Besuch Notiz.

Der ungekürzte Artikel als pdf-Datei

Eine interessante Bemerkung im Tagebuch von Alfred Heerwagen (1878-1947) dazu: Die dort gezeigten Kunststücke an einem vom Flugzeug herabhängenden Trapez (gemeint war Fritz Schindler) waren recht waghalsig, passten aber wenig zum eigentlichen Flugsport.


1920-08 bis ca. 1922-07 traten Fritz und Mia Schindler ausschließlich in den Niederlanden auf (nur ein kleiner Überblick)


  • 1920-08-08 MIERLO-Molenheide (Niederlande)

Am 3.8. kündigt das „Eindhoven Dagblad“ für den 8. Mai eine Aufführung von Fritz Schindler an, die erstmals in den Niederlanden gezeigt wird und vorher nur in den größten Städten Deutschland, unter viel Beifall von Publikum und Presse. Dieser Luftakrobat arbeitet unter einer Flugmaschine mit einer Geschwindigkeit von 160 km auf einer Höhe von 100 Metern. Er macht die unglaublichsten Umdrehungen an einem Trapez, das 5 Meter unter dem Rumpf der Maschine hängt, ohne daran gebunden zu sein, also völlig frei. Kein Wunder, dass dieser junge Künstler in der ganzen Welt bewundert wird. Dieser Auftritt muss ein voller Erfolg gewesen sein:


  • 1920-08-29/31 BERGEN OP ZOOM  (Niederlande)

  • 1920-09-18 ROTTERDAM

Am 11. September hatte die Fluggesellschaft Exelsior eine Flugschau mit Schindler organisiert. Wegen eines technischen Defektes konnte die Vorführung nicht stattfinden und wurde auf das nächste Wochenende verschoben. Am Samstag, den 18. September flog Fritz Schindler mit einer Albatros, gesteuert vom Piloten P.J. van de Griend, verließ die Kabine und führte seine „Arbeit am Trapez“ aus und winkte dem Publikum zu. Am Ende seiner Demonstration machte Schindler eine weitere Runde und stand auf einem Flügel. Das Publikum war begeistert.

Am nächsten Tag stand ein Fallschirmabsprung mit Fräulein Schindler-Reno *) (später nur noch Mia Schindler genannt) auf dem Programm. Die Albatros, wieder vom Piloten P.J.van de Griend gesteuert, stieg auf und Mia Schindler steht auf dem Flügel, bereit, um mit dem Fallschirm abzuspringen. Beim Absprung öffnete sich der Fallschirm zu früh und wickelte sich um die Kabel des Flugzeugflügels. Pilot P. J. van de Griend, packte mit einer Hand Mia Schindler an der Schulter, während die andere noch das Lenkrad betätigte. Aber sie war immer noch nicht gerettet, sie schwebte immer noch außerhalb des Flugzeugs. Dann ließ er sein Steuerknüppel los, beugte sich über den Rand des Flugzeugs und zog mit beiden Händen Mia Schindler, obwohl durch das zunehmend flatternde Fallschirmtuch stark behindert wurde, ins Flugzeug. Anschließend führte Fritz Schindler seine Trapezvorfühtung vor

*) Das ist der erste Bericht, in dem von einem Frl. Schindler-Reno die Rede ist.

Mia Schindler-Remo
Mia Schindler-Reno

Mia Schindler-Remo (2)
Mia Schindler-Remo (Kiefer-Auktion) (1)
Mia Schindler-Reno

  • 1921-01-16 W.B. Theater

  • 1921-01-30 W.B. Theater
  • 1921-04-29 Vlaardinger-Ambacht Ankündigung für 9. Mai ?

  • 1921-08-06 bis 08. APELDOORNh
Apeldoornsche courant

  • 1921-08-20 bis 22. ROOSENDAAL
De grondwet

  • 1921-08-23 SCHEVENINGEN

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  • 1922-07-02 Schäsberg Circus

  • 1922-02-17 Eden

  • 1922-10-12 MANNHEIM-RENNWIESEN – Schaufliegen

  • 1923-03-23 Zirkus Gleich Luftfahrtschau – Antrag auf Genehmigung
Fritz Schindler Circus Gleich

Auf eine „Verbindung“ zum Zirkus weist die Werbepostkarte mit dem Aufdruck „Circus Gleich“ hin. Der 1919 gegründete Zirkus zählte bis Mitte der 1930er Jahre neben Sarrasani und Krone zu den größten europäischen Zirkusunternehmen. Dazu ein Hinweis auf einer französischen homepage:

Hohe Interalliierte Kommission für die Rheingebiete (HCITR) – Interalliiertes Generalsekretariat, Akten „Aktuelle Angelegenheiten“ 1923-1924 Ausführlicher digitaler Index der Artikel AJ/9/222 bis AJ/9/377,
Ordner 10655 bis 17258
Datei 11715 Fritz und Mia Schindler [Flugakrobaten] – Antrag auf Erlaubnis zur Durchführung ihrer akrobatischen Übungen und um ihre Flugshow in TO aufzuführen]
23. März 1923 Unter anderem: Fotos und Werbematerial (zur Veranschaulichung); in diesem Zusammenhang auch ein Antrag des Circus Gleich (Direktor Julius Gleich) auf Genehmigung von Kunst- oder Zweckdiebstählen Werbung in TO, mit technischem Datenblatt des verwendeten Flugzeugs. [Ziemlich detaillierte Datei].
Indizierung von Begriffen Schindler, Fritz (Flieger-Akrobat); Schindler (Schindler-Remo), Mia (Flieger-Akrobatin); Gleich, Julius (Zirkusdirektor)


  • 1924-05 BERLIN – LUNAPARK

„Der Berliner Frühling erhält seine Sanktion als eine Jahreszeit des »Amüsemangs« durch die Eröffnung des größten Rummelplatzes, des Lunaparks, der sich hinter der Halenseer Brücke erhebt, eine Pointe des Kurfürstendamms, vom Gott der Sensationen hingesetzt an den Ausgang dieser Allee, die wie ein unendlich langes Versprechen von Sensationen anmutet.“ (Joseph Roth, Stunde im Frühlingsrummel, in: Frankfurter Zeitung, 16. Mai 1924).

