Diener,Nelly

war die erste Stewardess Europas

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VORWORT

Im Frühjahr 1934 erwarb die Schweizer Luftfahrtgesellschaft Swissair zwei neue Großflugzeuge, eine Douglas Clark DC 2 (CH-169) und eine Curtiss Condor (CH-169). Vor dem ersten Einsatz als Linienmaschinen wurde mit beiden Maschinen am 05. April 1934 ein Propagandaflug durchgeführt.

Propagandaflug vor dem Start
Propagandaflug vor dem Start
Propagandaflug beide Maschinen
eine ausführliche Beschreibung dieses Fluges

Ankunft am 11.April in Dübendorf

Ab dem 01. Mai 1934 setzte die Schweizer Fluggesellschaft Swissair erstmals auf der Linie Zürich-Stuttgart-Berlin eine Curtiss AT-32C Condor (CH-170) ein.

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Curtiss AT-32C Condor (CH-170) bei einem früheren Flug in Stuttgart-Böblingen
Curtiss AT-32C Condor (CH-170) am 29.05.1934 in Stuttgart-Böblingen (Dannwolf)
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Erstmals an Bord war Europas erste Flugbegleiterin, Nelly Diener. Ihr Einsatz erwies sich als sehr erfolgreiche Service- und Marketingmaßnahme. Die schweizerische Presse glorifizierte sie als „blonde, lockige, langbewimperte Dame“ zum „Engel der Lüfte“.

Ihre Fluggäste verwöhnte sie mit selbst zubereiteten Speisen und Getränken.

Condor und Clark, Frl. Diener und Hagedorn

Die Verpflegung war in den Anfangs­jahren der Swissair nicht im Flugpreis inbegriffen, für eine Bordküche war im knapp bemessenen Raum in den Pioniertagen der Verkehrsflugzeuge kein Platz. Im Angebot waren Tee, Kaffee, belegte Brote, Suppe und Früch­te. Passagieren, die unter Flugangst litten, redete Nelly Diener beruhigend zu, und mit vielen spielte sie Karten, oder es wurde zur Ablenkung von der Flugangst gestrickt, miteinander Lieder gesungen oder sogar gejodelt.

Nelly Diener
Nelly Diener in der CH-169
Nelly Diener in der CH-170

Die Flugbegleiterinnen der Swissair verrichteten ihre Arbeit anfangs noch ohne Uniform und mussten sich mit einer weißen Schürze begnügen – zeitgenössische Aufnahmen außerhalb des Flugzeugs zeigen Nelly Diener hingegen mehrheitlich mit Fliegerjacke, Hosen und Mütze.

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80.000 km Von ihrem 67.Flug verschickte Nelly Diener eine Postkarte
1934-07-20 Postkarte an Kurt Weber unterzeichnet von Mühlenmatter und Nelly Diener 7 Tage vor Absturz

Ein Mitarbeiter der Weserzeitung hatte im Juli 1934 Gelegenheit, sich in Berlin sich mit Nelly Diener zu unterhalten:

Die Dame im Hosenrock. Als die „Swiss-air“-die schweizerische Lufthansa – vor kurzem ihre riesige, blau-rote „Curtis-Condor“ für den Streckendienst Zürich-Berlin einsetzte, da hockte bei dem ersten Flug schon auf einem kleinen Klappstühlchen hinter einem winzigen Büfett ein seltsames Wesen: Auf wuschlig-blondem Haar saß schief eine blonde Uniformmütze mit dem silbernen Abzeichen der „Swissair“eine blaue Uniformjacke umspannte knapp eine schmales Figürchen, und um sehr zierliche Beine flatterte keck ein weiter und sehr heller Hosenrock. Das ganze aber war eine vielleicht 22 Jahre alte junge Dame. Die Passagiere wundern sich. Aber dann tippte einer – zaghaft noch – auf den Klingelknopf, der an jedem der 15 tiefen Ledersessel angebracht war. Und siehe da: die junge Dame erhob sich eilig, trat herzu und sagte höflich: „Der Herr wünscht…?

Das Wundertier … aha! Also eine Stewardess. Und, wie sie ein paar Tage später selbst bei einer Tasse Kaffee im Restaurant des vorbildlich schönen Berliner Flughafens strahlend, verkündete ,, die erste Stewardess der Welt !« „So schlimm, wie es aussieht, ist es gar nicht!“ erklärt sie lächelnd. „Luftstewardess“ – das ist eine Beruf wie jeder andere. Man gewöhnt sich daran!« Viel zu tun habe ich übrigens nicht, denn unsere „Condor“ fasst ja nur 15 Passagiere. Und es ist merkwürdig: Die meisten Fahrgäste tun so, als ob sie am liebsten mich bedienen würden. Und alle staunen mich an, wie ein Wundertier!“ „Nein, selber fliegen kann ich nicht“. Wenn ich das Geld hätte, es zu erlernen, dann wäre ich nicht Luftstewardess geworden! Ich will ja doch in diesem Beruf nicht groß verdienen (wenn auch die Trinkgelder immer sehr anständig sind). Sondern – ich will nichts als fliegen! Jetzt bin ich schon ganz zufrieden. Wir fliegen nämlich jeden Tag sieben Stunden, und zwar abwechselnd von Zürich nach Berlin und am nächsten Tage von Berlin zurück nach Zürich. Und vielleicht werde ich sogar einmal auch auf einer anderen Strecke eingesetzt. „Diese Linie kenne ich nämlich jetzt schon auswendig!“

„Am tapfersten sind die Frauen!“ Noch ein paar Worte über ihre Passagiere erzählt Nelly D. Und sie will sich totlachen über jene älteren, überängstlichen Herrschaften beiderlei Geschlechts, die sich bei ihrem Anblick gewaltsam zusammenreißen, um sich nur ja nicht vor der hübschen jungen Stewardess zu blamieren, sich etwa gar von ihr jene ominöse wasserdichte Tüte mit der Aufschrift ‚Für Luftkranke‘ reichen zu lassen“. „Am tapfersten sind Frauen!“ sagt sie. „Selbst bei böigem Wetter bleiben sie frisch und denken gar nicht daran, krank zu werden, Sie finden sogar Zeit, einen Blick in den Spiegel zu werfen. Aber die Männer — die Männer — da kann man tolle Sachen erleben! Wie die sich anstellen ….“ Klagen über ihre Fahrgäste hat die junge Dame nicht vorzubringen. „Sie sind alle gleich nett und höflich. Und wenn wirklich einmal einer gar zu dringend sich anbietet, mir Berlin zeigen zu wollen, dann setze ich eine strenge Amtsmiene auf und sage einfach: Verboten!“


Aber dann passierte am 27. Juli 1934 etwas Schreckliches:

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