… mit Zwangs/Fremdarbeitern
Nach der Verlegung des Landesflughafens im Herbst 1939 nach Stuttgart-Echterdingen wurden 1940 auch die Werftarbeiten dorthin verlegt. Schwere Luftangriffe im Frühjahr 1943 machten jedoch eine Rückverlegung der Flugzeugabteilung nach Böblingen notwendig. Dabei wurden auch Zwangs/Fremdarbeiter eingesetzt.
So heißt es in einem Bericht 2000 (Link) u.a.„Ab Kriegsbeginn arbeiteten die Werkstätten der Lufthansa ausschließlich für die Luftwaffe. In diesen kriegswichtigen Betrieben wurden sehr schnell auch die ersten Kriegsgefangenen und zivilen »Fremdarbeiter« zur Arbeit gezwungen. Verbürgt ist der Einsatz von ZwangsarbeiterInnen in München. Dort mussten 248 Kriegsgefangene arbeiten. In Lübeck unterhielt das Luftwaffenzeugamt zusammen mit der Lufthansa drei Lager für zivile »FremdarbeiterInnen« mit 480 Personen. In Echterdingen bei Stuttgart waren 247 holländische Zwangsarbeiter am Flughafen zur Wartung der Flugzeuge eingesetzt. 1942 wurden noch einmal zusätzlich 477 RussInnen – unter ihnen auch 41 Kinder – in das Lager der Lufthansa am Flughafen Echterdingen verschleppt. Die Verantwortlichen der Lufthansa für die Zwangsarbeit wurden nach dem Krieg nicht belangt. Nur der schon genannte Erhard Milch wurde im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wegen zahlreicher Kriegsverbrechen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt, aber schon 1954 wieder begnadigt. Die ZwangsarbeiterInnen aus den Lagern der Lufthansa warten hingegen seit 55 Jahren auf Entschädigung.“
In einem Erinnerungsraum der Aussegnungshalle auf dem Alten Friedhof in Böblingen gedenkt von Aalst, dessen Vater Zwangsarbeiter bei der Lufthansa war (siehe Namenslisten des Bundesarchivs) an diese Zeit. Dazu ein Bericht November 2018.
Der Historiker Dr. Lutz Budrass beschäftigt sich seit 1999 in mehreren Veröffentlichungen mit der Geschichte der Lufthansa und den beschäftigten Zwangsarbeitern.
In einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur vom 4. Januar 2026 (Link) heißt es u.a. ..
- Mit den 100-Jahr-Feierlichkeiten, die im April ihren Höhepunkt finden, nimmt der MDax-Konzern direkten Bezug auf die erste, 1926 gegründete Lufthansa.
- Zum Jubiläum hat Lufthansa eine neue Firmengeschichte in Auftrag gegeben, die auch diesen Abschnitt kritisch beleuchtet. Das Buch der Historiker Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und Jörg Lesczenski soll im März erscheinen.
- Lufthansa kündigte an, weitere Forschungen zum Einsatz der Zwangsarbeiter zu unterstützen. Es seien neue Quellen in polnischen und tschechischen Archiven entdeckt worden, die eine genauere Betrachtung der Opferschicksale erlaubten.
05.02.2026 Stadtarchiv Böblingen „Das stadtgeschichtliche Projekt zur Aufarbeitung der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Böblingen 1939 bis 1945 (siehe Link) ist in der Abschlussphase. Da u.a. durch unsere Gesprächsrunde noch Informationen hinzugekommen sind, wird das Manuskript voraussichtlich Ende März bei uns eingehen“.
Personal-Unterlagen der LH-Werkstätten in Böblingen 1944/1945 (Bundesarchiv) in chronologischer Reihenfolge
!944-07 Kurzmitteilungen Einführung

1944-09 Kurzmitteilungen



1944-12-20 Bekanntmachungen










1945-01-30 Mitteilungen







Belegschaftslisten











- 56 Deutsche
- 32 Holländer
- 75 Osteuropäer
- 32 Holländer
- 153 TOTAL






1945-03-27 Arbeitsanweisung


