Hermann Illg

…stellte 1939 in Böblingen einen Höhenweltrekord auf

*21.08.1908              +10.07.1960

Herrmann Ilg machte am 16.10.1945 in einem Fragebogen der Militärverwalung folgende Angaben:

  • Von 1927 bis zur Auflösung war Illg in der Akad.Fliegergruppe Stuttgart e.V., ab 1930 bis zur Auflösung als Vorsitzender. Im gleichen Zeitraum war Illg Mitglied im Württ. und damit Deutschen Luftsportverband.
  • Am 1.März 1933 trat Hermann Illg als Ing. in die Firma Hirth-Motoren G.m.b.H. ein. Nach dem Tod des Firmenchefs Hellmuth Hirth wurde die Firma in die Ernst Heinkel AG überführt, der Betriebsleiter war Dip. Ing. Kurt Schif. Bis 1934 arbeitete Illg als Monteur, ab 1935 als Abteilungsleiter der Flugerprobung. Auf eigenen Wunsch wurde er 1943 Leiter des technischen Aussendienstes, da wegen der anfallenden Aufgaben beide Abteilungen getrennt werden mußten.
  • Reisen oder Wohnsitz im Ausland
    • 08.04.1929 bis 11.04.1929 Flug nach Douglas (Isle of Man) privater Besuch des Tourist-Trophy Motorradrennens
    • 02.08.1929 bis 15.08.1929 Teilnahme am Internationalen Europarundflug im Auftrage des Württ. Luftsportverbandes. Anflug folgender Städte: Paris-Basel-Genf-Marseille-Albenga-Lyon-Paris
    • Ende Juli Anfang August 1929 privater Besuch in Paris
    • 16.08.1931 Anflug von Wien anläßlich des Deutschlandflugs 1931
    • 10.08.1932 bis 27.08.1932 Teilnahme am Internationalen Europarundflug im Auftrag des Aero-Club von Deutschland- Anflug folgender Städte: Warschau-Krakau-Prag-Brünn-Wien-Agram-Vicenza-Rimini-Rom-Florenz-Bellinzona-Turin-Cannes-Lyon-St.Gallen-Paris-Deauville-Rotterdam-Kopenhagen-Göteborg
    • 26.04.1934 bis 28.04.1934 Besuch der Luftfahrtausstellung Genf im Auftrag der Fa. Hirth-Motoren G.m.b.H.
    • 01.09.1934 bis 15.09.1934 Teilnahme am Internationalen Europarundflug im Auftrag des Aero-Club von Deutschland. Anflug folgender Städte: Posen-Warschau-Brüssel-Paris-Bordeaux-Pau-Madrid-Sevilla-Casablanca-Meknes-Sidi bel Abbes-Algier-Biskra-Tunis-Palermo-Neapel-Rom-Rimini-Agram-Wien-Brünn-Prag-Lemberg-Wilna.
    • 09.09.1935 bis 11.09.1935 Dienstlicher Flug nach Wien und Agram im Auftrag der Fa.Hirth-Motoren zur Hilfeleistung für notgelandetes Flugzeug
    • 1935 bis 1939 Eine Reihe von Flügen und Wagenfahrten nach der Schweiz im Auftrag der Fa. Hirth-Motoren. Besuch der verschiedener Flugschulen des Aero-Club der Schweiz in Zürich-Altenrhein und der Schweizer Militärverwaltung in Zürich und Bern.
    • 1937 bis 1943 Eine Reihe von Flügen und Bahnreisen nach Budapest, Bukarest, Sofia, Athen, Belgrad. Besuch von Flugzeugfirmen, Fliegerschulen, Ministerien im Auftrag der Fa. Hirth
    • 1937 bis 1939 Verschiedene reisen nach Mailand und Rimini im Auftrag der Fa. Hirth. Besuch von Flugzeugfirmen und Service bei Wettbewerben
    • Oktober 1940 bis Februar 1941 Verschiedene Reisen nach Mailand und Rimini im Auftrag der Fa. Hirth
    • Oktober 1940 bis Februar 1941 Betreuung der Fa. Soc. des Moteurs Salmson, Paris-Billancourt, im Auftrag der Fa. Hirth

Bis 1934 gibt es zu den obigen Jahren viele Fotos im Fliegeralbum auf der seperaten Seite und zu den sportlichen Veranstaltungen eine Holztafel mit Erinnerungsmedallien.

