Schindler,Fritz

Zur Einstimmung zum Thema ein Film – (in Zusammenarbeit mit der AG Böblinger Flughafengeschichten:

FRITZ SCHINDLER 11.08.1891 – 18.09.1930 (Foto 1929 )

Am 11. August 1891 um 16:00 Uhr wurde Karl Friedrich (Fritz) Schindler als unehelicher Sohn von Margarethe Hemmerle (geb. Klotz und geschiedene Ehefrau von Hermann Hemmerle) und des ledigen Gärtners Karl Friedrich Schindler geboren. Am 07. Oktober 1893 heirateten seine Eltern, diese Ehe wurde am 08. Juni 1916 geschieden. Am 10. Juni 1916 heiratete der „Artist“ Karl Friedrich Schindler in Karlsruhe die am 04. Oktober 1893 in Sprollemühle geborene Kleidermacherin Ottilie Marie Dörflinger.

Das älteste Foto von Fritz Schindler, ca.1912/1913, ohne den später typischen Bart. Die Partnerin könnte seine spätere Ehefrau sein. (Walter + Else ?? (Sammlung Dieter Wolf)
1916-06-10 Hochzeit Fritz Schindler mit Ottilie Dörflinger
1916 – Friedrich-Wilhelm + Erich – die Kinder des Hochzeitpaares *vor der Hochzeit mit den Großeltern
Fritz Schindler 1917 (Kiefer-Auktion) (5)
Fritz Schindler schreibt am 26. Mai 1917 seiner Schwägerin Erna, dass dieses Foto noch vor dem Krieg stammt

MILITÄR

Feldfliegerabteilung Ffa 20 in Freiburg (existierte von 01. August 1914 -10. Januar 1917, dann unbenannt in FAA 271)

Fitz Schindler 1917-03-05 Feldfliegerabteilung 20
Bei der Heirat wies sich Fritz Schindler mit einem Urlaubsschein als Soldat der Feldfliegerabteilung 20 aus.
Soldat der Feldfliegerabteilung 20
Spaßbild beim Militär (Welf Fischer)

2014 stellte uns Welf Fischer obiges Foto zur Verfügung und veröffentlichte 2023 ein Buch über die bekannten Flugakrobaten, Fritz Schindler ist dabei.

Fritz Schindler (Datum ub.)
Fritz Schindler (Kiefer-Auktion) (19)
Fritz Schindler (Datum ub.)

Ende Weltkrieg I. – Was nun?

Fritz Schindler überlegte sich, was er nach Kriegsende arbeiten sollte. Er konnte fliegen und war „gelernter Akrobat“, warum nicht beides miteinander verbinden, so kam die Idee des „Flugakrobaten“ oder „Flugkünstler“.

Schindler bereitetete sich auf seine zukünftigene Auftritte gewissenhaft vor:

  • mit einer Werbepostkarte mit Totenkopf
  • einem Slogan
  • und einem Outfit Pepita-Anzug mit Knickebockern, Streifenhemd und Fliege
Werbepostkarte Baden-Oos
Werbepostkarte

Für seine zukünftigen Auftritte ersann Schindler einen werbeträchtigen Slogan:

FRITZ Schindler, der Verächter des Todes

Die erste Erwähnung des Slogans findet sich in einem Artikel des Mannheimer Generalanzeiger, Nr.339 vom 20. Juli 1919:

Diese Erwähnung deckt sich im Wesentlichen mit zwei späteren Artikeln, in denen er von der Anfangzseit seiner Flugakrobatik berichtete:

Interview Flugtag Schwäbisch Hall am 9.September 1927
Datum unbekannt

Den „Totenkopf“ übernahmen später auch andere Flugakrobaten:

Noch 2012 fazinierte selbst das weltberühmte Max Reinhardt-Seminar, einer Ausbildungsstätte für angehende Schauspieler dieses Thema und fragte uns um Genehmigung, Schindlers Werbepostkarte verwenden zu dürfen:

Eintrittskarte
Plakat
Das Foto von Fritz Schindlers letztem Flug wurde auf dem Plakat verwendet
1916-07-20 erster Veruch
1919-07-20 erster Versuch – Baden-Baden Hangar- Fritz Schindler und Mia
1919-07-20 erster Versuch – Baden-Baden Hangar- Fritz Schindler und Mia
Outfit Karte 1 Lichtbild
Outfit Karte 1 „Vorführung gymnastischer Künste am Flugzeug“ mit Signatur
Outfit Karte 2
Fritz Schindler (ebay) (2)
Fritz Schindler mit Knickebocker-Hose
Fritz Schindler auf dem Drahtseil (Datum ub.)
Fritz Schindler (Datum ub.)

