1975-1992 US-Army Nutzung

Über die Zeit nach Auflösung des Reparaturwerks 1975 bis zum endgültigen Weggang der amerikanischen Streit­kräfte Anfang 1992 war bisher relativ wenig bekannt. Seit kurzem haben wir Kontakt mit ehemaligen Mitarbeitern. Die nachfolgen­den Ausführungen können nur Momentaufnahmen bzw. Mosaiksteinchen die­ser Zeit sein und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vor der Schließung des Reparaturwerks wurden die Anlagen, Maschinen und Werkzeuge zur eventuellen Wiederverwendung sorgfältig konserviert. Viele Mitarbeiter wurden ins Daimler-Hauptwerk übernom­men.

Einige Werkstätten in den großen (ehemaligen Klemm-) Hallen (Gebäude Nr. 2813, 2814, 2833) wurden von geschätzt 200 Soldaten der 78th und der 124th Maintenance Company auf wesentlich niedrigerem Niveau weitergeführt. Die Soldaten waren in der Panzerkaserne in Böblingen untergebracht. Die 124th hatte Ende der 70er Jahre Werkstätten für:

  • Wiederaufarbeitung MSE (Militär-Standard-Motor) – Hercules-Generator Motoren 1.5 PS, 3 PS, 6 PS, 10 PS und 20 PS-Motoren
  • Wiederaufarbeitung von 5-Tonnen-Lkw-Getrieben
  • Wiederaufarbeitung M880 (Dodge Pick-up) Motore und Getriebe
  • Wiederaufarbeitung 1/4 Jeep
  • Wiederaufarbeitung F & E Kraftstoffpumpen und Vergaser
  • Verpackungswerkstatt für alle wiederaufgearbeiteten Teile
  • Lager für überzählige Waffen und Pflege der eingehenden und ausgehenden Ausrüstung, Unterstützung der Divisionen in der Panzer Kaserne
  • Heavy Equipment Transport (HET), ein Team für Schwerlasttransporte
  • Elektronikwerkstatt für Reparatur von Kommunikationselektronik im Obergeschoß des Gebäudes 2813

In einem Bericht der „Stuttgart Citizen“ vom 29. Novemver 1978 (ergänzt) wird über die deutschen und amerikanischen Zi­vilangestellten der US-Army berichtet: In der Böblinger Maintenance Facility waren vier Einheiten der CSG (Civilian Support Group) für die Service-Unterstützung von Mitgliedern der VII. Armee und de­ren Angehörigen zuständig.

Stgt Citizen 8404 1978 6 Labor Groups provide

4th Trans Comd patchBöblingen war der südlichste Standort der 37th Transportation Group von sechs Übergabestellen (Transfer Point) für die Bundesrepublik. Dabei wurden sowohl ganze Sattelzug-Auflieger, als auch Teile von Ladungen, umgeschlagen. Deutsche und US-Fahrer konnten dort nicht nur ihre Auflieger innerhalb der Kaserne abstellen und auch dort übernachten, von der Werkstatt-Mannschaft konnten auch Reparaturen durchgeführt werden bzw. nicht vor Ort reparierbare Zugmaschinen wurden ausgetauscht und dann zu „höheren“ Instandsetzungsleveln transportiert. Zwei Transporteinheiten waren hier stationiert, und zwar die 8366th Transporteinheit mit einem Einzugsgebiet von Mannheim bis Berchtesgaden. 18 bis 20 Lkw führten Transporte in ganz Südwest-Deutschland durch. Die 8370th Trans­porteinheit war für die Wartung und Reparatur von Anhängern zuständig. Die dritte Einheit war die 04th (aufgelöst am 1.Oktober 1986), deren etwa 100 überwiegend deutsche Bauhandwerker im gesamten Großraum Stuttgart In­standsetzungsarbeiten an Gebäuden und Liegenschaften durchführten. Sie nutzten zwei Gebäude, darun­ter die Schreinerei.

6930CLG

Zwei Einheiten, die vom 6930th CSG Center der Esslinger Funkerkaserne verwaltet wurden, die 8904th  CSG Maintenance und die 8906th CSG General Support, waren in Böblingen stationiert:

  • Die 8904th CSG war zuständig für die Gebäudeinstandsetzung in der gesamten GSMC (Greater Stuttgart Military Community) und aus Zweckmäßigkeit/Platzbedarf in BMF untergebracht. Hier war nicht nur der Motorpool für die Fahrzeuge, sondern auch eine Schreinerei und Lagerraum für die Baumaterialien. Die Arbeitsaufträge kamen vom „Directorate of Engineering and Housing“ in der Grenadier-Kaserne in Zuffenhausen.

