Kampfstaffel

….für  die Verteidigung der Heimat

Als Ende 1915 immer öfter feindliche Geschwader in das Reichsgebiet einflogen und Bombardierungen durchführten, wurden die ersten Kampfstaffeln für den Heimatschutz aufgestellt. Zur Sicherung des Luftraums von Stuttgart und Umgebeung war dies die Kampf-Einsitzer-Staffel 4. Die Fea 10 als reine Ausbildungseinheit wäre zur Abwehr feindlicher Flugzeuge nicht geeignet gewesen.  Der folgende Bericht dokumentiert sehr ausführlich die Arbeit der Kest 4a:

Staffelleitung Kest 4a am 10.August 1918 an das Stellv. Generalkommando XIII in Stuttgart

In Böblingen wurde durch die Fea 10 am 10. August 1916 die Kampf-Einsitzer-Staffel 4a unter Führung des Oberleutnant Burkhardt  aufgestellt. Die Manschaftsstärke war 1 Offizier, 1 Vizefeldwebel, 1 Werkmeister und 54 Mann einschließlich Unteroffiziere. Flugzeugführer waren außer dem Staffelführer nicht vorhanden. Die Fea 10 kommandierte nach der Aufstellung 1 Offizier und 2 Offiziers-Stellvertreter als Flugzeugführer. Erst am 11.September wurden zur Staffel 5 Unteroffizier-Flugzeugführer versetzt.

  • Bei der Aufstellung  waren 4 Fokker-Eindecker-Kampfflugzeuge und 2 Fokker-Schulflugzeuge vorhanden
  • 1. November 1916 Die Staffel verfügt über 5 Kampfflugzeuge und 2 Reserveflugzeuge
  • 1.  Januar 1917 Flugzeugbestand bei der Staffel 8 Kampfflugzeuge und 2 Reserveflugzeuge. Ferner 1 L.V.G. C und 1 Albatros B.

Die Staffel war bis zum 7. Oktober 1916 in allen Dienstobliegenheiten der Fea 10 angegliedert, anschließend wurde sie dem Stabsoffizier der Flieger im Heimatgebiet unterstellt. Die Staffel hatte die Aufgabe, die industriellen Werke Stuttgarts, sowie der Stadt selbst vor feindlichen Luftangriffen zu schützen.

  • 15. April 1917 Abgabe von 24 Mann für die neuaufgestellte Kest 4b in Freiburg.
  • 16. April 1917 Staffel erhielt den Namen Kest 4a und wurde auf den Etat einer Halbstaffel gesetzt.
  • 1. Juni 1917 Ausrüstung mit Roland-Kampf-Einsitzern.  Die noch vorhandenen Fokker-Kampf-Einsitzer wurden bis 1.September abgegeben. Mitte September wurden die Staffeln mit Albatros-Kampf-Einsitzer, der Typen DII, DIII und DV ausgerüstet.
  • 1. Januar 1917 Die Staffel wurde allmählich mit Albatros D Va aufgebessert

Die Flugzeuge der Staffel wurden bis Anfang Febrauar 1918 durch die beiden Sichtzeichen beim Mühlbacher Hof am Bismarckturm und das Sichtzeichen bei der Staffel selbst gelenkt. Als Grundsatz galt, dass die Staffel sich bei Alarmierungen über dem Flugplatz aufhielt und zwischen Flugplatz und dem Sichtzeichen am Bismarckturm flog.