Von 1919 bis 1924 trat Fritz Schindler bei Veranstaltungen oft mit einer „Partnerin“, „Mia“ oder mit einer „Mia -Remo“ auf. Das war aber nicht seine Ehefrau Ottilie, mit der er vor dem Krieg Akrobatik betrieb. Diese Erkenntnis bekamen wir erst durch eine Todesanzeige (1924-siehe bei Veranstaltungen) von „Frl. Wilhelmine Dörflinger genannt Mia Schindler“. Die Formulierung lässt auch den Schluss zu, dass Fritz Schindler zu dieser Zeit schon von seiner Ehefrau Ottilie getrennt lebte, da beide separat genannt werden. Die offizielle Scheidung war dann erst im Juli 1930, weil er im September 1930 Hedy Schumann heiraten wollte. Fotos aus dieser Zeit mit unbekanntem Datum und Ort:

Fritz Schindler + Mia (Schindler) 1919-1924
Fritz Schindler + Mia (Schindler) 1919-1924
Fritz Schindler + Mia (Schindler) 1919-1924
Fritz Schindler + Mia (Schindler) 1919-1924
Fritz Schindler + Mia (Schindler) 1919-1924
Fritz Schindler + Mia (Schindler) 1919-1924
    • Aufnahmen Schindlers akrobatischen Übungen
    • mit einer Klemm Kl25 im Winter am Bambus über Böblingen
    • über Konstanz am Trapez.
    • Auf dem Templiner See am 13. Juli 1927 bei etwa 100km/h Umstieg über eine Strickleiter vom Raketen-Rennboot Fritz Opels in ein Flugzeug, gesteuert von Raab-Katzenstein – einem erfahrenden deutschen Flugpionier – und später wieder zurück ins Boot.
    • Der letzte Teil zeigt den Großflugtag am 21. April 1930 auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof. Dabei Übungen am Trapez und Bambus, Umstieg Schindler von einem Auto – nach mehreren Versuchen von Hans Stuck, dem legendären Rennfahrer gesteuert – bei etwa 130 km/h – über eine Strickleiter in ein Flugzeug Klemm KL26, gesteuert von Spengler. Dabei schleifte er kurz über den Betonboden und verletzte sich.

    Weitere Abbildungen von Fritz Schindler

    Fritz Schindler_ebay_9
    signiert mit Fritz
    Fritz Schindler Daimler-Klemm L20
    mit Daimler-Klemm L20 (im Hintergrund Daimler Werk Sindelfingen)
    Fritz Schindler LIFE
    Fritz Schindler schaffte es sogar in die Bildergalerie des weltbekannten amerikanischen LIFE-Magazins.

    1929-11-08 Firma Schindler-Flug nach Freiburg

    BEMERKUNG: Die Ankündigung, dass im September 2009 auf dem Gelände des ehemaligen Landesflughafens Stuttgart-Böblingen das „Meilenwerk“ (heute Motorworld) eröffnen sollte, weckte Ende 2008 das Interesse von Reinhard Knoblich. Eine Internetrecherche führte ihn zu dem Artikel „Der Schindler-Flug“ von Walter Vetter auf der Webseite des City-Flughafens Freiburg – der Grundstein für den ersten Beitrag auf flughafenbb.com. Eine Verwandte des Flugpioniers Fritz Schindler nahm Kontakt auf und stellte Fotos von Fritz zur Verfügung (jetzt Stadtarchiv Böblingen). Inspiriert von diesen Funden, sprangen die Bekannten Wilfried Kapp und Hans-Jürgen Sostmann (ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs Böblingen) sofort mit großer Begeisterung auf und beschlossen die Gründung der „AG Böblinger Flughafengeschichten“, die es sich seither zur Aufgabe macht, die Flugpioniere und Ereignisse des Standorts vor dem Vergessen zu bewahren.

    Außer den genannten Einrichtungen des Linienfluges, der Tätigkeit des rührigen „BVL“ und den sonstigen flugsportlichen Veranstaltungen beherbergte der Freiburger Flugplatz zur Zeit der „Weimarer-Republik“ jedoch kurzfristig eine besondere Attraktion: den „Schindler-Flug“.Es handelt sich hierbei um ein Unternehmen, das „neuzeitliche Flugkunst“ betrieb, wie aus dem Briefkopf mit einigem Selbstbewußtsein hervorgeht. Die Firma widmete sich der damals sehr populären „Luftakrobatik“, einer Art Zirkuskunst der Luft, die mit Schindler ihren Höhepunkt und zugleich ihr Ende erreichte. Bei diesem Unternehmen fungierte Fritz Schindler als Luftakrobat und technischer Leiter, seine Braut, Fräulein Schumann, als Fallschirmspringerin, der St. Galler Kaufmann Billwiller als kaufmännischer Leiter, während der Böblinger Seeger die Finanzleitung in Händen hatte. Man sieht, ein internationales Unternehmen, dessen Ruf auch dadurch unterstrichen wurde, daß es zu internationalen Flugtagen eingeladen wurde, und sich auch an den Wintersportveranstaltungen in St. Moritz beteiligte.