So berichtet der „Berliner Westen“ am 10.05.1925: Der Lunapark hat für das Mai-Programm den Flugzeugakrobaten Fritz Schindler engagiert, der mit einem Doppeldecker in Höhe von etwa 200 Metern über dem Halensee kreuzt und seine sensationellen akrobatischen Darbietungen an einem Trapez unter dem Flugzeug ausführt.

Vertragsübergabe für das Lunapark-Engagement ? v.l 2. Mia Schindler 3. Lunapark-Manager mit Vertrag ? 5. Fritz Schindler
Gruppenfoto nach der Überreichung für das Engagement – 2. Mia Schindler (Schwägerin) 3. Ottilie Schindler (Fritz Ehefrau) 4. Fritz Schindler
Fritz Schindler - Berlin Luna-Park (Kiefer-Auktion) (2) cut
vl. 2. Fritz Schindler 3. Mia Schindler – andere Personen unbekannt

Über die Eröffnung berichtet der „Berliner Westen“ am 12.05.1924: Die Eröffnung des Lunaparks. Der Frühlingssonnenschein, der am Sonnabend zum ersten Male in diesem Jahre nach so langem Grau auf die Erde herniederstrahlte, hatte auch den Lunapark in Halensee zu neuem Leben erweckt. Vor geladenem Pubikum fand nachmittags die Eröffnung statt. Radio, die Modeerscheinung, hat der disjährigen Sason des Lunaparks ihre besonderes Gepräge gegeben. Die Terrassen sind mit großen Lautsprecheranlagen ausgestattet worden, durch die der Direktor Rachwalsky die Erschienenen begrüßte und Hans Brennert einen zu diesem Tage verfaßten Prolog vortragen ließ. Neu ist ein Radiohaus, daß die Telefunkengesellschaft erbaut hat und in dem tagtäglich die Konzertprogramme von Berlin und London zu Gehör gebracht werden. Im übrigen sind sämtliche Gebäude des Lunaparks grellfarbig aufgefrischt worden und der Park hat durch eine große Anzahl neuer Baumgruppen eine Erweiterung erfahren. Alte Bekannte sind die großen Attraktionen, wie das „Schleuderrad“, die „Shimmimaschine“, der „Eiserne See“, die große „Berg-und Talbahn“ usw., die für Nervenkitzel und Allotria sorgen. Die Wasserrutschbahn ist jetzt so eingerichtet worden, daß sie nicht mehr in einem kleinen Wassertümpel mündet, sondern daß man auf ihr direkt in schweren Kähnen in den Halensee hineinfahren kann. Verschiedene Restaurationsräum, Schaubuden und sonstige Einrichtungen sorgen für des weiteren für Unterhaltung des Pubikums. Aber auch die Kunst kommt im Lunapark zu ihrem Recht: Ein Kabarett „Nachtfaler“ wartet mit künstlerisch hochwertigen Darbietungen der Kleinkunst im Stile des „Blauen Vogels“auf.

Die große Sensation ist jedenfalls das Auftreten des Akrobaten Schindler, der seine Übungen auf einem Flugzeuge in schwindelnder Höhe zum besten gibt. An dem Flugzeug, das von dem Piloten Schuster gefahren wird, ist ein Trapez angebracht, an dem der tollkühne Akrobat seine atemberaubenden Kunststücke ausführt. So läßt er sich beispielsweise mit dem Kopf nach unten von dem in großen Kreisen dahinfliegenden Flugzeug durch die Lüfte tragen. um sich dann wieder in einem wagemutigen Aufschwung auf das Trapez zu setzen und an ihm herumzuklettern. Dieses Schauspiel, das sämtliche Besucher des Lunaparks zusammenruft, wird auch von den Anwohnern des Lunaparks mit spannendem Interesse beobachtet.

Desweiteren tragen eine große Anzahl von Kapellen zur Unterhaltung mit bei. Heute spielt zum ersten Male das Parkorchester unter Leitung von Obermusikmeister Przywarski. Man siehr also, es ist eine Fülle von Darbietungen, die der Lunapark diesmal wieder in Bereitschaft hat.

Am Sonntag, den 25.Mai 1924 berichtet die Berliner Börsenzeitung „Infolge andersweitiger Verflichtungen kann der Flugzeugkünstler Fritz Schindler, der sich seit Eröffnung des Lunaparks am Trapez am Flugzeug produzierte, nur noch bis zum Montag, den 26. d.M. über dem Halensee fliegen.“ Um welche Verflichtung es sich handelte, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Fritz Schindler mit unbekannten Personen
Das Foto ist sowohl zeit- als auch ortsmässig noch nicht geklärt. Es könnte im Rahmen des Berliner Lunaparks-Engagement gewesen sein.