GSMC Map 1989Stand 1989

  • Die 8906th CSG war zu­ständig für die Ersatzteil-(und Grund-)Versorgung (außer Lebensmitteln, alkoholischer Getränke,Tabak) im gesamten süddeutschen Raum und bei Manövern. Das Lager wurde von zivilen Mitarbeitern verwaltet, nur besondere Artikel (mit höherer Geheimhaltungsstufe) von den US-Soldaten selbst. Im Lager waren etwa 14.300 Positionen vorrrätig. Jeden Monat wur­den ca. 15.000 Transak-tionen durchgeführt. In der 1.H 1978 wurden z.B. 639,7 Mio/tons bewegt. Neben manuellen Listen wurde dazu im beginnenden Computerzeitalter bereits Lochkarten verwendet.

Eingang zur 8906th CSG

Nachfolgend einzelne Episoden und Geschichten aus dieser Zeit

  • Zu einem Großmanöver „Reforger“ (s.u. Zeitungsartikel, Böblingen markiert) wurde das gesamte Freigelände zunächst mit vielen Tonnen Schot­ter planiert und verfestigt. Darauf wurde „Tent City“ die Zeltstadt errichtet, aber trotzdem bewegte sich nach wenigen Tagen alles im Schlamm. Aus dem Manöver zurückkehrende Fahr- zeuge wurden mit Dampf­strahlern im Schichtbetrieb gereinigt, vom US-Zoll inspiziert und vor dem Rücktransport per Ei­senbahn versiegelt. Die Waschräume unter den Werkstät­ten wurden wieder intensiv genutzt, unbelegte Gebäude waren mit Feldbetten zu Schlafsälen umgerüstet. Mobile Großwäschereien der US-Army rei­nigten die verschmutzte Manöverbekleidung, Feldküchen sorgten für Verpflegung und das Bier wurde im Tankwagen angeliefert. Nach wenigen Wochen der Hektik kehrte danach wieder Ruhe ein. Ein Soldat mit Jagdschein dezimierte mit seinem Gewehr den Taubenbestand in den großen Hallen.

reforger_79-markiert

  • Einige Gebäude standen leer oder wurden, wie z.B. die Sandstrahlanlage, Ende der 70er Jahre abgerissen, später wurde das Gebäude der Werksfeuer­wehr von der Snack-Bar genutzt. Auch die großen Säurebecken waren abgeris­sen worden, die Halle stand jahrelang leer.

  • Im Winter 1981/82 wurde das ehemalige Flughafenhotel zum Unterkunftsgebäu­de umgebaut und reno­viert und danach von den Mitarbeitern der dort statio­nierten CSG-Einheiten bezogen.

  • Der Gleisanschluss wurde überwiegend zur Verladung der Panzer aus der Pan­zerkaserne oder zur Anlie­ferung von Schrottfahrzeugen benutzt. Die Schrottfahrzeuge wurden mit dem Schneidbrenner demilitari­siert und an Schrotthändler verkauft.

  • Die „Stuttgart Commissary“ (der Army-Supermarkt) betrieb ein großes Lager im Gebäude 2808 mit Waren, die keine Kühlung brauchten (vom Toilettenpapier über Corn Flakes zur Schuhcreme oder Süßigkeiten) und versorgte die alle Filialen in den  Kasernen im Großraum Stuttgart.

