Dannwolf, Erich

„Wir 3 Geschwister würden uns sehr darüber freuen, wenn er dadurch noch ein Teil der Flughafengeschichte wird und bleibt und sein Andenken in der Stadtgeschichte gewürdigt wird“ (Freigabe zur Veröffentlichung vom „Familienrat“)


Diese biografischen Daten sind ein historisch hochinteressantes und extrem präzises Zeugnis, das die Forschungsergebnisse von Lutz Budraß perfekt auf der Mikroebene (anhand eines Einzelschicksals) bestätigt. Die Vita dieses Mitarbeiters bildet die chronologische Entwicklung der Lufthansa-Werkstätten von der schwäbischen Provinz bis in das besetzte Prag exakt ab.

Historische Einordnung der Meilensteine

1933: Eintritt in Böblingen (Instrumentenwart)

  • Der Zeitpunkt: Der Eintritt am 6. April 1933 liegt unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung. Zu diesem Zeitpunkt begann bereits die verdeckte, vertragliche Umstrukturierung der Lufthansa hin zu einem Rüstungs- und Reparaturbetrieb für die zukünftige Luftwaffe.
  • Die Funktion: Als Instrumentenwart gehörte er zum hochqualifizierten Stammpersonal (Facharbeiter). Er war für die sensiblen Cockpit-Instrumente (Höhenmesser, Kompasse, künstliche Horizonte) zuständig. Solche Spezialisten waren für die Lufthansa extrem wertvoll.

1939–1944: Überholungswerkstätten Prag

  • Das Datum (1. März 1939): Dieses Datum ist historisch hochgradig brisant. Es liegt zwei Wochen vor der offiziellen Besetzung der restlichen Tschechoslowakei durch die Wehrmacht (15. März 1939, Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren“). Dies zeigt, dass die Lufthansa im Verbund mit dem Reichsluftfahrtministerium (RLM) personell und organisatorisch bereits vorab bereitstand, um tschechische Luftfahrtstrukturen (wie die tschechische Fluggesellschaft ČSA oder dortige Flugplätze) sofort zu übernehmen.
  • Die Adresse (Laubestr. 8, Prag XIX): Prag XIX war und ist der Stadtteil Dejvice (heute Prag 6). Dies war eine damals sehr moderne, bürgerliche Wohngegend. Viele dorthin versetzte deutsche Zivilangestellte, Beamte und Ingenieure wurden in Dejvice einquartiert. Die Nähe zum Flughafen Prag-Ruzyně (wo die Lufthansa-Überholungswerkstätten angesiedelt waren) machte diesen Wohnort ideal.

August 1944: Das Ende in Prag & Einberufung zur Wehrmacht

  • Das Datum (25. August 1944): An genau diesem Tag erreichten die alliierten Truppen Paris. Die militärische Lage des NS-Regimes war katastrophal.
  • Die Einberufung: Bis Sommer 1944 waren qualifizierte Lufthansa-Mitarbeiter in den Überholungswerkstätten meist „UK“ (unabkömmlich) gestellt, da die Flugzeugreparatur Vorrang hatte. Im August 1944 wurde jedoch die sogenannte „Totale Mobilmachung“ (Goebbels) ausgerufen. Nahezu alle Wehrfähigen, die nicht direkt an der absoluten Überlebenslinie der Produktion standen, verloren ihren UK-Status und wurden zur Wehrmacht an die Front eingezogen.

Wie spiegeln sich hier die Zwangsarbeiter wider?

Als Instrumentenwart in Prag zwischen 1939 und 1944 war dieser Mann keine isolierte Privatperson. Die Überholungswerkstätten in Prag wurden – genau wie die in Stuttgart-Echterdingen – ab 1941/42 massiv mit tschechischen Dienstverpflichteten, „Fremdarbeitern“ und später „Ostarbeitern“ aufgefüllt. Als deutscher Stamm-Mitarbeiter und Facharbeiter hatte er dort mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Anleiter-, Aufseher- oder Kontrollfunktion über ausländische Arbeitskräfte, da diese ungelernt waren und die hochkomplexen Instrumente nicht ohne deutsche Aufsicht reparieren durften.