Zum Lunapark Am 14. Mai 1904 eröffnete der Gastronom August Aschinger zusammen mit dem ehemaligen Küchenchef des Kempinskis, Bernd Hoffmann, die Terrassen am Halensee, die 1909 in Lunapark umbenannt wurden. Es war mit 5,5 ha Berlins größter und berühmteste Vergnügungspark, ein moderner Märchenpalast mit beeindrucken- den Türmen und einer großen Freitreppe zum Halensee hinunter.Von 1910 bis zum Ersten Weltkrieg öffnete der Lunapark jährlich im April oder Mai und bot dann ein Vergnügungsprogramm für die Sommermonate. Die Restaurants hatten eine Kapazität von 16.000 Sitzplätzen. Es gab das Bayern-Dorf, in dem das Bier „in Strömen floss“, oder das Luna-Palais für gehobenere Ansprüche. Der Park zählte in den Anfangsjahren täglich 50.000 Besucher und an Wochenenden noch erheblich mehr. Bereits 1910 konnte der millionste Besucher empfangen werden. Kurz nach Kriegsbeginn 1914 musste der Lunapark schließen. Im Hauptrestaurant wurden ein Lazarett und eine Konservenfabrik zur Versorgung der Armee eingerichtet. Erst an den Pfingstfeiertagen 1920 eröffnete der Lunapark wieder. Angesichts der hohen Ausgaben für neue Attraktionen, Energie für bis zu 1000 Angestellte und die „Lustbarkeitssteuer“ war der Lunapark darauf angewiesen, in der kurzen Sommer- saison so viel Publikum wie möglich anzuziehen. Der Park enthielt alle Rummel- attraktionen der damaligen Zeit, wie eine Wasserrutschbahn, die im See endete, und als besondere Attraktion ein Wellenbad, das von den Berlinern „Nuttenaquarium“ genannt wurde, weil sich hier die Damen den genießerisch am Beckenrand sitzenden Herren in der neuesten Bademode präsentierten. Weitere Attraktionen waren eine Wackeltreppe („Shimmy-Treppe“), mit einem Gebläse am Ende, das die Röcke der Damen hob, sowie eine Gebirgsbahn oder ein Hippodrom. Nach dem Vorbild von Coney Island in New York war ein Vergnügungspark entstanden, der Sensationen, Abenteuer, Gefahr, die Illusion der großen weiten Welt und das Erlebnis der scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten der Technik anbot. Völkerschauen, die erste Rolltreppe, jede Nacht ein großes Feuerwerk, Theater, Revuen, Jazzmusik, Kabarett, aber auch Tanzturniere und Boxkämpfe, wie 1926 der erste Kampf von Schmeling, wurden hier geboten.


  • 1924-06-22 Leipzig-Mockau Ein Monat nach Fritz Schindlers Engagement im Berliner Lunapark verunglückte Mia Schindler tödlich

Über ihren Tod wird in dem Buch „Leipzig geht in die Luft“ folgendes berichtet: Nicht soviel Glück hatte die aus Karlsruhe stammende Artistin Frau Mia Schindler, die am 22. Juni 1924, anlässlich der Eröffnung der Fliegerschule der „Aero-Express-Luftbetriebs-Gesellschaft“, in Mockau abgesprungen war. Ernst Udet hatte wegen des stürmischen Windes den Flug abgesagt. Eigensinnig startete sie aber mit ihrem Mann Fritz im Flugzeug des Sportfliegers Erler. Auch Erler wollte, als er aufgestiegen war, nicht, dass sie sprang. Er musste aber auf ihr Verlangen den Motor abstellen und im Gleitflug auf 100 Meter sinken, Aus dieser Höhe sprang sie ab – und in den Tod. Ihr Fallschirm hatte sich nicht vollständig geöffnet und ihr Mann musste hilflos dem Unglück zusehen.

Zeitschrift „Flugsport Nr.13“ von 1924 über das Unglück: Ein verhängnisvoller Fallschirmabsprung ereignete sieh am 22. 6. anlässlich des Schau- und Sportfliegens der Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-A.-G. Das bekannte Flugzeugartistenpaar Fritz und Mia Schindler wollte ebenfalls seine Künste zeigen; dabei wagte Mia Schindler einen Absprung aus 200 m Höhe, der jedoch durch zu spätes Entfalten (30 m über dem Boden) des Fallschirmes ihren Tod herbeiführte. An und für sich ist die Höhe von 200 m für einen Fallschirmabsprung nicht zu gering, und dürfte der Grund des Versagens wohl darin zu suchen sein, dass Frau Schindler vom Tragdeck abgesprungen ist, wodurch die Verwicklungsgefahr größer wird und andererseits darin, dass Herr Schindler nicht die Abreißschnüre benutzte, sondern den Fallschirm mit der Hand aus dem Verpackungssack herausgezogen hat. Gewöhnlich wird die Aufziehleine am Flugzeug befestigt und dauert der Vorgang der Entwicklung des Fallschirmes ungefähr 2—2,5 sec. vom Zeitpunkte des Absprunges aus gerechnet. Wird nun der mechanische Auflösungsvorgang mit der Hand vorgenommen, so besteht die Gefahr, dass der Fallschirm nur zum Teil an dem Verpackungssack herausgezogen wird, wenn die Aufziehleine auch nur eine halbe Sekunde zu früh losgelassen wird, wodurch der Fallschirm, besonders bei niedriger Höhe, zu spät zur Entfaltung kommt. Im Allgemeinen kommt ein Fallschirmverkauf nur nach eingehendsten Unterweisungen der Firma über den Gebrauch desselben zustande. Bei dem von Frau Schindler benutzten Schirm handelte es sich jedoch um einen für die Türkei bestimmten, aber auf dem Transport abhanden gekommenen Schirm, der wohl auf Umwegen in ihren Besitz gekommen ist.