  • Direkt gegenüber der Torwache (Geb Nr 2755) war das modernste Gebäude des Gelän- des, ein Rechenzentrum.
  • Im Gebäude 2809 war die Kantine (mess hall) untergebracht. Dort durften die Zivilan- gestellten gegen Lohnabzug ebenfalls essen. Im ehemaligen Flughafenres- taurant war die deutsche Kantine.
  • Eine „Snackbar“, zuerst in einem Verkaufsfahrzeug (das in einem Holzschuppen geparkt war), versorgte die Soldaten/innen mit CocaCola und Schokoriegeln etc. , etwa 1982 wurde die unbenutzte ehemalige Feuerwache (Gebäude Nr 2810) zu einer Snackbar umgebaut.
  • Die Tankstelle (nur für Militärfahrzeuge) wurde rege genutzt, der Hubschrauberlan- deplatz selten, der Hügel zur Prüfung von Steigfähigkeit und Bremsen und das Becken zur Prüfung der Wasserdichtheit auch nicht oft.
  • Heizung und Warmwasser wurden von 3 Heizzentralen (in Geb 2809 & 2812 & ???) versorgt.
  • Im hinteren Teil der Anlage, entlang der Calwer Strasse, war noch ein Schrottplatz, auf dem wurden ausgemusterte Fahrzeuge gelagert, später in kleine Teile zerschnitten und per LKW zum Stuttgarter Hafen transportiert. Von dort aus per Schiff nach Holland und was noch brauchbar war, wurde dort mühsam wieder zusammengeschweißt und verkauft.
  • Die vorgeschriebene Körperertüchtigung vor bzw. nach dem täglichen Dienst bestand aus geschlossenem Jogging eine Runde innen entlang dem Außenzaun „perimeter road“.
  • Die betonierte „hardstand area“ (mit Ölabscheidern usw.) wurde nicht wirklich genutzt. Da die Drainage des gesamten Geländes tiefer lag, als der Abwasserkanal von Böblingen, gab es auch eine große Pumpstation (im hardstand vor Geb 2813), in der alles Oberflächen- & Schmutzwasser zusammenkam.
  • Etwa da, wo jetzt „Sensapolis“ steht, ist etwa 1984 nach einigen Problemen mit den Fischteichen an der Schwippe ein Regenauffangbecken gebaut worden …
  • Das ehemalige 1.Empfangsgebäude des Böblinger Flughafens (2816) ist jahrelang leer gestanden – war der Witterung und dem Vandalismus ausgesetzt – bis der „installation coordinator“ nach Interventition deutscher Zivilangestellte den historischen Wert der gesamten Anlage erkannt hat. Er hatte im Obergeschoß sogar ein kleines Museum zur Geschichte eingerichtet, das leider nicht mehr erhalten ist.
  • unter den Amerikanern war ein unausrottbares Gerücht verbreitet, dass das gesamte Areal untertunnelt und mit unterirdischen Flugzeughallen versehen sei. Die Flugzeuge seien (wie bei einem Flugzeugträger) startbereit per Aufzug (er sollte unter dem Hügel liegen) hochgekommen und losgeflogen sein. Alle Zugänge seien vermauert worden, aber da seien noch komplette Flugzeuge unten … Deswegen wurden immer wieder Ziegelwände in den Waschräumen der alten Werkshallen aufgebrochen und anschlie- ßend wieder repariert. Die Waschräume sind nur ein Mal während REFORGER 1982-1984 (?) wirklich benutzt worden. Die Tunnel gab es tatsächlich – teilweise konnte man sogar aufrecht darin laufen (aber kein Fahrzeug oder gar Flugzeug) – es waren Versorgungsschächte für Strom, Wärme, Wasser, Druckluft …

interessanter Artikel über die deutschen Zivilangestellten in der US-Army  Spiegel 1-1984

Am 31. Januar 1992 verließ das 1.Instandsetzungsbattalion der amerikanischen Streit-kräfte das ehemalige Flughafengelände, um am 1.September 1992 nach über 46 Jahren amerikanischer Nutzung endgültig in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland (Bundesvermögensverwaltung) zu gehen.

12 Antworten zu 1975-1992 US-Army Nutzung

  1. Fritz Mergenthaler schreibt:

    Alles gut und schön. Aber der „LABOR SERVICE“ hatte schon ein „G’schmäckle“. Als Inspector bei der US ARMY war es ratsam immer nur zu Zweit in deren Unterkünfte zu gehen (gleich links neben dem Main Gate). Es waren zum grössten Teil Polen, die ach dem 2. WK hier hängen geboeben sind. Die waren teilweise recht aggressiv, aber „for the odd jobs“ durchaus geeignet.
    F. Mergenthaler

    • buergertreff schreibt:

      Hallo Herr Mergenthaler,
      Sie haben bestimmt tolle Geschichten zu erzählen. Ich rufe Sie an.
      Mfg
      Reinhard Knoblich

  2. Richard Jonscher schreibt:

    Hallo Herr Mergenthaler,
    ich war selbst einige Jahre bei einer CSG-Einheit der Amerikaner beschäftigt und habe ebenfalls noch ältere Polnische Arbeitnehmer kennengelernt. Diese waren weder „Aggressiv“ noch anderweitig „Gefährlich“ so das man deren Unterkünfte nur zu zweit betreten konnte! Verbreiten Sie doch hier keine Vorurteile! der Dienst in den CSG-Einheiten war oftmals nicht leicht und mit dem Dienst im zivilem Bereich der US Streitkräfte nicht vergleichbar.