Im Februar 1918 beauftragte der Staffelführer, Oberleutnant von Werder, unter Zugrundelegung neuer Gesichtspunkte für den Schutz von Stuttgart und die Industrievororte, die Einziehung des Sichtzeichens am Bismarckturm und Neueinrichtung von Fliegersichtzeichen stellen bei den Scheinwerferzügen 711 (Schloss Solitude) und 712 (Fasanenhof). Von dem Gedanken ausgehend, das bei eintretender Luftgefahr und drehenden Fliegerangriffen die Kampfstaffel den Gegner vor dem Schutzobjekt zu erwarten und anzugreifen hat, wurde im Verein mit der Flakgruppe Stuttgart und dem Flugwachkommando Stuttgart durch den Staffelführerein Sperr- und Abwehgebiet genau festgelegt. Dieses verläuft im Norden von Stuttgart in einer Linie Ludwigsburg-Münchingen-Ditzingen-Leonberg, im Westen das Waldgebiet östlich Sindelfingen-Böblingen, im Süden in einer Linie von Echterdingen-Scharnhausen bis Esslingen. Jeder Abschnitt dieses Abwehrgebietes besitzt seine eigene Sichtzeichenstellen, so der Nordabschnitt das Sichtzeichen bei Solitude, der Westabschnitt das Sichtzeichen das bei der Staffel ausgelegt wird, der Südabschnitt das Sichtzeichen das am Fasanenhof liegt.

Die Flugzeuge ziehen im Abwehrgebiet hoch und verbleiben in demselben. Hierdurch wird das Überfliegen von Stuttgart und die Beunruhigung der Flakformation und der Einwohnerschaft durch Fliegergeräusche bei Luftgefahr respektive bei Alarm vermieden.

Ferner befinden sich die zur Abwehr gestarteten Ketten jederzeit soweit von Stuttgart entfernt, dass sie den Gegner auf seinem Anflugweg vor dem Schutzobjekt angreifen können, in dem sie versuchen, ihn von dem Schutzobjekt abzudrängen und ihn beim Bombenabwurf zu beunruhigen.

Zur weiteren Lenkung der gestarteten Flugzeuge wurde eingehende Versuche mit Anblinken durch Scheinwerfer vorgenommen. die Scheinwerferzüge 711 und 712, sowie der Scheinwerfer bei der Staffel werden hierzu benützt. Die Versuche sind bisher jedoch nicht sehr erfolgreich gewesen, da bei den jetzigen kriegsmäßigen höhen von 4000 m aufwärts, infolge der Bedienung der Scheinwerfer und der ausserordentlich mangelhaften Richteinrichtung des Scheinwerfergeräts und der ganzen Schwerfälligkeit in der Handhabung es nicht möglich ist, das Flugzeug genau anzublinken. Ungünstige Witterungsverhältnisse, wie Wolken, Dunst und Sonnennebel schließen die Blinktätigkeit vollends aus.

Mit der Neuorganisation der Luftabwehr der Staffel wurde gleichzeitig die Gefechtleitungsstelle von Grund aus verbessert und vervollkommt. Zahlreiches Kartenmaterial, genau organisierter Fernsprechdienst sorgen für die erleichterungder Gefechtsleitung. Die Fernsprechzentrale wurde vergrößert und mit einem 20fachen Klappenschrank versehen. Durch ständige Fühlungname mit der Dienststelle des Stabsoffiziers der Flugabwehrkanonen, mit dem Führer der Flakgruppe Stuttgart, sowie dem Führer des Flugwachkommandos Stuttgart wurden alle noch Anfang diese Jahres bestehenden Mängel in der Abwehrorganisation besprochen und behoben. Endlich ist das Abwehrgebiet so begrenzt, dass es ausserhalb der äußerster Reichweiten der Flakformation von Stuttgart liegt.

Im Februar dieses Jahres wurde die Staffel mit der F.T. H-Station Nr.134 ausgerüstet. Die Besatzung beträgt 1 Unteroffizier als Stationsführer und 7 Funker. Zur F.T.Station gehört ein F.T.Flugzeug, das mit F.T.Wechselverkehr ausgerüstet ist. Als Besatzung für das Flugzeug wurde ein Offizier als F.T. Offizier und 1 Unteroffizier-Flugzeugführer überwiesen. Die Fea 10 kommandierte schon im Herbst 1917 16 Mann Flugzeugwarte zur Verstärkung  der Staffel . Ferner wurden 6 Landsturmleute vom 2.Landsturm-Inf-Batl XIII./3. zur Staffel, zwecks Arbeitsleistung kommandiert.