Erst durch die Todesanzeige erfuhren wir, dass Mia Schindler nicht seine Ehefrau, sondern seine „Partnerin“ war.
Das wird auch durch die Danksagung deutlich
Beeindruckend auch der Nachruf von Fritz Schindler
1924-06-25 Überführung in die Heimat Karlsruhe
1924-06-28 (Karlsruher Tageblatt)
1924-06-28 (Karlsruher Zeitung)

  • 1925-07-01 DANZIG-LANGFUHR
Schindler Danzig
Bei der Partnerin könnte es sich um Hedy Schuman handeln

  • 1926-08-22 FRANKFURT-REBSTOCK

  • 1927 KONSTANZ  Großflugtag

dazu folgender Bericht aus Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensee und seiner Umgebung: ….So konnten die Konstanzer beispielsweise 1927 bei dem durch die Stadt organisierten Groß-Flugtag den Akrobaten Fritz Schindler, den Herrn des Todes bei seinen turnerischen Kunststücken auf einem fliegenden Flugzeug bewundern. Ein viertelstündiger Rundflug kostete 1927 pro Person immerhin 1 5 ,-R M , die aus der stets leeren Familienkasse nur wenige entnehmen konnten, wie der Berichterstatter des Konstanzer Volksblattes kritisch anmerkte. Die größte Sensation löste aber im Verlauf dieser Veranstaltung der Fallschirmsprung von Fräulein Hedy Schuhmann aus, der den Schreiber des gerade zitierten Artikels zu einem begeisterten Vierzeiler hinriss: Aus des Seglers schmalem Kahn Löst sich nun ein keckes Weib Traut des Fallschirms leichter Fahne, Zeigt dem Tod den jungen Leib.

Dieses lyrische Pathos verdeutlicht, welche Bedeutung der Luftfahrt als Symbol der Moderne zugemessen wurde.


  • 1927-06 BÖBLINGEN

  • 1927-06-19 BRAUNSCHWEIG

  • 1927-07 TROSSINGEN

aus Böblingen-Fliegerstadt und Garnison Funk: … Im Anschluß der Hohner-Feier hatte der Württembergische Luftfahrtverband einen wohlgelungenen Flugtag abgehalten. Trotz der wenig günstigen Witterung war aus der näheren und weiteren Umgebung eine vieltausendköpfige Menge erschienen. Das Programm stand durchaus auf der Höhe der bisherigen Veranstaltungen und legte ein glänzendes Zeugnis ab von dem hervorragenden Können, dem ernsten Streben und der Unerschrockenheit unserer Böblinger Flieger“, berichtete die Zeitung. Besonderen Eindruck machten die akrobatischen Vorführungen am Trapez des Flugkünstlers Fritz Schindler auf einem vom Fluglehrer Weller gesteuerten Flugzeug. Unter der gleichen sicheren Führung unternahm Hedy Schumann (Berlin) aus einer Höhe von etwa 400 m einen Fallschirmabsprung, „für welchen das dankbare Publikum der Künstlerin nach der sicheren Landung begeisterte Ovationen schenkte“.


  • 1927-08 KONSTANZ

  • 1927-09-11 SCHWÄBISCH HALL
Haller Tagblatt 1.9.1927

Haller Tagblatt 3.9.1927

Die Zeitungsberichte wurden uns freundlicherweise von Herrn Michael S. Koziol, Schwäbisch Hall zur Verfügung gestellt. Sie dokumentieren eindrucksvoll welch hohe Aufmerksamkeit Flugschauen in der damaligen Zeit erzeugten.

Haller Tagblatt 6.9.1927
Vaterlandsfreund 6.9.1927
Vaterlandsfreund 8.9.1927
Haller Tagblatt 12.9.1927

  • 1927-10-12 TEMPLINER SEE (bei Berlin)

Waghalsige Luftakrobatik (Opel-Post)

Nur wenige Tage später, am 13. Oktober, sorgte Fritz von Opel erneut für Aufsehen – dieses Mal aber durch waghalsige Luftakrobatik. Der Flugkünstler Fritz Schindler stieg von der über den Templiner See rasenden „Opel II“ mittels einer heruntergelassenen Strickleiter zu einem fliegenden RK 2a „Pelikan“-Doppeldecker auf und kurz darauf bei Tempo 100 auch wieder herab. Die halsbrecherische Aktion kann als Bogenschlag vom wassersportlich äußerst erfolgreichen 1927 zum Jahr 1928 betrachtet werden – das Jahr, in dem Fritz von Opel sich der Fliegerei und den Raketenexperimenten zuwandte

Schindler Freiburger Zeitung 1927-10-13

schindler riga 1927-10-15


  • 1928 KONSTANZ (Schindler-Schumann-Riediger)
Fritz Schindler - Hedy Schumann - Anton Riediger (H.R.)
Fritz Schindler – Hedy Schumann – Anton Riediger (H.R.)