    Der Schindler-Flug“ war ursprünglch in Stuttgart-Böblingen ansässig. Dort kam es offensichtlich zu finanziellen und sachlichen Differenzen mit der Flugleitung; auch wurde die Überbelegung des Platzes Böblingen für die Verlegung nach Freiburg genannt. Jedenfalls beeilte sich die Stadt unter der Federführung des in Flugplatzfragen altbewährten Bürgermeisters Hölzl, das interessante Unternehmen an Freiburg zu binden. Am 8. November 1929 kam zwischen der Firma Schindler und der Stadtverwaltung eine Mietvereinbarung für die Benutzung des Platzes, der Hallen und der sonstigen Einrichtungen zustande. Die Firma mußte einen umfassenden Versicherungsschutz der Luft-Kollektiv- und Betriebshaftpflicht, sowie eine Kaution stellen. Diese Auflagen wurden prompt erfüllt und auch in der Folgezeit haben sich die Böblinger Unkenrufe *) über die mangelnde finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht bewahrheitet. Außer der Luftakrobatik wollte die Firma Schindler in Freiburg Schau-, Reklame- und Rundflüge durchführen sowie versuchen, einen regelmäßigen Flugbetrieb zum Feldberg einzurichten. Mit Ausnahme des Flugbetriebes auf den Feldberg sind diese Ziele auch weitgehend erreicht worden. Von Freiburg aus hat der „Schindler-Flug“ eine Reihe von Flugtagen im damaligen Reichsgebiet organisiert und durchgeführt, die das lebhafte Interesse von Stadtverwaltung und Presse an einem Engagement dieses bedeutenden internationalen Unternehmens als Wirtschaftsfaktor in Freiburg rechtfertigten. Das Unternehmen stationierte folgende Maschinen auf dem Platz:

    Die Übersiedlung des Unternehmens nach Freiburg am 23. Dezember 1929 war mit einer netten Geste verbunden: Für den Oberbürgermeister wurde ein Wimpel mit einer Grußbotschaft abgeworfen, der in der Wilhelmstraße 48 landete, während die Grußbotschaft mit einem Postsack für die damalige „Freiburger-Zeitung“ in der Rosastraße 21 niederging. Damals bombardierte man Freiburg mit „freundlichen Grüßen“ aus der Luft, während man heute nicht einmal einen Ball für ein Fußballspiel auf einem Sportplatz abwerfen darf“...


    *) Zu den Böblinger Unkenrufen: Schindler wollte Böblingen wegen Überfüllung des Flughafens verlassen – zunehmder Passagierflugverkehr, zwei Flugschulen etc. Böblingen legte scheinbar keinen Wert darauf, dass Schindler blieb, wie der folgende Schriftverkehr zeigt.

    1929-11-10 (Stadtarchiv Freiburg)
    1929-11-11 (Stadtarchiv Freiburg)
    1929-12-13 – Im Abschnit II. wird über die Verlegung nach informiert (Staatsarchiv Ludwigsburg)

    Freiburg setzte große Hoffnungen auf die Firma Schindlerflug, wie die folgenden Zeitungsberichte zeigen

    1930-01-04 (Berliner Abendblatt)

    1930-01-14 (Breisgauer Zeitung – Stadtarchiv Freiburg))
    1930-01-14 (Oberrheinischer Beobachter – Stadtarchiv Freiburg
    1930-01-15 (Stadtarchiv Freiburg)

    Klemm KL25 D-1778 mit der Bezeichnung „Schindlerflug Heimathafen Freiburg/BR.“

    • Im Adressbuch der Stadt Freiburg von 1930 ist die Adresse von Fritz Schindler mit „Fritz Schindler, Flugkünstler, Lortzingstrasse 2.2“ angegeben. Laut den Meldeunterlagen war er vom 1. Januar 1930 dort bei Franz Guggenbühler, Lokführer, gemeldet. Der Zuzug war am 31. Dezember 1929. Als letzter Aufenthaltsort wird auf der Meldekarte der „Freiburger Hof“ genannt.
    • Schindler hatte auch begonnen, in Freiburg eine Jungfliegergruppe aufzubauen. Auch beteiligte er sich am Ausschuss für Leibesübungen und Jugendpflege. Schindlers Tod brachte am 31. Oktober 1930 nicht nur die Auflösung seines Unternehmens, sondern auch in der Folgezeit ein generelles Verbot von Luftakrobatik im Reichsgebiet.
    • Offensichtlich transportierte die Firma auch Flugpost. Im linken Teil des Stoffes war eine Tasche für die Post eingenäht, der Beutel wurde dann im Fluge abgeworfen.