Am 1.April 1931 erhielt Illg den Flugzeugführerschein Nr.64, der ihm die „Einfache Erlaubnis zur Führung eines Flugzeugs“erlaubte

    • Gruppe A2 Land (01.04.1931 – 26.05.1941)
    • Gruppe B1 Land (25.11.1937 bis zum 26.05.1945)

Höhenweltrekord 1939

Am 7. Juli 1939 um 14.50 Uhr startete Hermann Illg, Leiter Abteilung Werkflugzeuge der  Firma Hirth, vom Flughafen Stuttgart-Böblingen aus mit einer Messerschmitt „Taifun“ Me 108 (Hirth-Motor HM 508 C) , um einen neuen internationalen Höhenrekord für Leicht-flugzeuge der Klasse C, Kategorie I, in Angriff zu nehmen. Kurz nach 16.00 Uhr landete die Taifun wieder auf dem Flugplatz. Ein neuer Weltrekord war aufgestellt 9.075 m. Damit wurde der bestehende Weltrekord in der Klasse C vom Ausland um fast 1.200 m überboten. In den ersten Presseberichten und im Internet tauchen noch die Höhenangaben 9025 m und 9125 m auf, die aber falsch sind. Ein Beispiel aus der Sindelfinger Zeitung vom 10.07.1939

Nachfolgend eine Fotostrecke, die den Weltrekordflug zeigt:

Me 108 D-IAXC „Taifun“

Me 108 D-IAXC „Taifun“

Hermann Illg mit Hirth-Betriebsleiter Schif

Hermann Illg mit Hirth-Betriebsleiter Schif

Hermann Illg mit Hirth-Betriebsleiter Schif

Hermann Illg

Hermann Illg besteigt die Maschine

Hermann Illg

Hermann Illg

Hermann Illg

Hermann Illg mit Sauerstoffmaske

Sauerstoffgerät

Sauerstoffflaschen

Mit dem Höhenbarografen wurde der Weltrekord von 9075 m aufgezeichnet

Hermann Illg wird von Hirth-Betriebsleiter Schif beglückwünscht

Hermann Illg mit Hirth-Betriebsleiter Schif

Hermann Illg verläßt die Maschine (im Hintergrund Riedmühle)

Hermann Illg verläßt die Maschine

Hermann Illg verläßt die Maschine

In der Werkzeitung der Hirth-Motoren-GmbH vom August-Oktober 1939 verfaßte Hermann Illg einen Artikel über diesen Flug

Wie sieht es in 9000 Meter Höhe aus

Diese Frage wurde mir nach meinem Höhenrekord am häufigsten gestellt. 9000 Meter ist ja eine Höhe, die von vielen Flugzeugen erreicht wird. sie wurde jedoch mit einem Flugzeug, das mit einem Motor unter 9 Liter Zylinder-Inhat ausgerüstet war, zum erstenmal unter amtlicher Kontrolle erreicht. Daß dieser Rekord mit einem Hirth HM 508C aufgestellt weden konnte, der nur eine Hubvolumen von 7,9 l hat, ist ein klarer Beweis für die hohe Leistungsefähigkeit dieser Motortype. Überwältigend für jeden Menschen, der das Glück hat, in diese Höhe zu kommen, ist die Fernsicht. Bei einem der Versuchsflüge vor dem eigentlichen Rekordflug befand ich mich in 8800 m Höhe etwa in der Gegend von Pforzheim. Das silberne Band des rheins konnte ich im Westen verfolgen, bis es im Norden einen zweiten Silberstreifen in sich aufnahm, den Main. Der Lauf des Mains war bis in die gegend von Aschaffenburg flußaufwärts zu verfolgen.Im Süden lag weites, offene Landbis zum Bodensee, so daß ich unwillkürlich über die dahinterliegende Alpenkette das sonnige Italien suchte. Nur im Osten verlor sich der Blick im nahen Dunst. In solchen Augenblicken vergißt man, daß selbst im Sommer in dieser Höhe eine Kälte von – 50 Grad Celsius herrscht.

Bei meinem Rekordflug selbst war die Fernsicht durch weite Wolkenbilder genommen. Ich hielt mich in der zweiten Hälfte des Steigfluges zwischen Ulm und dem Bodensee auf, da ich dort Bodensicht hatte, auf die ich nicht verzichten wollte, um für alle Fälle auf einem Flugplatz landen zu können.