  • 1928-02-08 BERLIN

  • 1928-05-25 Fritz Schindler schreibt seinem Halbbruder Emil Hemmerle eine Postkarte vom Flugplatz Böblingen

  • 1928-06-17 BÖBLINGEN (Schindler-Schumann)

aus Böblingen-Fliegerstadt und Garnison Funk: Auch zu dem im Juni 1928 wieder vom Württembergischen Luftfahrtverband veranstalteten Flugtag hatten sich Tausende eingefunden. Zehn Flugzeuge waren zur Begrüßungsrunde gestartet. Zwischen Stör (Schleißheim) und Spengler (Böblingen) fand ein Kunstflugturnier statt, und die Gleitflüge des Fluglehrers Weller mit abgestellten Motor eines Klemm-Leichtflugzeugs wurden mit Interesse verfolgt. Die Hauptsensation brachten aber Hedy Schumann als Kunstschützin aus, indem sie von dem von Fritz Schindler gesteuerten Flugzeug aus einen Fesselballon abschoss. Dann kam der Sprung in die Tiefe. In etwa 500 m Höhe kletterte die Pilotin aus dem Flugzeug – ein Hallo bei den Zuschauern, als sie unten wieder ankam.

schindler_böblingen_flugtag_1928_1 small


  • 1928-08-26 ULM (Köhl-Schindler-Riediger)

  • 1928-09-02 EBINGEN 1928-09-09 Öhringen (Köhl-Schindler-Schumann)

  • 1928-09-23 und 24. STUTTGART (Köhl-Schindler-Schumann 38.39.-Udet-Etzdorf-Spengler-Weller
1928-09-23-24 Stuttgart Schindler Schumann Hirth Weller Udet Etzdorf

Fritz Schindler Stuttgart Flugtag 1928 small

Fritz Schindler – Hedy Schumann – Hermann Köhl mit Frau
Hedy Schumann mit Frau Köhl
Hedy Schumann
Hedy Schumann

  • 1928-10-09 Deutscher Zuverlässigkeitsflug

  • 1928-10-14 LUDWIGSBURG (Köhl-Schindler-Schumann 41.-Riediger-Spengler-Hirth-Schaumburg-Lippe)
1928-10-14 Ludwigsburg (Schindler,Schumann,Riediger,Hirth,Köhl)

  • 1929 Sommer MANNHEIM Propagandaflug

  • 1929 STUTTGART Volksfest (Schumann 50.)

  • 1929-07-07 BAD WALDSEE (Schindler-Hirth-Spengler)

Quelle: http://fliegerwaldsee.de/90-jahre/

Der Flugtag begann mit einem Vortrag von Wolf Hirth

Fritz Schindler mit Wolf Hirth und Walter Spengler 1929 in Bad Waldsee

Die besten württembergischen Piloten waren für den Waldseeer Flugtag gewonnen worden. Wolf Hirth, Fritz Schindler, Walter Spengler, Hermann Weller und Hedy Schumann sollten ihre Künste zeigen. Die Leitung hatte Hauptmann Schmiedt vom Württembergischen Luftfahrt-Verband.

Ad109-Seite 4-5-2

Ratsprokoll

Ankündigung


Der Flugtag war ein voller Erfolg mit ca 5-6.00 Zuschauern. Zur Regelung des Verkehrs wurden 60 Mann der Schutzpolizei aus Friedrichshafen und Weingarten eingesetzt. Am Sonntagmorgen landeten die vier Flugzeuge, Schwalbe D-1663, D-979 und D-512, die in Böblingen aufgestiegen waren, auf dem von weiß-roten Fähnchen umgrenzten Landeplatz. Das etwa zwei Stunden dauernde Programm wurde mit dem Begrüßungsflug des Verbandsflugzeuges „Schwalbe“ des Wüttembergischen Luftfahrtverbandes Stuttgart und zwei Klemm L20 eröffnet. Anschließend zeigte Fluglehrer Walter Spengler Kunstflüge auf der „Schwalbe“. Akrobatik am Flugzeug, einem Albatros-Doppeldecker, zeigte Fritz Schindler. Geschicklichkeitsflüge auf der Klemm L20 durch Hermann Weller sowie der Abschuss eines Fesselballons durch Fritz Schindler aus einem von Wolf Hirth geführten Flugzeug und Ballonrammen durch die Piloten Schindler und Wolf Hirth folgten. Leider mußte Hedy Schumann wegen eines Autounfalls ihren Auftritt absagen. Beim Abflug erlitt ein Flugzeug Havarie, wurde repariert und konnte am nächsten Tag zu Heimatflugplatz zurückkehren. Für Waldsee war dieser Großflugtag natürlich eine gute Werbung. So konnte im Mai 1931 berichtet werden, daß die Übernachtungszahlen 1930 um ca 30% gestiegen waren.


  • 1929-08-04 GERMERSHEIM (Schindler-Schumann 44.-Spengler)

  • 1929-09-08 EPPINGEN Flugtag (Schindler-Schumann)

  • 1929-09-15 ROTTWEIL


  • 1929 RIEDLINGEN (Köhl-Schindler-Schumann-Spengler)

aus Chronik Fliegergruppe: Erster Flugtag in Riedlingen auf dem Wiesengelände zwischen Kastanienallee, Bahndamm und der heutigen Bundesstraße B311. Prominentester Teilnehmer waren Hauptmann Hermann v. Köhl, der im Jahr zuvor erstmals den Atlantik von Ost nach West überflogen hatte und Hedi Schumann. Neben den Akrobaten Schindler und Spengler zeigte Hedy Schumann einen Fallschirmabsprung aus 300 Metern Höhe.


  • 1929 MANNHEIM  (Propagandaflug)
Fritz Schindler Mannheim Propagandaflug 1929 (2) small

  • 1930-02-13 TITISEE Landung (Schindler-Fusbahn)
Auf dem Rückflug mit der Klemm KL25 D-1357 musste Fritz Schindler notlanden

  • 1930-03-30 FREIBURG (Schindler-Schumann 58.)