    Hier nachträglich noch Vorurteile gegen die Angehörigen der Zivilen Dienstgruppen der Amerikaner zu verbreiten ist unwürdig!

    Richard Jonscher

  3. Fritz Mergenthaler schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jonscher, wir reden über unterschiedliche Zeitabschnitte. Also bitte etwas behutsamer mit Ihren Einlassungen. Die Weisung zu zweit unsere Kontrollgänge beim Labor Service durzuführren wurde vom Chef des S&T Dept. erteilt. F. Mergenthaler
    P.S. werde am 20.7.2013 zur Zusammenkunft in Halle IV kommen.

  4. Klaus-D. Heinzmann schreibt:

    Ich war von 1979 bis 1986 bei der CSG in Böblingen! Ich habe während dieser Zeit weder aggressivitäten noch sonst jeder Art von Ärger erlebt. Ich habe überwiegend gute Erinnerungen
    an meine Zeit bei der Army (14,5 Jahre)!
    Klaus-D. Heinzmann, Wilhelmshaven

    • Siegfried-KOHLRUS schreibt:

      Ein Hallo an ALLE“ehem.LS.Kameraden“;
      Ich Siegfried-KOHLRUS war von 67-73 bei der 8902nd.CLG-LMDS Maintenance-
      1st.Platoon bei Cpt.Krause u.5ton.Wreckeroperator.Später noch bei der 8904th.Rees-Bks.War also überall -unteregs-
      Reforger-Manöfer,usw.“Mit den Polnischen LS.Kameraden die aus Frankreich
      in die Funkerkaserne/Esslingen LS.6930th.8902nd.8905th.übernommen wurden,
      hatte Ich keine Probleme.Es war eine Schöne-Zeit***
      Gruss Sigi

    • Walter Schulte Overberg schreibt:

      Hallo Klaus Heinzmann,warst du in Esslingen als Suplaier? dann kennen wir uns gut mein Name ist, Walter Schulte Overberg und war in der 4001. über eine Meldung würde ich mich sehr freuen.

    • Gerhard Blonner schreibt:

      hallo klaus da geb ich dir recht war auch in böblingen gr. jack

  5. Fritz Mergenthaler schreibt:

    Sehr geehrter Herr Heinzmann, freut mich zu lesen. Ich spreche jedoch von den 60er-Jahren; das waren andere Zeiten. Kollegialer Tip von mir: wenn Sie Texte einstellen: auf die orthographische Korrektheit prüfen. Macht besseren Eindruck!
    Have a nice day!
    F. Mergenthaler

  6. Bernhard Wädekin schreibt:

    Guten Morgen zusammen,
    ich war von 1976 bis 1985 bei zwei CSGs beschäftigt, von 1978 bis 1985 bei der 8404th in BMF, und kann die Aussagen von Herrn Heinzmann (den ich noch persönlich kenne) und Herrn Jonscher nur bestätigen. Sicher liegt der Ursprung des Labor Service in der Beschäftigung und Unterbringung von „displaced persons“; auf Grund persönlicher Schicksale mag es auch (teilweise alkoholbedingte) Ausraster (so nennt man das wohl heute) oder Vetternwirtschaft gegeben haben, das war aber während „meiner“ Zeit nicht die Regel und wurde auch disziplinarisch geahndet.

    Vielleicht kommt es noch zu einem Treffen ehemaliger CSGler am alten Arbeitsplatz …

    Korrektur zum Grundtext von H.Knoblich: Die oben beschriebene Aufarbeitung von Kurbelwellen wurde VOR 1975 im Reparaturwerk durchgeführt, nicht danach von US-Soldaten. Ich habe die 1975 eingemottete Maschine 1980 hinter einer Halle gefunden … da war sie schon verrostet!

    Grüße an alle von ex-ZB-8 B.Wädekin

  7. Carlos von Babaross schreibt:

    Hallo Kollege Heinzmann auch ich war beider 8906 th CSG bis 1991 danach mit Kollege Walter Lüdecke bei der Transportion in Kaiserslautern , Walter ist schon verstorben und unser Chef Katchie Hanz Kazmierzack der liegt auch schon auf dem Boothil es ist schön von dir Hier zu hören. Ich bin jetzt beim Vatikan beschäftigt die Mafia in Rom. Grüsse Abbe Carlo Schwarz

  8. Dürmaier Günther schreibt:

    ich war ca 16 Jahre bei der 8904 CLG Augsburg als Kfz Elektriker beschäftigt…Ein itressanter Lebensabschnitt.. Wer ist noch übrig ?

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