Im Mai 1918 trat die aufgelöste Flugwache Nr 15 Böblingen in der Stärke 1 Unteroffizier und 6 Mann zur Staffel zur weiteren Verstärkung.

Die Stärke der Staffel beträgt zur Zeit:

  • 3 Offizier-Flugzeugführer
  • 1 F.T.Offizier
  • 5 Unteroffizier-Flugzeugführer
  • 1 Feldwebel
  • 1 Werkmeister
  • 1 Rechnungsführer
  • 5 Funktionsunteroffiziersführer
  • 29 Mann

Gesamtsumme der kommandierten Mannschaften 2 Unteroffiziere, 34 Mann

  • kommandierte Funker 1 Unteroffizier, 7 Mann
  • kommandierte Kanoniere vom Flugwachkommando 1 Unteroffizier, 3 Mann
  • kommandierte Kanoniere vom Flakscheinwerferzug 2 Mann
  • kommandierte landsturmleute vom 2.Landsturm Inf.-Batl XIII./3. 6 Mann
  • kommandiert Flugzeugwarte von Fea 10 16 Mann

—- Ende —-


Der wahrscheinlich einzigste Luftkampferfolg der Kest 4 war der Abschuß einer französischen Maschine am 16.September 1917 durch den Vizefeldwebel Nestler, der Böblinger Bote vom 31.Oktober 1917 berichtete in einem „heroischen Artikel“:

Gustav Nestler`s Luftkampf über Stuttgart

Ein sonniger Herbstmorgen stand frisch am Himmel, dessen Bläuenur mit einem leichten Schleier überzogen schien. Über die grüne Fläche des Böblinger Flugplatzes huschten Soldaten und Monteure, Flugzeuge rollten eilens aus den Schuppen: Die Kampfstaffel ist alarmiert! Schon rauschen die Propeller, wenige Minuten und leicht beschwingt hebt sich der erste Kampfvogel, kreist und windet sich ins Blau, ein zweiter, ein Dritter folgt. Schon schwimmen sie in weiter Ferne, tief, tief unter ihnen liegt im Donntagsfrieden unser liebes Stuttgart, leise nur, aus weiter Ferne klangen die Glocken, die zur Kirche riefen. Sie riefn umsonst, denn heulende Sirenen erhoben ihre Stimme und schrillten durch den Sonntagmorgen ihren Warnruf: „Habt acht, sie kommen“

In schwindelnder Höhe kamen sie daher, zwei nebeneinandergesellt, der dritte abseits für sich – kaum heben sich seine Schwingen am Blau des Himmels – plötzlich – wie ein Vogel, der den Habicht ausweicht, taucht er tiefer. Aber der Habicht hackt zu, da reißt der Franzose seine Maschine herum und dnimmt den Kampf an. Blitzschnell sausen die Gegner aneinander vorbei – und tack – tack – tack – tack, in steilen Kurven wenden sie, kehren sich wieder die Stirn zu – tack – tack – tack. Der Franzose ist Meister der Fliegrei, hin und her, auf und ab reßt er seinen Apparat, aber hin und her, auf und ab folgt ihm der Deutsche. Noch eine letzte, eine verzweifelte Kurve, um der Geschoßgarbe auszuweichen, dann greift der tapfere Feind zum letzten, waghalsigen Mittel, überschlägt sich und stürzt in die Tiefe, 1000 Meter, 2000 Meter, er sit erledigt. Da reßt er die Maschine ins gleichgewicht, sie steht, schwebt – fliegt pfeilschnell gen Westen. Und auch seine beiden Genossen wenden Frankreich zu, und wieder hebt der Habicht seine Schwingen, sich auf sie zu stürzen, aber sie werden matt und matter – das Benzin geht aus!

Bei Bitsch landete flügellahm geschossen ein Flugzeug, Führer und Beobachter wurden gefangen.   Also doch!

Der Stuttgarter Gemeinderat besucht die Kest auf dem Böblinger Flughafen