Bei dem Flugtag waren 4 Maschinen und Frl. Schumann als Fallschirmspringerin beteiligt.Neben Kunst- und Geschicklichkeitsflüen wurde Ballonrammen, Luftakrobatik und Höhenschätzen durchgeführt, ferner wurden Fesselballons abgeschossen.. Da am gleiche Tag die Kirchenweihe von St. Konrad stattfand, wurde der Festversammlung ein Blumengruß aus der Luft kredenzt.


  •  1930-04-21 BERLIN-TEMPELHOF

Einen persönlichen Höhepunkt erlebte Fritz Schindler bei einem Jubiläums-Flugtag in Berlin-Tempelhof anläßlich seines 10jährigen Berufsjubiläums als Luftakrobat. Die Hauptattraktion war das „Umsteigen“ von einem fahrenden Auto in ein darüber fliegendes Flugzeug, einer Klemm KL27 D-1781 aus seinem Besitz. Das Auto war ein 12/100 PS Austro-Daimler, gesteuert von Hans Stuck, der Vater von Hans-Joachim Stuck, mit ca 130 km/h. Nach mehrmaligen Versuchen konnte er endlich die Leiter ergreifen, verletzte sich aber dabei, weil er ein Stück weit über den Beton geschleift wurde. Schindler zog sich eine Sehnenzerrung zu,  konnte aber noch ins Flugzeug klettern.

Schindler Berlin-Tempelhof 2

Schindler_1930

Schindler Hamburger-Anzeiger Schindler Berlin

Helden der Luft H96 Fritz Schindler Kunstflug
Aus Album „Helden der Luft“ der Cigarettenfabrik Orami
Grossflugtag auf dem Centralflughafen in Berlin-Tempelhof! Der Akrobat der Lüfte! Der Akrobat [Fritz] Schindler bei waghalsigen Kunststücken am Mast auf dem Flugzeug im 130 km.-Tempo.
Grossflugtag auf dem Centralflughafen in Berlin-Tempelhof! Der Akrobat der Lüfte! Der bekannte Flugzeugakrobat [Fritz] Schindler bei der Ausübung seiner halsbrecherischen Kunststücke am Trapez eines Flugzeuges freischwebend in der Luft.

  • 1930-04-27 BERLIN-TEMPELHOF

Dieser Artikel ist insoweit interessant, das Fritz Schindler in einer Woche zweimal in Berlin-Tempelhof auftrat, zumal er sich am 21.April beim Umsteigen von einem Auto ins Flugzeug schon eine Sehnenverletzung zuzog.

Schindler Reichenberger Zeitung 28.April 1930

Wie der Zufall so spielt: Am gleichen Tag verunglückte ein anderer Flugakrobat Willy Hundertmark bei einem ähnlichen Kunststück in Düsseldorf tödlich. Daraufhin diskutierte die Presse über den Sinn solcher Veranstaltungen. Die Ironie des Schicksals war der tödliche Absturz von Fritz Schindler am 18.09.1930 in Böblingen.


  • 1930-05-04 LAHR


  • 1930-05-11 KEHL (geplant, kam nicht zur Ausführung)

  • 1930-06-09 PFORZHEIM (Feldflugplatz Huchenfeld)

Fotos nach Nr. sortiert, von Streit jeweils von „Atelier Rödelsheimer, Pforzheim, Schloßberg 11“

KLemm KL26 D-1833 (Streit)
Hedy Schumann (Streit)
Hedy Schumann und Zuschauer (Streit)
KLemm KL26 D-1833 (Streit)
Zuschauer (Streit)
1.Walter Spengler 2.Hedy Schumann 3.Fritz Schindler (Streit)
Hedy Schumann (Streit)
Fritz Schindler mit Klemm KL26 D-1833 (Heinz Riediger)
schindler_pforzheim_flugtag_1930_11 small
3. Fritz Schindler  4. Hedy Schumann  5.Walter Spengler (Streit)
Spengler mit Klemm KL26 D-1833 (Streit)
Links Hedy Schumann (Streit)
Spengler mit Fritz Schindler (Streit) Bemerkungswert die persönliche Widmung über Ihren Verlobten nach dessen tragischen Tod : Da waren wir noch glücklich
Fritz Schindler trägt Hedy Schumann’s Fallschirm (Streit)

  • 1930-06-15 REUTLINGEN
Reutlingen 1930 Plakat (S 100 Nr_11 495)
Reutlinger General-Anzeiger 1930-06-16 Fritz Schindler S.5
Reutlinger General-Anzeiger vom 16. Juni 1930

Reutlingen 1930 Fritz Schindler_all
mit seiner  Klemm KL25 (HdG Stg)
Reutlingen 1930 Hedy Schumann (S 105_4 Nr_1085_12a)
Hedy Schumann

  • 1930-07-01 KARLSRUHE „Befreiungsflug“ über Baden und Pfalz (Fritz Schindler)

  • 1930-07-08 GAGGENAU (Veranstalter Schindlerflug – Schindler-Schumann-Spengler)

  • 1930-07-20 WILLSTÄTT (Schindler-Schumann)

Weitere Abbildungen von Fritz Schindler

Fritz Schindler_ebay_9 Fritz Schindler mit seiner Klemm L25 1930 (HdG)Daimler-Leichtflugzeug (HR)Daimler-Klemm L20 D-818. Sehr gut ist die Befestigung  des Bambusstabes und die Handschlaufe für Fritz Schindlers Vorführung  „Arbeit am Bambus“ zu erkennen

Fritz Schindler Daimler-Klemm L20
mit Daimler-Klemm L20 (im Hintergrund Daimler Werk Sindelfingen)
Fritz Schindler LIFE
Fritz Schindler schaffte es sogar in die Bildergalerie des weltbekannten amerikanischen LIFE-Magazins.