Allen aber, die sich einmal für kurze Zeit von dem lärmenden Alltagsleben lösen wollen, möchte ich das Erlebnis eines Fluges in dieser Höhe wünschen. Ein Gefühl des Geborgenseins und der unendlichen Ruhe ergreift den Menschen und gibt ihm neue Arbeitskraft und Lebensfreude.

Für Träumereien hat jedoch der Flugzeugführer keine Zeit, denn seine Aufgabe ist es , dem Motor auch in dieser Höhe absolute Betriebssicherheit, Wirtschaftlichkeit und höchste Leistungsfähigkeit abzuverlangen. – Plötzlich setzt der Motor aus, weil bei der niedrigen Außentemperatur die Gemischbildung nicht mehr in Ordnung ist. Die Ansaugluft-Vowärmung muß um „ein paar Zähne“ aufgemacht werden, und der Motor läuft wieder in seinem gewohnten Uhrwerksgang weiter. Allerdings geht dies auf Kosten der zur Verfügung stehenden PS, denn es ist bekannt, daß zunehmnde Gemischtem-peratur abnehmende Leistung bedeutet. Endlich ist es dann soweit, daß der Motor einwandfrei bis zu der mit dem Flugzeug erreichten Gipfelhöhe arbeitet.

Auch das Flugzeug muß in 9000 Metre Höhe besonders beachtet werden. Die Maschine, die beim Erreichen der Gipfelhöhe „wie eine Pflaume dahängt“ und mit geringer Geschwindigkeit geflogen wird, hat plötzlich die Neigung, abzuschmieren. Das Gefühl am Steuerknüppel, das für eine einwandfreie Führung notwendig ist, läßt zu wünschen übrig. Die Finger werden kalt und steif, und das Fett zum Schmieren der gesamten Steuerorgane wird in der großen Höhe so fest, daß sich die Ruder nur schwer bewegen lassen. Höchste Aufmerksamket ist erforderlich, um aus Motor und Flugzeug das Beste an Leistung herauszuholen.

Eine Unsumme von Vorarbeit mußte aber von den Männern geleistet werden, durch deren Hände der Motor während seiner Gsamtentwicklung gegangen ist, um eines Tages berichten zu können, daß mit serienmäßigem Motor und Flugzeug ein Höhenrekord erflogen wurde. Und das Erfreuliche an unserem Rekord: Mit einem serienmäßigen HM 508C – Motor, eingebaut in eine normale Messerschmitt „Taifun“, wurde die Weltbestleistung für die entsprechnde Rekordklasse um über 1000 Meter überboten.

Damit erwies sich auch in dieser Klasse deutsches Serienerzeugnis dem Auslande gegen- über weit überlegen. Natürlich haben wir vor dem Rekordflug die Maschine nach allen vorhandenen Erkenntnissen auf Höchstleistung hergerichtet. Wir haben alle unnötige Gewicht ausgebaut; wir haben bei Versuchsflügen die beste Luftschraubeneinstellung für die Gipfelhöhe ermittelt und den unbedingt nötigen Btrennstoffvorrat festgestellt. Es mußte dafür Sorge getragen werden, daß der Brennstoff für den Rekordflug frisch getankt wurde und möglichst kalt war, denn bei den in großer Höhe herrschenden geringen Luftdruck verdampft der Brennstoff schon bei sehr niedrigen Temperaturen.  Eine Unsumme von Kleinarbeit garantierte auch hier den Erfolg und die geringste Unachtssamkeit hätte unter Umständen den Rekordversuch mißlingen lassen. Erneut hätte dann ein Anlauf unternommen, erneut die Höhenbarografen angefordert und die Sportzeugen belästigt werden müssen, und schließlich wäre erneut eine günstige Wetter-lage abzuwarten gewesen. Die Männer unsrer Abteilung Werkflugversuch mußten manche „Feuerwehrübung“ abhalten, aber der Erfolg hatte die Arbeit voll und ganz belohnt. Ein Erfolg, auf den jeder Angehörige unserer Firma mit Recht Stolz sein kann.

 

Hermann Illg erhält von der Firma Hirth eine Silberdose

Hirth-Werkzeitung

Dieser Rekord reihte sich in die vielen Rekorde ein, die Hirth-Flugzeugmoteren erzielten

1940 offizielle Anerkennung des Weltrekords

2019 Weltrekord