    Das hoffnungsvolle Unternehmen „Schindlerflug“ in Freiburg fand ein jähes Ende durch das Unglück am 18. September 1930 auf dem Böblinger Flughafen.

    • 1930-10-17 – Badischer Beobachter „Die durch den tragischen Tod Fritz Schindler ihres Führers beraubte Schindlerflug G.m.b.H. in Freiburg i.Br. ist in Liquidation getreten.“
    • 1931-02-22 Karlsruher Zeitung – „Die unter der Firma „Schindlerflug“ – Billweiler & Schindler in Freiburg bestehende offene Handelsgesellschaft ist aufgelöst, die Firma erloschen. Am 8. Jan 1931,“
    • 1931-09-21 – Karlsruher Zeitung – Zum Gedächtnis des vor einem Jahre tödlich verunglückten Flugzeugakrobaten Fritz Schindler, will der Ring Freiburger Flieger im hiesigen Flughafen einen Gedenkstein mit einer Plakette und dem Bilde Schindlers errichten„.

    6 Responses to Schindler,Fritz

    1. Avatar von Monika Streit Monika Streit sagt:

      Ich fand den obigen Artikel sehr interessant. Fritz Schindler war der Stiefbruder meines Großvaters. Ich verfüge wohl noch über alte Fotos die Fritz Schindler und Frau Schumann zeigen, habe aber überhaupt kein sonstiges Wissen über die Beiden, so dass Ihr Artikel für mich sehr aufschlussreich war.

      Mit freundlichen Grüßen
      Monika Streit

    2. Avatar von Dr. Manfred Schmid Dr. Manfred Schmid sagt:

      Sehr geehrte Damen und Herren,
      bin beim Recherchieren auf Ihre interssante Seite gestoßen. Bereite gerade eine Ausstellung für das Stadtmuseum Bad Cannstatt über Luftfahrt auf dem Cannstatter Wasen vor. Wie kann nich mit Frau Streit wg. möglicher Foto-Leihgaben in Verbindung treten?
      Für Ihre Bemühungen herzlichen Dank!
      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Manfred Schmid

    3. Avatar von buergertreff buergertreff sagt:

      Sehr geehrter Herr Dr.Schmid,
      wir wurden von Frau Streit bezüglich eventueller Foto-Leihgaben autorisiert. Wir werden uns mit Ihnen in Verbindung setzen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Reinhard Knoblich

    4. Avatar von Ulrich Schweizer Ulrich Schweizer sagt:

      Meine Frau stammt mütterlicherseits aus Stuttgart und ist die Grossnichte des Luftschiffers Hugo Eckener. Beim Räumen der Wohnung ihrer Mutter kam eine olivgrün gestrichene Holzkiste mit der Aufschrift „Fritz SCHINDLER Sdf. (Z.)“ zum Vorschein – leider leer. Steht Sdf. für Sindelfingen? Gibt es ein Museum, das sich für diese Kiste interessiert?

      • Avatar von buergertreff buergertreff sagt:

        Sehr geehrter Herr Schweizer,
        Sdf könnte sehr wohl für Sindelfingen, Nachbarort und Schindlers Absturzstelle stehen. Die Zeit würde auch zu Hugo Eckener passen. Zu einem interessierten Museum kann ich leider nichts sagen, dazu habe ich zu wenig Informationen. Ich werde mich mal nach der Wohnadresse Fritz Schindlers erkundigen.Schicken Sie mir doch bitte weitere Infos und Fotos an meine im „Impressum“ genannte email-Adresse. Es wäre noch interessant, ob Sie auch im Besitz irgendwelcher Infos über den „Graf Zeppelin LZ127“ haben, der 1929 und 1931 auch in Böblingen landete.
        Mit freundlichen Grüßen
        Reinhard Knoblich

    5. Avatar von Henk Simons Henk Simons sagt:

      Sehr geehrter Herr,

      Im August 1920 war Fritz Schindler zusammen mit seine Partnerin auf dem Flugplatz von Mierlo (NL). Hier gab er zusammen mit Georg Straszer und Hess Flugdemonstrationen. Meine Frage lautet: ist bei Ihnen hierueber etwas bekannt und kennen Sie die Nahmen der anderen?
      Mit freundlichen Grueszen,
      Henk Simons

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