Der Artikel „Der Schindler-Flug “ von Walter Vetter im Jahre 1974 auf der Webseite des „City-Flughafens Freiburg“ war Ende 2008 der erste Beitrag des blogs und war Anlaß der Gründung der „AG Böblinger Flughafengeschichten

Außer den genannten Einrichtungen des Linienfluges, der Tätigkeit des rührigen „BVL“ und den sonstigen flugsportlichen Veranstaltungen beherbergte der Freiburger Flugplatz zur Zeit der „Weimarer-Republik“ jedoch kurzfristig eine besondere Attraktion: den „Schindler-Flug“.Es handelt sich hierbei um ein Unternehmen, das „neuzeitliche Flugkunst“ betrieb, wie aus dem Briefkopf mit einigem Selbstbewußtsein hervorgeht. Die Firma widmete sich der damals sehr populären „Luftakrobatik“, einer Art Zirkuskunst der Luft, die mit Schindler ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende erreichte. Bei diesem Unternehmen fungierte Fritz Schindler als Luftakrobat und technischer Leiter, seine Braut, Fräulein Schumann, als Fallschirmspringerin, der St. Galler Kaufmann Billwiller als kaufmännischer Leiter, während der Böblinger Seeger die Finanzleitung in Händen hatte. Man sieht, ein internationales Unternehmen, dessen Ruf auch dadurch unterstrichen wurde, daß es zu internationalen Flugtagen eingeladen wurde, und sich auch an den Wintersportveranstaltungen in St. Moritz beteiligte.

Der Schindler-Flug“ war ursprünglch in Stuttgart-Böblingen ansässig. Dort kam es offensichtlich zu finanziellen und sachlichen Differenzen mit der Flugleitung; auch wurde die Überbelegung des Platzes Böblingen für die Verlegung nach Freiburg genannt. Jedenfalls beeilte sich die Stadt unter der Federführung des in Flugplatzfragen altbewährten Bürgermeisters Hölzl, das interessante Unternehmen an Freiburg zu binden. Am 8. November 1929 kam zwischen der Firma Schindler und der Stadtverwaltung eine Mietvereinbarung für die Benutzung des Platzes, der Hallen und der sonstigen Einrichtungen zustande. Die Firma mußte einen umfassenden Versicherungsschutz der Luft-Kollektiv- und Betriebshaftpflicht, sowie eine Kaution stellen. Diese Auflagen wurden prompt erfüllt und auch in der Folgezeit haben sich die Böblinger Unkenrufe *) über die mangelnde finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht bewahrheitet. Außer der Luftakrobatik wollte die Firma Schindler in Freiburg Schau-, Reklame- und Rundflüge durchführen sowie versuchen, einen regelmäßigen Flugbetrieb zum Feldberg einzurichten. Mit Ausnahme des Flugbetriebes auf den Feldberg sind diese Ziele auch weitgehend erreicht worden. Von Freiburg aus hat der „Schindler-Flug“ eine Reihe von Flugtagen im damaligen Reichsgebiet organisiert und durchgeführt, die das lebhafte Interesse von Stadtverwaltung und Presse an einem Engagement dieses bedeutenden internationalen Unternehmens als Wirtschaftsfaktor in Freiburg rechtfertigten. Das Unternehmen stationierte folgende Maschinen auf dem Platz:

  • Klemm Fl27  D-1781 Dreisitzer (wurde beim Absturz zerstört)
  • Klemm KL26 D-1833
  • Klemm KL25 D-1778 2/1930 verkauft

Die Übersiedlung des Unternehmens nach Freiburg am 23. Dezember 1929 war mit einer netten Geste verbunden: Für den Oberbürgermeister wurde ein Wimpel mit einer Grußbotschaft abgeworfen, der in der Wilhelmstraße 48 landete, während die Grußbotschaft mit einem Postsack für die damalige „Freiburger-Zeitung“ in der Rosastraße 21 niederging. Damals bombardierte man Freiburg mit „freundlichen Grüßen“ aus der Luft, während man heute nicht einmal einen Ball für ein Fußballspiel auf einem Sportplatz abwerfen darf“…....


*) Zu den Böblinger Unkenrufen: Schindler wollte Böblingen wegen Überfüllung des Flughafens verlassen – zunehmder Passagierflugverkehr, zwei Flugschulen etc.) Böblingen legte scheinbar keinen Wert darauf, dass Schindler blieb wie der folgende Schriftverkehr zeigt.


Im Abschnit II- wird über die Verlegung informiert

Die Erwartungen, die Freiburg in die Firma Schindlerflug hatte, veranschaulicht deutlich der folgende Zeitungsartikel:

Durch den mit der „Schindler-Flug“ per 15. Dezember 1929 in Kraft getretenen Vertrag sind wir auch über die Rechtsgrundlagen zur Flugplatzbenutzung unterrichtet. Es handelt sich dabei um eine ortspolizeiliche Vorschrift vom 12. Mai 1925 über die Begrenzung und Begehung des Flugplatzes, und um eine Benutzungsvorschrift aus dem Jahr 1928 der Flughafenverwaltung über die „Ordnung für den Verkehrslandeplatz Freiburg“, der Rechte und Pflichten der Flieger, der Benutzer, der veranstaltenden Organisationen etc. regelte und die behördliche Zuständigkeiten einschließlich der Hilfseinrichtungen festlegte und umriß.