  • * 21. April 1912
  • 06. April 1933 Eintritt Lufthansa Werkstätten Böblingen als Instrumentenwart
  • 01. März 1939 bis 25. August 1944 Deutsche Lufthansa A. G. Überholungswerkstätten Prag.
    • lt. Bescheinigung v. 30. Oktober 1943 z. Zt. wohnhaft Prag XIX Laubestr. 8
  • Anschließend Einberufung zur Wehrmacht.
1933 WLV

1933-04-06 Eintritt DHL Werkstätten Böblingen als Instrumentenwart

1933-04-01
1933-04-21 Betriebsausweis
1935-01-01 DLV Reichsgruppe Lufthansa
1935-03-18

1939-03-01 Prag-Rusin (Ruzyně) DLH-Überholungswerkstätten Abteilung technische Kontrolle – als Kontrolleur mit der Kontrolle bzw. Abnahme von Flugzeugüberwachungsgeräten betraut.

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Album 11 1934-05-29 ital. Staffel zu Besuch (1935 falsch)
Album 12 1934-05-29 ital. Staffel zu Besuch (1935 falsch)
Album 13 1934-05-29 ital. Staffel zu Besuch (1935 falsch)
Album 14 1934-05-29 ital. Staffel zu Besuch (1935 falsch)
Album 15 1937-05 oberes Foto
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Album 17 1937 Lehrgang in Langenhagen
Album 18 1937 Lehrgang in Langenhagen
Album 19 1937 Lehrgang in Langenhagen
Album 20 1937 Lehrgang in Langenhagen
Album 21 1931 ??? – links Untucht – Mitte Dönitz – rechts Marineoffizier. Untucht verunglückte tödlich beim Absturz der Junkers G24 D-896 am 18. April 1931. Da würde das Foto vom Aschermittwoch vom Datum her passen
Album 22 1938 ?? Flugmillionär Kulas Funker mit Junkers Ju 52 D-ABVF (Franz Wagner)
Album 23 1938 ?? Flugmillionär Kulas Funker mit Junkers Ju 52 D-ABVF (Franz Wagner)
Album 24 1938 ?? Flugmillionär Kulas Funker mit Junkers Ju 52 D-ABVF (Franz Wagner)
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Album 26 Riesengebirge
Album 27 Riesengebirge
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Album 29 Junkers Ju 88 Funkgerät 10 (nach KI)

Die Deutsche Lufthansa begann bereits ab 1939, Teile ihrer Werkstattkapazitäten aus Böblingen nach Prag zu verlagern bzw. dort auszubauen. Zunächst handelte es sich jedoch nicht um eine vollständige Verlagerung, sondern um eine Erweiterung der Produktions- und Reparaturkapazitäten im besetzten Gebiet. Prag diente dabei als strategisch günstiger Standort mit vorhandener Industrie und verfügbaren Arbeitskräften. Die dortigen Werkstätten übernahmen schrittweise Aufgaben, die zuvor unter anderem in Böblingen angesiedelt waren. Erst im weiteren Kriegsverlauf, insbesondere ab 1943, gewann Prag durch die zunehmenden Luftangriffe auf deutsche Städte als Auslagerungsstandort stark an Bedeutung. Insgesamt zeigt sich, dass die frühe Verlagerung Teil einer gezielten Expansion war, die später in eine kriegsbedingte Verlagerung überging.

Nach der Bescheinigung der Lufthansa-Werkstätte in Prag-Rusin (Ruzyně – siehe Persönliches), war Erich Dannwolf dort in der Abteilung technische Kontrolle als Kontrolleur mit der Kontrolle bzw. Abnahme von Flugzeugüberwachungsgeräten beschäftigt.

Album 29 1939-03-01 Prag (nach KI)
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Album 33 unteres Foto Prag-Ruzyne, Verkehrsflughafen (Einweihung 5. April 1937) hier noch im Bau
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Album 35 Prag DLH Werkstätten
Album 36 Prag DLH Werkstätten
Album 37 Prag DLH Werkstätten

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