Klemm KL25 D-1778 mit der Bezeichnung „Schindlerflug Heimathafen Freiburg/BR.“

  • Im Adressbuch der Stadt Freiburg von 1930 ist die Adresse  von Fritz Schindler mit „Fritz Schindler, Flugkünstler, Lortzingstrasse 2.2“ angegeben. Laut den Meldeunterlagen war er vom 1. Januar 1930 dort bei Franz Guggenbühler, Lokführer, gemeldet. Der Zuzug war am 31. Dezember 1929. Als letzter Aufenthaltsort wird auf der Meldekarte der „Freiburger Hof“ genannt.
  • Schindler hatte auch begonnen, in Freiburg eine Jungfliegergruppe aufzubauen. Auch beteiligte er sich am Ausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege. Schindlers Tod brachte am 31. Oktober 1930 nicht nur die Auflösung seines Unternehmens, sondern auch in der Folgezeit ein generelles Verbot von Luftakrobatik im Reichsgebiet.
  • Offensichtlich transportierte die Firma auch Flugpost. Im linken Teil des Stoffes war eine Tasche für die Post eingenäht, der Beutel wurde dann im Fluge abgeworfen.

Das hoffnungsvolle Unternehmen „Schindlerflug“ in Freiburg fand ein jähes Ende durch das Unglück am 18.September 1930 auf dem Böblinger Flughafen. Dazu umfangreiche Ausführungen auf der Seite „Das Unglück“

  • Am 17.10.1930 schreibt der „Badischer Beobachter“ die Auflösung der Schindlerflug G.mb.H. Die durch den tragischen Tod Fritz Schindler ihres Führers beraubte Schndlerflug G.m.b.H. in Freiburg i.Br. ist in Liquidation getreten. am 02.02.1930 die Karlsruher Zeitung „Die unter der Firma „Schindlerflug“ – Billweiler & Schindler in Freiburg bestehende offene Handelsgesellschaft ist aufgelöst, die Firma erloschen. Am 8. Jan 1931,“
  • Am 21.09.1931 schreibt die Karlsruher Zeitung: „Zum Gedächtnis des vor einem Jahre tödlich verunglückten Flugzeugakrobaten Fritz Schindler, will der Ring Freiburger Flieger im hiesigen Flughafen einen Gedenkstein mit einer Plakette und dem Bilde Schindlers errichten“ .

6 Antworten zu Fritz Schindler

  1. Monika Streit schreibt:

    Ich fand den obigen Artikel sehr interessant. Fritz Schindler war der Stiefbruder meines Großvaters. Ich verfüge wohl noch über alte Fotos die Fritz Schindler und Frau Schumann zeigen, habe aber überhaupt kein sonstiges Wissen über die Beiden, so dass Ihr Artikel für mich sehr aufschlussreich war.

    Mit freundlichen Grüßen
    Monika Streit

  2. Dr. Manfred Schmid schreibt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    bin beim Recherchieren auf Ihre interssante Seite gestoßen. Bereite gerade eine Ausstellung für das Stadtmuseum Bad Cannstatt über Luftfahrt auf dem Cannstatter Wasen vor. Wie kann nich mit Frau Streit wg. möglicher Foto-Leihgaben in Verbindung treten?
    Für Ihre Bemühungen herzlichen Dank!
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Manfred Schmid

  3. buergertreff schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr.Schmid,
    wir wurden von Frau Streit bezüglich eventueller Foto-Leihgaben autorisiert. Wir werden uns mit Ihnen in Verbindung setzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Reinhard Knoblich

  4. Ulrich Schweizer schreibt:

    Meine Frau stammt mütterlicherseits aus Stuttgart und ist die Grossnichte des Luftschiffers Hugo Eckener. Beim Räumen der Wohnung ihrer Mutter kam eine olivgrün gestrichene Holzkiste mit der Aufschrift „Fritz SCHINDLER Sdf. (Z.)“ zum Vorschein – leider leer. Steht Sdf. für Sindelfingen? Gibt es ein Museum, das sich für diese Kiste interessiert?

    • buergertreff schreibt:

      Sehr geehrter Herr Schweizer,
      Sdf könnte sehr wohl für Sindelfingen, Nachbarort und Schindlers Absturzstelle stehen. Die Zeit würde auch zu Hugo Eckener passen. Zu einem interessierten Museum kann ich leider nichts sagen, dazu habe ich zu wenig Informationen. Ich werde mich mal nach der Wohnadresse Fritz Schindlers erkundigen.Schicken Sie mir doch bitte weitere Infos und Fotos an meine im „Impressum“ genannte email-Adresse. Es wäre noch interessant, ob Sie auch im Besitz irgendwelcher Infos über den „Graf Zeppelin LZ127“ haben, der 1929 und 1931 auch in Böblingen landete.
      Mit freundlichen Grüßen
      Reinhard Knoblich

  5. Henk Simons schreibt:

    Sehr geehrter Herr,

    Im August 1920 war Fritz Schindler zusammen mit seine Partnerin auf dem Flugplatz von Mierlo (NL). Hier gab er zusammen mit Georg Straszer und Hess Flugdemonstrationen. Meine Frage lautet: ist bei Ihnen hierueber etwas bekannt und kennen Sie die Nahmen der anderen?
    Mit freundlichen Grueszen,
    Henk Simons

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